Fünf-Wunder-Brunnenkapelle – Nussdorf (Haunsberg)

Broschüre:
Im Inneren der Kapelle © A. Hirsch

Der wiedererstandene Brunnen

Die Kapelle wurde wohl im Zusammenhang mit dem Neubau der oberhalb gelegenen Wallfahrtskirche St. Pankraz am Haunsberg zu Anfang des 18. Jahrhunderts am Beginn des Weges zur Kirche errichtet. Vermutlich war sie ursprünglich als „Fünf-Wunden-Kapelle“ – herrührend von den fünf Wundmalen Christi – konzipiert, worauf neben dem (wohl verballhornten) namen die marmorne Brunnenschale in ihrem Inneren und der Rest einer alten Wasserzuleitung hinweisen. (vgl. Maria Ponlach). Vor der Errichtung einer kommunalen Wasserleitung versorgte sich die Bevölkerung der Umgebung mit Trinkwasser aus der Kapelle, in deren Brunnenschale sich dem Volksglauben nach das Wasser aus fünf verschiedenen Quellen vereinigte. 1935 wurde die Kapelle von Anhängern des im Jahr zuvor ermordeten austrofaschistischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß renoviert. Dabei ergänzte man das vorhandene Kruzifix mit den Bildern der Heiligen Leopold (Landespatron von Niederösterreich) und Engelbert.

Die Kapelle © A. Hirsch

Außerdem wurde ein kupfernes Relief mit dem Abbild des „Heldenkanzlers“ angebracht, welches heute nicht mehr vorhanden ist. Damit war in der zeitgenössischen Formulierung „ein Ort seelischer Erhebung und vaterländischer Weihe“ entstanden, der seither „Dollfußkapelle“ genannt wurde. Oberhalb der Kapelle befinden sich Quellfassungen der Nußdorfer Wasserversorgung. Im Zuge einer Renovierung wurde der Brunnen 2017 reaktiviert.

Autor/in: Andreas Hirsch