Franziskanerkirche – Stadt Salzburg

Salzburg - Franziskanerkirche © J. Neuhardt

Schon um 800 ist die älteste Pfarrkirche zu „Unserer Lieben Frau“ bekannt, die um 1220 ein romanisches Langhaus und ab 1408 von Hans von Burghausen einen gotischen Hochchor erhielt. Die Kirche birgt vier marianische Gnadenbilder.

Noch 1613 ist die Rede von einem Gnadenbild „ad columnam“ – „Maria Säul“. Das Ziel der eigentlichen Wallfahrt jedoch war die so genannte „Pachermadonna“ im Hochaltar von 1497: eine thronende Figur, die das Jesuskind mit der Linken hält und dem Kinde eine Traube reicht. Der mit 16 Metern höchste Flügelaltar der deutschen Gotik musste 1709 allerdings dem Geschmack des Barock weichen, woraufhin Johann Bernhard Fischer von Erlach mit dem Entwurf für den neuen Hochaltar beauftragt wurde.

"Pachermadonna" im Hochaltar © J. Neuhardt
„Pachermadonna“ im Hochaltar © J. Neuhardt

Allein die von Michael Pacher geschaffene Madonna wurde in den neuen Altar übertragen, da sie weiterhin das allgemeine Wallfahrtsziel darstellte. Dem Brauch der Zeit folgend, kleidete man sie fortan mit einer ganzen Garderobe, die nach den Farben des Kirchenjahres regelmäßig wechselte. Leider hat man dabei die Madonna stark verstümmelt.

Oftmals aufgelegte Andachtsbilder zeugen von der nie abgerissenen Verehrung, die der Madonna sowohl von Einzelwallfahrern als auch von Kreuztrachten, die den Dom und St. Peter besuchen, entgegengebracht wird. Dem gegenüber sind die anderen marianischen Gnadenbilder in der Franziskanerkirche von untergeordneter Bedeutung: Die Ährenkleidmadonna befindet sich heute im Franziskanerkloster. Weiter ist der Wunderbaum zu nennen, der noch am linken Seitenaltar im Langhaus steht.

Grabinschrift des Lucius Cotinius Martialis – Mondsee

Grabinschrift des Lucius Cotinius Martialis © O. Harl 2003

Heller feinkörniger Marmor mit Hornblende und Hellglimmer, sog. Schaidberger Marmor

Fundort: Mondsee, Klosterkirche
Ausstellungsort: Mondsee, in der Vorhalle der Klosterkirche

Zu seinen Lebzeiten hat Lucius Cotinius Martialis, Sohn des Lucius, Gemeinderat (decurio) von Iuvavum und für die Rechtsprechung zuständiger Beamter (Duumvir iure dicundo), das Grabmal für sich und seine Ehefrau Peccia Latina errichten lassen. Auffällig ist der Familienname des Mannes. Die keltischen Cotini, die im Nordosten außerhalb des römischen Reiches lebten, werden 171 n. Chr. als Verbündete der Römer im Markomannenkrieg erwähnt und später in der Provinz Pannonien angesiedelt. Wenn die Familie des Beamten aus Iuvavum tatsächlich nach ihrer ursprünglichen Herkunft benannt ist, muss es eine aristokratische Familie aus dem Stamm der Cotini gewesen sein, die sich in die Oberschicht einer römischen Stadt integriert hat.

Portraitstele des Quintus Munatius Lupus – Stadt Salzburg

Portraitstele des Quintus Munatius Lupus © O. Harl 2004

Mittelkörniger grauer Marmor mit Hornblende und Hellglimmer
Hiesberger Marmor

Fundort: Salzburg, Bürglstein
Ausstellungsort: Salzburg, Arkaden des Bürgerspitals

Die Büste des Verstorbenen ist in einer runden, von einem profilierten Blattkranz (Kyma) gerahmten Nische dargestellt. Durch diese Bildform wird der Porträtierte heroisiert. Die Delphine und Rosetten zwischen Medaillon und Rahmen des Bildfeldes sind nicht nur dekoratives Beiwerk, sondern Anspielungen auf ein paradiesisches Jenseits.
Interessanter als das Relief ist die Inschrift: Der Verstorbene stammt aus Saena, dem heutigen Siena, und war Soldat in der 9. Praetorianer-Kohorte. Dort hat er 11 Jahre gedient, zuletzt in der von einem LIgustus geführten Centurie (Gruppe von je 100 Mann). Die Praetorianer waren die persönliche Garde des Kaisers in Rom. Ob Quintus Munatius Lupus bei einem Feldzug oder bei einer kaiserlichen Inspektionsreise nach Iuvavum kam und dort – dreißigjährig – um 100 n. Chr. starb, verrät sein Grabstein leider nicht. Das Begräbnis wurde vom Erben Aulus Terentius Priscus – wohl ein Soldat derselben Truppe – besorgt.

Votivaltar mit Konsuldatierung – Altenmarkt an der Alz

Votivaltar mit Konsuldatierung © O. Harl 2004

Heller (beige-gelblicher) feinkörniger dichter Kalksandstein, sog. Untersberger Marmor

Fundort: Rabenden, Gem. Altenmarkt an der Alz
Ausstellungsort: Im Inneren der Kirche von Rabenden eingelassen

Das Stück wurde zur Altarstufe umgearbeitet, dem fiel der Anfang der Inschrift mit dem Namen der Gottheit zum Opfer. Erhalten blieb dafür die Datierung durch die Angabe der Konsuln des Jahres 229, Kaiser (Imperator dominus noster) Severus Alexander, der zum dritten Mal, und Cassius Dio, der zum zweiten Mal Konsul war. Letzterer ist bekannt als Historiker, dessen Römische Geschichte von Aeneas bis Severus Alexander eine wichtige Quelle für die Alterumswissenschaft ist. Gestiftet haben den Altar Lucius Pomponius Constans und Marcus Ursinius Verus. Sie waren II viri (duumviri), d.h. Bürgermeister. Der Name der Stadt – Iuvavum – musste in deren Territorium nicht genannt werden.

Relief eines Grabbaues – Stadt Salzburg

Relief eines Grabbaues © O. Harl 2004

Feinkörniger hellgelber geschieferter Marmor
Schaidberger Marmor

Fundort: Bischofshofen
Ausstellungsort: Salzburg Museum, Inv.Nr. 2799 (Depot)

Was man auf dem Fragment sieht, ist klar, was gezeigt wird, bleibt dunkel. Man sieht am rechten Rand einen runden Turm aus Steinquadern. Er hat zwei Bogenfenster und ein Zwischengeschoss mit Wehrgang. Auf diesem erscheinen hinter der Brüstung zwei Soldaten mit runden Schilden; der vordere hält in der erhobenen rechten Hand ein längliches Objekt, das als Fackel gedeutet wurde, dafür aber zu massiv wirkt. Oben auf der Plattform des Turmes scheinen noch zwei Figuren zu stehen, die rechte trägt ebenfalls einen Rundschild. Am Fuß des Turmes steht ein niedriges Podest. Das Ganze dürfte keine realistische Abbildung aus dem Leben römischer Soldaten, sondern eher Teil einer mythischen Szene sein, deren Hauptakteure nicht erhalten sind.

Altar für die Nymphen – Tittmoning

Altar für die Nymphen © O. Harl 2004

Weißer mittelkörniger Marmor, sog. Gummerner Marmor

Fundort: Tittmoning
Ausstellungsort: Heimathaus Rupertiwinkel

Den Nymphen hat C. L. H. sein Gelübde gern und nach Verdienst eingelöst.

Die Nymphen waren meist in der Mehrzahl verehrte Personifikationen von Gewässern, vor allem auch von Heilquellen. Sie werden als junge, sparsam bekleidete Mädchen dargestellt, die ihre Verbindung zum feuchten Element durch Attribute wie Muschelschalen oder Schilfstängel zeigen oder ihr Haar auswinden.

Der Stifter des schlichten Altars gibt nur seine Initialen an. Im Salzburgischen denkt man bei dem mit L beginnenden Familiennamen gern an die Lollier und ergänzte daher Caius Lollius Honoratus, den wir von 2 anderen Inschrift kennen, aber das bleibt nur Spekulation.

Fragment eines Grabaltars – Schalchen

Fragment eines Grabaltars © O. Harl 2002

Kalkstein, sog. Untersberger Marmor

Fundort: Schalchen
Ausstellungsort: Pfarrkirche Schalchen, Beichtkapelle

Der Stein wurde auf den Kopf gestellt und zum Taufbecken ausgehöhlt, die obere Hälfte fehlt. Die Inschrift auf der Vorderseite ist schlecht lesbar, ein Mannscheint das Grabmal für sich, seine Frau und weitere Angehörige errichtet zu haben. Auf den beiden Seitenflächen waren in profiliert gerahmten Feldern links ein Mann, rechts eine Frau auf einem Podest dargestellt, auf dem ihre Funktion vermerkt ist: Er war vilicus, sie vilica. Der Grabinhaber beschäftigte also einen Verwalter für seine Güter und eine Verwalterin für den Hauhalt.

Altar, geweiht von Duumviri – Wasserburg am Inn

Altar, geweiht von Duumviri © O. Harl 2004

Heller mittelkörniger Kalksandstein, sog. Untersberger Marmor

Fundort: Kornberg, Gem. Wasserburg am Inn
Ausstellungsort: Kornberg, Gem. Wasserburg am Inn, in der Vorhalle der Klosterkirche von Attel

Auf dem fehlenden Oberteil des Altars stand nicht nur der Name der verehrten Gottheit, sondern auch der des ersten der beiden Stifter, denn das Erhaltene beginnt mit dem Wort und (et), worauf der Name Lucius Cassius Potentinus und der Amtstitel II VIR folgt. II viri oder duumviri waren die Bürgermeister römischer Städte, die immer zu zweit amtierten. Genau das – ein Mann von zweien – heißt das Wort auch. Der Altar wurde also von den Bürgermeistern von Iuvavum geweiht und zwar am 18. Oktober des Jahres 204 n.Chr. Das erfahren wir aus der Angabe der Konsuln, Cilo und Libo, und des Datums, XV Kalendas Novembres. Den offiziellen Anlass der Aufstellung des repräsentativen Altars gerade an diesem Tag kennen wir leider nicht.

Meilenstein für Kaiser Septimius Severus und Caracalla – Stadt Salzburg

Meilenstein für Kaiser Septimius Severus und Caracalla © O. Harl 2004

Kalkstein

Fundort: Henndorf am Wallersee
Ausstellungsort: Salzburg Museum, Inv. 2772 (Depot)

Die Inschrift endet mit der Meilenangabe milia passuum XI. Das sind ca. 16,5 km, was der Entfernung des Fundortes von Salzburg entspricht. Namen und Titel der Kaiser stehen hier im Dativ, der Meilenstein wurde also explizit zu Ehren des Gründers der severischen Dynastie, Lucius Septimius Severus, und seines Sohnes Caracalla errichtet. Die Titulatur des Letzteren datiert den Stein auf das Jahr 213; damals war Septimius Severus bereits tot. Es gibt weitere Meilensteine für beide Kaiser, die erst 215 aufgestellt wurden, deren Inschrift aber die Amtstitel des Vaters aus dem Jahr 195 aufzählen.

Aschenkiste der Frau des Maurus – Freilassing

Aschenkiste der Frau des Maurus © O. Harl 2002

Weißer fein-mittel-körniger Marmor

Fundort: Freilassing
Ausstellungsort: Freilassing in der Kirche

Da der Anfang der Inschrift fehlt, erfahren wir nur, dass Maurus, Sklave des Matualus Iuvenis, zu seinen Lebzeiten seiner teuersten Gattin, die mit 36 Jahren starb, diesen Behälter für die Aschenurne anfertigen ließ. Der Name Maurus deutet auf die Herkunft des Mannes aus Nordafrika hin. Er war als Sklave offenbar ein geschätztes Haushaltsmitglied wie die große marmorne Aschenkiste beweist, die er im Grabbezirk seiner Herrschaft aufstellen konnte.

Grabinschrift des Saxsio-Titulus – Stadt Salzburg

Grabinschrift des Saxsio - Titulus © O. Harl 2004

Grauer feinkörniger geschichteter Sandstein. Flyschsandstein

Ausstellungsort: Salzburg Museum, Inv.Nr. 2831

Die schmucklose, aber sorgfältig ausgeführte Inschrift ist einem Mann mit dem keltischen Namen Saxsio gewidmet, der ein Freigelassener (das L am Ende der 2. Zeile ist die Abkürzung für libertus) eines anderen Kelten namens Volovicus gewesen ist. Beide waren Einheimische ohne römisches Bürgerrecht. Auffällig ist daher, dass eine Frau mit römischem Namen – Aulia Venusta – den Stein für Saxsio und für sich selbst anfertigen ließ. Die kleine Tafel war entweder an einem Grabbau oder über dem Eingang in einen Grabhügel eingemauert.

Portraitstele des Peregrinus – Stadt Salzburg

Portraitstele des Peregrinus © O. Harl 2004

Dunkelweinroter Knollenkalk, sog. Adneter Marmor

Ausstellungsort: Salzburg Museum, Inv.Nr. 2838

Im bogenförmig gerahmten Bildfeld sieht man die mit Tunica und Umhang bekleidete Büste eines jungen Mannes mit in die Stirn gekämmtem Haar. Sein Name Peregrinus, der Fremde, war auch die Bezeichnung für eine Person ohne römisches Bürgerrecht. Der mit 21 Jahren Verstorbene war Sklave (servus) einer römischen Dame namens Julia Moderata. Zu deren Dienerschaft gehörten auch seine Eltern, Speratus und Peregrina, die den Grabstein machen ließen. Die schön ausgeführte, architektonisch gestaltete Stele mit verzierten Rahmenleisten und lebensnahem Bildnis zeigt den Status, den Sklaven in einem wohlhabenden Haushalt haben konnten. Die Stele stand sicher im Grabbezirk der Familie der Julia Moderata, die zur Oberschicht der Stadt Juvavum gehörte.

Statue des Asklepius – Stadt Salzburg

Statue des Asklepius © O. Harl (2004)

Weißer, grobkörniger Marmor

Ausstellungsort: Salzburg Museum, Inv.Nr. 2786

Die Figur war als Votivgabe in einem Tempel aufgestellt gewesen, der dem Gott Asklepios geweiht war. Vom selben Fundort stammen noch weitere Statuetten des Gottes und ein ihm gewidmeter Altar. Asklepios, ein Sohn des Apollo, war der Patron der Ärzte. Seine Heilkünste gingen so weit, dass er Tote zum Leben erweckte, was ihm den Zorn des Unterweltsgottes Hades zuzog. Dieser beschwerte sich beim Götterchef Zeus, der die Kompetenzüberschreitung durch einen Blitzschlag beendete, wodurch Asklepios zum Gott avancierte. Er wird als bärtiger Mann dargestellt, bekleidet mit einem um Hüften und linke Schulter gelegten Mantel und auf einen langen Stab gestützt, um den sich eine Schlange windet. Dieser Aesculapstab ist heute das Logo der Apotheken.

Altarfragment – Stadt Salzburg

Altarfragment © C. Hemmers / St. Traxler 2006

Weinroter Knollenkalk, sog. Adneter Marmor

Fundort: Moosham, Gem. Elixhausen
Ausstellungsort: Salzburg Museum (Depot)

Aus den noch vorhandenen vier Zeilenenden lässt sich nicht mehr erkennen, um was für eine Art von Text es sich hier gehandelt hat.

7 Regionen – Oberösterreich

Das Territorium von IUVAVUM (C. Uhlir & K. Schaller, 2007)

Wie das übrige Gebiet des heutigen Staates Österreich südlich der Donau wurde das Territorium des Bundeslandes Oberösterreich (mit Ausnahme des Mühlviertels) im Jahr 15 v. Chr. von den römischen Heeren unter den Stiefsöhnen des Kaisers Augustus, Tiberius und Drusus, erobert. Die Machtübernahme in diesem Gebiet erfolgte offenbar friedlich. In der Mitte des 1. Jhs. n. Chr. wurde die Provinz NORICUM eingerichtet. Diese umfasste ungefähr das Gebiet des heutigen Österreich östlich von Inn und Ziller und westlich des Wienerwaldes; zudem schloß sie auch Teile Bayerns, Südtirols und Sloweniens ein.

Grabinschrift des Lucius Cotinius Martialis © O. und F. Harl, Foto O. Harl 2003
Grabinschrift des Lucius Cotinius Martialis © O. Harl 2003

Oberösterreich wurde von drei wichtigen römischen Straßen durchquert: Eine West-Ost-Verbindung verlief von IUVAVUM (Salzburg) über OVILAVIS (Wels) zur Donau, wo sie auf eine zweite West-Ost-Verbindung stieß, die entlang der Donau über CASTRA REGINA (Regensburg), LAURIACUM (Lorch), VINDOBONA (Wien) und CARNUNTUM (Petronell und Bad Deutsch-Altenburg) weiter nach Osten führte. Die so genannte „Norische Hauptstraße“ nahm in Aquileia den Ausgang und verlief über VIRUNUM (Zollfeld) über den Neumarkter Sattel, den Triebener Tauern und den Pyhrnpaß nach OVILAVIS (Wels).

Während in Salzburg und an vier Orten südlich des Alpenhauptkammes im Bereich der römischen Provinz NORICUM unter Kaiser Claudius municipia (Städte) eingerichtet wurden, erhielt OVILAVIS das Stadtrecht erst unter Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.). Teile des Innviertels und der Attergau gehörten zum Territorium von IUVAVUM. Das restliche Oberösterreich südlich der Donau unterstand OVILAVIS, bis das Stadtrecht von LAURIACUM eine Verschiebung notwendig machte.

Ab der zweiten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. wurden zur Sicherung der Nordgrenze des Römischen Reiches entlang der Donau eine Grenzbefestigung, genannt limes, mit Kastellen und Truppenlagern eingerichtet. In LAURIACUM (Lorch), wo seit dem Ende des 1. Jhs. n. Chr. nur ein kleines vicus (Dorf) bestand, wurde nach den Markomannenkriegen (um 170 n. Chr.) ein Legionslager und damit in Verbindung eine größere städtische Siedlung gebaut. Dieser wurde unter Kaiser Caracalla (211-217 n. Chr.) das Stadtrecht verliehen.

Neben den Städten gab es zahlreiche kleinere Siedlungsformen: vici (Dörfer), Straßenstationen und Gutshöfe. Gutshöfe, die der landwirtschaftlichen Versorgung dienten, waren in besonders großer Anzahl entlang der Salzach und des Inns und im Umkreis von OVILAVIS vorhanden.

Obwohl es im Zuge der Auseinandersetzungen nach dem Tod Kaiser Neros in den Jahren 68 bis 70 n. Chr. in Oberösterreich militärische Aufmärsche gab, fanden keine Kampfhandlungen statt. Die Friedenszeit dauerte von der Einrichtung der Provinz bis zu den Jahren um 170 n. Chr. Zu dieser Zeit fielen die Markomannen und Quaden in NORICUM ein und drangen bis nach Oberitalien vor. Einer kurzen Blütezeit unter den Kaisern aus dem Geschlecht der Severer (193-235 n. Chr.) folgten unruhige Zeiten, in denen die Alemannen mehrmals in Oberösterreich einmarschierten.

Unter Kaiser Diokletian (284-305 n. Chr.) wurde die Provinz NORICUM entlang des Alpenhauptkammes geteilt. Der nördliche Abschnitt, der ab dem 3. Jh. UFERNORICUM genannt wurde, erhielt OVILAVIS oder LAURIACUM als Hauptstadt. Während militärischer Operationen zur Sicherung der Grenzen hielten sich die Kaiser Constantius (337-361 n. Chr.), Julian Apostata (361-364 n. Chr.), Valentinian I. (364-375 n. Chr.) und Gratian (367/375-383 n. Chr.) in Oberösterreich auf. Im 5. Jh. n. Chr. litt die Bevölkerung unter den Einfällen der Germanen und Hunnen.

LAURIACUM wandelte sich im 5. Jh. n. Chr. von einem Legionslager zu einer Zivilstadt, die der einzige bekannte Bischofssitz in NORICUM war. Der schon lange andauernde Niedergang wurde durch den verordneten Abzug der Bevölkerung im Jahr 488 n. Chr. besiegelt. Dieser Abzug wurde aber, wie Funde zeigen, nicht vollständig durchgeführt.

6 Regionen – Bayern

Das Territorium von IUVAVUM (C. Uhlir & K. Schaller, 2007)

Das Gebiet des heutigen Freistaates Bayern umspannte in römischer Zeit Teile von drei Provinzen. Der größte Anteil mit Schwaben, Ober- und Niederbayern sowie Mittelfranken gehörte der Provinz Raetien (RAETIA) mit der Provinzhauptstadt Augsburg (AUGUSTA VINDELICUM) an. Nieder- und Oberbayern südöstlich des Inns zählte zum Gebiet der Provinz NORICUM mit dem Verwaltungszentrum VIRUNUM (Zollfeld) im heute österreichischen Kärnten. Im unterfränkischen Maingebiet lag ein kleiner Abschnitt des Limes in der Provinz Obergermanien (GERMANIA SUPERIOR) mit der Provinzhauptstadt MOGONTIACUM (Mainz). Weite Teile Nordbayerns lagen allerdings außerhalb des Römischen Reiches und waren von germanischen Stämmen besiedelt, deren Verhältnis zu Rom stets wechselvoll blieb.

Das bayerische Voralpenland, in dem die keltischen Stämme der RAETER, VINDELIKER, ALAUNEN uns AMBISONTEN siedelten, wurde im Rahmen des Alpenfeldzuges des Tiberius und des Drusus im Jahre 15 v. Chr. erobert. Im Gegensatz zu RAETIEN waren der wohl friedlichen Eroberung NORICUMS enge Handelsbeziehungen zwischen dem REGNUM NORICUM – einem keltischen Stammesverband zwischen Inn und dem Ostrand der Alpen – und Rom schon seit dem 2. Jh. v. Chr. vorausgegangen. Neben den besiegten raetischen Stammesverbänden werden von den norischen Stämmen nur die Ambisonten auf dem römischen Siegesdenkmal in La Tourbie bei Monte Carlo erwähnt, so dass davon auszugehen ist, dass sich das restliche REGNUM NORICUM widerstandlos in das Römische Reich eingliedern ließ.

Altar für die Nymphen © O. und F. Harl, Foto O. Harl 2004
Altar für die Nymphen © O. Harl 2004

Wahrscheinlich wurden erst unter Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) RAETIEN und NORICUM zur Provinz erhoben. Das militärische wie das zivile römische Leben entwickelte sich in beiden Provinzen seit Beginn des 1. Jhs. n. Chr. und erreichte im 2. Jh. n. Chr. seine Blüte. Diese wurde aber vielerorts durch die Markomannenkriege unterbrochen. Meist wurden die zerstörten Städte schnell wiederaufgebaut, und die Siedlungen erfuhren in der Folgezeit einen Aufschwung. Im 3. und 4. Jh. n. Chr. führten wiederholte Einfälle germanischer Stämme – vor allem der ALEMANNEN – zum schrittweisen Niedergang der römischen Herrschaft im bayerischen Raum. Für Raetien ist seit Beginn des 4. Jhs. n. Chr. mit einer bedeutenden germanischen Bevölkerungskomponente böhmischer Herkunft zu rechen. Diese verschmolz jeweils mit der einheimischen Bevölkerung. Spätestens im 5. Jh. n. Chr. stellte sie vor allem in den Militärlagern die Mehrheit der Bevölkerung. In der ersten Hälfte des 5. Jhs. versuchte der römische Heermeister des Westreiches AETIUS mehrfach Raetien und Norikum gegen eindringende Juthungen zu verteidigen. Das nördliche Alpenvorland hatte zudem erheblich unter der Herrschaft der Hunnen bis um die Mitte des 5. Jhs. zu leiden. Die Vita des Hl. Severin, der um 460 n. Chr. nach NORICUM kam und dort segensreich wirkte, beschreibt die letzten Jahre der römischen Herrschaft im bayerischen Voralpenland. Durch die jahrzehntelangen feindlichen Einfälle waren das ländliche Leben und somit die Versorgung mit Lebensmitteln weitgehend zusammengebrochen. Die Provinzbevölkerung war so extremen Hungersnöten ausgeliefert. Die Menschen sammelten sich an vereinzelten befestigten Orten und versuchten von dort aus ihr Überleben zu sichern. Sie waren jedoch auch in den Fluchtburgen nicht vor germanischen Einfällen sicher. Der westliche Teil der Provinz Raetien wurde bereits um die Mitte des 5. Jhs. von den Alemannen besetzt. Im Jahre 488 n. Chr. befahl der Ostgote Odoaker, der den letzten weströmischen Kaiser abgesetzt hatte, die Räumung Norikums und die Rückführung der Bevölkerung nach Italien. Trotz dieser Aufforderung verblieben vor allem um IUVAVUM (Salzburg) römische Siedler im nördlichen Alpenvorland. Diese Restromanen hatten wohl erheblich Anteil an der Bildung des neuen Stammes der Bajuwaren.

5 Regionen – Salzburg

Das Territorium von IUVAVUM (C. Uhlir & K. Schaller, 2007)

Das Gebiet des heutigen Bundeslandes Salzburg, das in der späten Eisenzeit von den keltischen Stämmen der Ambisonten und Alaunen besiedelt war, wurde während der Alpenfeldzüge unter Kaiser Augustus im Jahr 15 v. Chr. von den Römern annektiert. Die Übernahme verlief offenbar weitgehend friedlich. Allerdings zeigt die Erwähnung der Ambisonten unter den besiegten Alpenvölkern auf dem Siegesdenkmal von La Tourbie (oberhalb von Monte Carlo), daß dieses Volk, das im Saalach- oder Salzachtal ansässig war, Wiederstand leistete.

Das heutige Bundesland Salzburg war Bestandteil der unter Kaiser Claudius in der Mitte des 1. Jhs. n. Chr. eingerichteten Provinz NORICUM. Ihr Verwaltungszentrum war auf dem Magdalensberg in Kärnten. Gleichzeitig mit der Provinz NORICUM wurden die municipia (Städte) VIRUNUM, CELEIA, TEURNIA, AGUNTUM und IUVAVUM gegründet. Mit Ausnahme des Lungaus, der zum Territorium von TEURNIA (St. Peter in Holz) gehörte, war das Land Salzburg neben weiteren Gebieten im heutigen Bayern und Oberösterreich Territorium der Stadt IUVAVUM (Stadt Salzburg).

Durch das Land Salzburg verliefen wichtige Handelsrouten. Über den Radstädter Tauern führte eine Straße von VIRUNUM und später auch von TEURNIA nach IUVAVUM. Dort traf diese Nord-Süd-Achse auf die West-Ost-Achse, die in Richtung Westen nach Augusta VINDELICUM (Augsburg) und Richtung Osten nach OVILAVIS (Wels) führte. Ferner gab es weitere Straßen, zum Beispiel jene über das Hochtor ins Fuschertal und über den Korntauern und Mallnitzer Tauern ins Gasteinertal und weiter durch das Salzachtal, bis bei Pfarrwerfen die vom Radstädter Tauern kommende Route erreicht wurde.

Neben der Landwirtschaft spielten der Handel, der Bergbau und das Handwerk eine bedeutende wirtschaftliche Rolle.

Altar für Jupiter und für alle Gottheiten © O. Harl 2004
Altar für Jupiter und für alle Gottheiten © O. Harl 2004

Die Blütezeit im 1. und 2. Jh. wurde durch einen Einfall der Markomannen und Quaden um 170 n.Chr. unterbrochen. Ihm fiel die Stadt  IUVAVUM zum Opfer. In der Folge kam es zu einem neuen Aufschwung. Ab etwa 230 n. Chr. verschlechterte sich die politische Lage; wiederholt kam es zu feindlichen Einfällen – im 3. und 4. Jh. n. Chr. durch die Alemannen und im 5. Jh. n. Chr. durch die Vandalen, Alanen und Hunnen.

Spätestens am Ende des 4. Jhs. wurden die meisten Gutshöfe aufgegeben. Im 4. und 5. Jh. zog sich die Bevölkerung in Fluchtburgen zurück, die in IUVAVUM, CUCULLAE (Kuchl) und Bischofshofen nachgewiesen sind. Der um 400 n. Chr. einsetzende endgültige Niedergang fand mit dem 488 n. Chr. verordneten Abzug der römischen Bevölkerung seinen Abschluß. Die Ortnamen zeigen, daß vor allem im Gebiet südlich der Hauptstadt IUVAVUM noch Überreste der römischen Bevölkerung im Land verblieben.

In einer Quelle der zweiten Hälfte des 5. Jhs. n. Chr. sind christliche Gemeinden in IUVAVUM und CUCULLAE erwähnt.

4 Steine für das Gebiet von Iuvavum

Das Territorium von IUVAVUM (C. Uhlir & K. Schaller, 2007)

Im nördlichen NORICUM – und dazu gehört das Territorium von Iuvavum – wurde für die Herstellung von Grab- und Weihemonumenten Material von allen geologischen Großeinheiten der Region verwendet. Dies waren Granite, Gneise und Marmore der Böhmischen Masse, tertiäre und quartäre Sandsteine und Konglomerate der Molassezone, Sandsteine aus der Flyschzone, verschiedenfärbige Kalksteine und Kalksandsteine der Kalkalpen sowie Marmore der Schladminger und Radstätter Tauern.

„Minderwertige“ Sandsteine und Konglomerate sowie nur schwer zu bearbeitende Gneise und Granite wurden vorwiegend im lokalen Bereich verwertet, hochwertige Kalksteine und Marmore stattdessen meist regional und überregional genutzt.

Hiesberger Marmor © Salzburg Museum, Foto O. Harl 2004
Portraitstele des Quintus Munatius Lupus © O. Harl 2004

Die bedeutendsten Marmorvorkommen finden sich im Raum Melk (Niederösterreich) und in der Tauernregion, d. h. in Öblarn/Sölk (Steiermark) und in Schaidberg (Radstätter Tauern/ Salzburg). Im Raum Melk finden sich der Hiesberger und Häuslinger Marmor in Form von kleinen, lang gestreckten Linsen. Diese haben eine Länge von bis zu 200 m und eine Mächtigkeit von 10 bis 30 m. In dieser kalkarmen Region wurden die Marmorvorkommen wohl in erster Linie zur Herstellung von Brandkalk für militärische und zivile Bauten, aber auch zur Erzeugung von Werksteinen genutzt. Die Qualität der Marmore ist schwankend. Sie reicht von relativ reinen grauen bis zu schlierigen, gebänderten und dunkelgrauen Marmoren mit den Nebengemengteilen Hellglimmer, Hornblende und Pyrit. Der Pyritgehalt im reinen hellgrauen Häuslinger Marmor wirkt sich äußerst negativ auf dessen Verwitterungsverhalten aus; das Gestein beginnt bereits nach etwa 50 Jahren zu zerfallen. Deshalb wird es vorwiegend im lokalen Bereich verwendet. Mit dem wesentlich minderen Hiesberger Marmor, der zum Teil dunkelgraue Schlieren und häufige Hornblendekristalle aufweist, wurde hingegen im nördlichen NORICUM und in den umliegenden Gebieten gehandelt. Der mittelalterliche und neuzeitliche Steinbruchbetrieb überdeckte etwaige antike Abbauspuren.

Schaidberger Marmor © Salzburg Museum, Foto O. Harl 2004
Relief eines Grabbaues © O. Harl 2004

Die Marmorvorkommen in den Hohen Tauern sind im Nahbereich der Passstraßen trotz ihrer geringen Ausdehnung genutzt worden. Schaidberger Marmor ist in IUVAVUM für Bauteile größerer Grabbauten sowie für Meilensteine des severischen Straßenbauprogramms belegt.
Dieser hochwertige gelbliche Marmor tritt in seiner Verwendung aufgrund der schwierigen topographischen Verhältnisse deutlich gegenüber den Marmoren der Region von Melk zurück. Alte Abbauspuren (Schrote) beim Vorkommen des Schaidberger Marmors zeugen von einem systematischen Steinbruchbetrieb.

Untersberger Marmor © O. und F. Harl, Foto O. Harl 2004
Altar, geweiht von Duumviri © O. Harl 2004

In den Nördlichen Kalkalpen ist die Gosau Kalkbrekzie des Untersberges (Kreidezeit, Gosauformation) bei Salzburg in großem Ausmaß genutzt worden. Dieses bezüglich Verarbeitung und Verwitterungsbeständigkeit äußerst hochwertige hellgelbliche bis hellrosa Gestein ist außergewöhnlich dicht und kompakt. Es wird wegen seiner guten Polierbarkeit noch heute „Untersberger Marmor“ genannt. Antike Abbauspuren sind wegen der extensiven mittelalterlichen und neuzeitlichen Nutzung nicht mehr vorhanden; es sind jedoch im Abraum Bruchstücke von Urnen, Säulen und das so genannte „Bildhauerlehrstück“ gefunden worden. In geringem Ausmaß wurde auch der „Adneter Marmor“ in seiner Variante als dunkelroter Kalkstein verwendet. Ob es tatsächlich bei Adnet Abbaue gegeben hat oder ob die „Vigauner Findlinge“ entlang der Römerstraße verwendet wurden, konnte nicht geklärt werden.

Adneter Marmor © Salzburg Museum, Photo Ch. Hemmers / St. Traxler 2006
Altarfragment © C. Hemmers / St. Traxler 2006

Bisherige Forschungsergebnisse erlauben einen Einblick in die Geschichte des Steinabbaus und –transports des nördlichen NORICUMS, dennoch sind viele Fragen offen. Ziel folgender Forschungsprojekte wird es sein zu ermitteln, welche sozialen und wirtschaftlichen Voraussetzungen hinter dem Steinhandel standen und wer die Steinbrüche betrieben hatte. Weiters soll das Augenmerk zukünftiger Forschungs-arbeiten auf die Logistik der umliegenden Gegenden der Steinbrüche gelegt werden. Es stellt sich die Frage, ob Schneisen, Straßen und/oder Wege vorhanden waren. Außerdem gilt es herauszufinden, wo Werkstätten zu suchen sind, ob Wanderhandwerker (für die Feinbearbeitung von Steindenkmälern) existierten, wer die Anfertigung von Steindenkmälern in Auftrag gab und inwieweit Auftraggeber Einfluss auf das verwendete (bzw. zu verwendende) Material nahmen.

Bildhauerlehrstück © Salzburg Museum, Photo C. Hemmers / St. Traxler 2006
Bildhauerlehrstück © C. Hemmers / St. Traxler 2006

Zudem ist zu ergründen, ob die Steindenkmäler zum Teil oder gänzlich in den Steinbrüchen gefertigt wurden und ob sich Zusammenhänge zwischen der Verwendung hochwertiger Materialien und der Erstellung hochwertiger Bildhauerarbeiten finden lassen.

 

3 Römische Steindenkmäler auf dem Gebiet des MUNICIPIUM IUVAVUM

Das Territorium von IUVAVUM (C. Uhlir & K. Schaller, 2007)

Der Römerstein ist in unseren Breiten ein Leitfossil der Römerzeit. Die Pauschalbezeichnung für steinerne Architekturteile, Reliefs, Statuen, Inschriften konnte nur dort entstehen, wo es vor der römischen Herrschaft und dann wieder einige Jahrhunderte nach deren Ende derartiges überhaupt nicht gab, so dass Funde von großen bearbeiteten Steinen gleich als „heidnische Bildwerke“ erkannt und auf die alten Römer zurückgeführt werden konnten.

Statue des Asklepius © Salzburg Museum, Foto O. Harl (2004)
Statue des Asklepius © O. Harl 2004

Der Römerstein als solcher

Der Stein als solcher ist in unseren Breiten ein Leitfossil der Römerzeit. Die Pauschal-bezeichnung für steinerne Architekturteile, Reliefs, Statuen und Inschriften konnte nur dort entstehen, wo es vor der römischen Herrschaft und dann wieder einige Jahr-hunderte nach deren Ende derartiges überhaupt nicht gab, so dass Funde von großen bearbeiteten Steinen gleich als „heidnische Bildwerke“ erkannt und auf die alten Römer zurückgeführt werden konnten.

Portraitstele des Peregrinus © Salzburg Museum, Foto O. Harl 2004
Portraitstele des Peregrinus © O. Harl 2004

Welche Arten von römischen Steindenkmälern es auf dem Gebiet von IUVAVUM gab und was uns davon erhalten blieb

Zu den ersten Aufgaben der römischen Verwaltung in einer „unzivilisierten“ Provinz wie NORICUM gehörte die Erschließung von Steinbrüchen. Sobald Siedlungen das römische Stadtrecht erhielten oder neue Städte gegründet wurden, benötigte man Steine, um öffentliche Bauten (Forum, Tempel, Versammlungsräume, Markthallen, Bäder, Theater etc.) errichten zu können.

Auch die privaten Bauten der Oberschicht wurden mit steinernen Architekturteilen und Skulpturen ausgestattet – in Salzburg haben sich nur einige Säulen- und Gebälkfragmente erhalten. Die Götterbilder, angefangen mit denen der kapitolinischen Trias Jupiter, Juno und Minerva, in den Tempeln, die vielen Statuen von Kaisern und städtischen Honoratioren auf dem Forum – all das ist verloren.

Grabinschrift des Saxsio - Titulus © Salzburg Museum, Foto O. Harl 2004
Grabinschrift des Saxsio – Titulus © O. Harl 2004

Die bronzenen Kaiserstatuen waren ihres Materials wegen schon in der Antike gefährdet; die als Baumaterial schlecht geeigneten steinernen Götterbilder und Ehrenstatuen wurden später meist in Kalköfen entsorgt. Überlebenschancen hatten nur praktikable Steinblöcke wie Statuensockel; ein solcher hat sich in Salzburg erhalten. Außerdem gibt es noch zahlreiche Altäre, sie wurden von Einzelpersonen einer Gottheit gestiftet. Außer einem großen Opferaltar vor jedem Tempel gab es viele kleinere Altäre, die für erwiesene oder erhoffte Hilfe der Götter aufgestellt wurden. Sie trugen meist knapp formulierte Inschriften mit den Namen der Gottheit und des Stifters, der Anlass der Weihung wird selten genannt. Diese Votivaltäre standen in großer Zahl in den Tempelbezirken, aber auch in kleineren Heiligtümern in städtischen Quartieren, Villen und Gutshöfen. Als Opfergaben wurden auf ihnen Harzkörner verbrannt oder Früchte geboten. Manche Votivaltäre wurden auch von Amts wegen gestiftet. Am Chiemsee weihten z.B. jährlich die zwei amtierenden Bürgermeister von IUVAVUM einer lokalen Gottheit einen Altar und erfolgreiche Militärs errichteten Altäre für die Siegesgöttin Victoria. Bei Straßenstationen gab es eigene Heiligtümer, in denen jeder der dort zur Verkehrsüberwachung eingesetzten Soldaten nach dem Ende seines Dienstes einen Altar – meist für den obersten Reichsgott Jupiter – aufstellte.

Es sind nur wenige Götter, die auf den im Gebiet von IUVAVUM gefundenen Votivaltären angerufen werden. Neben Jupiter und dem einheimischen Gott Bedaius kommen nur Hercules und Victoria mehr als einmal vor; daneben reihen sich die für die Gesundheit zuständigen Gottheiten Apollon, die Nymphen und Asklepios. Von letzterem wurden Fundamente seines Tempels in Salzburg aufgedeckt. Außerdem Fortuna und der persische Lichtgott Mithras. Durch eine verschollene Inschrift kennen wir auch einen Tempel des Mercur. Er wurde als Gott der Händler in einer Stadt, die vom transalpinen Handel profitierte, sicher sehr verehrt.

Fragment eines Grabaltars © O. und F. Harl, Foto O. Harl 2002
Fragment eines Grabaltars © O. Harl 2002

Die größte und in jeder Hinsicht aussagekräftgste Gruppe von Römersteinen sind auch im Salzburgischen die Grabsteine. Die Sitte, steinerne Grabmäler zu errichten, wurde in den nördlichen Provinzen vom römischen Militär verbreitet. Ab dem späteren 1. Jahrhundert n. Chr. war sie in NORICUM auch bei der einheimischen Bevölkerung in allen Gesellschaftsschichten üblich.
Die einfachste Form des Grabsteins ist der so genannte Titulus, eine schmucklose Inschrifttafel. Sie nennt Namen, Alter und Familienverhältnisse der Verstorbenen. Meist erfährt man auch, wer den Grabstein machen ließ. Diese kleineren Tafeln stammen wohl in der Mehrzahl von Hügelgräbern, über deren Eingang sie angebracht waren.

Aschenkiste der Frau des Maurus © O. und F. Harl, Foto O. Harl 2002
Aschenkiste der Frau des Maurus © O. Harl 2002

Diese Bestattungsform aus der vorrömischen Zeit wurde von der ländlichen Bevölkerung weiter gepflegt. Nach römischer Sitte angelegte Friedhöfe säumten die wichtigen Ausfallstraßen der Stadt. Kleinere Familiengrabbezirke lagen bei Villen und Gutshöfen. Die Oberschicht – der romanisierte norische Adel und zugezogene italische Händlerfamilien – errichtete repräsentative Grabbauten, in deren Unter-geschoss die Aschenurnen aufbewahrt wurden. Von solchen Mausoleen sind meist nur einzelne Reliefblöcke, aber auch große Inschriftplatten erhalten. Aus letzteren erfahren wir einiges über die tonangebenden Familien IUVAVUMS. Diskret sind sie allerdings bezüglich der Quellen ihres Reichtums, der sich nicht nur aus ihren Grabmälern, sondern auch aus ihren Villenanlagen und ihren Ehrenämtern erschließen lässt. Letztere verpflichtet sie zu immensen Ausgaben für ihre Stadt. Zu diesen Familien gehörten auch Freigelassene (liberti) und Sklaven (servi), die es, wie ihre Grabsteine erkennen lassen, zu eigenem Vermögen bringen konnten.

Die übliche Grabmalform der Mittelschicht von IUVAVUM war der Grabaltar; er wurde sicher nicht für Opfer am Grab verwendet, sondern wird wegen seines altarförmigen Mittelteils so genannt. Auf ihm steht die Inschrift; außerdem trägt er meist eine dachförmige Bekrönung. Die in anderen Gegenden sehr gebräuchlichen Grabstelen, die heutigen Grabsteinen ähneln, sind dagegen um Salzburg auffallend selten. Das ist insofern bedauerlich, als sich auf römischen Grabstelen die Verstorbenen gern abbilden ließen. Auch die im südlichen NORICUM häufigen Portraitnischen von Grabbauten, in denen oft die Büsten ganzer Familien aufgereiht erscheinen, haben sich in IUVAVUM nicht erhalten. Ein schwacher Ersatz dafür sind die hier beliebten so genannten Aschenkisten. Dies sind steinerne Kisten, in denen die Urnen der Verstorbenen verwahrt wurden. Aschenkisten standen öffentlich sichtbar auf den Friedhöfen. Sie trugen eine Grabinschrift und waren meist mit dachförmigen Deckeln verschlossen; an ihnen konnten Portraitreliefs angebracht sein. Dieses preisgünstige Grabmal wählten Familien mit niedrigem Status. Angemerkt sei, dass die auf Aschenkisten angebrachten Portraits meist den Charme von Kinderzeichnungen haben.

Votivaltar mit Konsuldatierung - Rabenden, Gemeinde Altenmarkt an der Alz © O. und F. Harl, Foto O. Harl 2004
Votivaltar mit Konsuldatierung © O. Harl 2004

Alle genannten Grabmaltypen gehörten zu Brandbestattungen. Die seit dem späteren 2. Jahrhundert aufkommende Körperbestattung scheint in NORICUM zunächst wenig gebräuchlich gewesen zu sein. es haben sich jedenfalls im Nordteil der Provinz bisher keine Sarkophage gefunden. Diese sind in den Nachbarprovinzen, allen voran in PANNONIEN, im 3. Jahrhundert die übliche Form des Grabmals für Mittel- und Oberschicht.

Was wir aus den Inschriften der Römersteine über die Gesellschaft von IUVAVUM erfahren

Altar für Bedaius © O. und F. Harl, Foto O. Harl 2004
Altar für Bedaius © O. Harl 2004

Interessant sind zunächst die Personennamen auf Votiv- und Grab-inschriften. In der römischen Gesellschaft gab es nicht nur soziale, sondern zuerst juristische Klassen, die sich in ihren Namensformen unterschieden. Römische Bürger, die in der Verwaltung einer Stadt amtieren, in einer Legion dienen, eine gültige Ehe schließen und legitime Kinder haben konnten, besaßen die tria nomina, zusammen-gesetzt aus praenomen/Vorname, gentile/Familienname und cognomen/Beiname. Letzterer diente zur Unterscheidung von gleichnamigen Familien-mitgliedern und konnte auf Inschriften auch weggelassen werden. Bei Frauen wird gewöhnlich gentile und cognomen angegeben, aber kein praenomen. Das gentile von Provinzbewohnern gibt oft Auskunft darüber, unter welchem Kaiser eine Familie bzw. ein Soldat – nach seinem Dienst bei einer Hilfstruppe – das Bürgerrecht erhalten hat. Sklaven bekamen das Bürgerrecht und zugleich den Familiennamen ihres ehemaligen Herren bei der Freilassung; zumindest in der ersten Generation werden sie durch den Zusatz libertus (liberta) des (Familienname des Herrn) gekennzeichnet. Ein griechisches cognomen ist in der Regel ebenfalls ein Hinweis auf Herkunft eines Freigelassenen.

Aus den Namen einiger Familien in IUVAVUM ist abzulesen, dass sie offenbar schon als römische Bürger aus Oberitalien zugezogen sind. Es handelt sich dabei um Angehörige von Handelshäusern, die an Stützpunkten an den wichtigen Alpenübergängen interessiert waren. Sie trieben gleichzeitig die Romanisierung der Provinz voran.

Meilenstein für Kaiser Septimius Severus und Caracalla © O. und H. Harl, Foto O. Harl 2004
Meilenstein für Kaiser Septimius Severus und Caracalla © O. Harl 2004

Personen, die nur einen Namen (sei er lateinisch oder einheimisch-keltisch) haben und allenfalls den Namen ihres Vaters im Genetiv anfügen, waren so genannte peregrini, also Fremde im römischen Reich. Sie arbeiteten als Bauern, Handwerker, Fuhrleute oder standen in den Diensten von Großgrundbesitzern. Damit sind wir bei einem profanen Thema, zu dem die Inschriften in NORICUM nur wenige Auskünfte geben. Die Hautevolée in IUVAVUM zählt ihre städtischen Ehrenämter auf, aber keinesfalls, womit sie ihr Geld verdient. Dass ein nicht unwesentlicher Teil ihres Reichtums aus dem Salzhandel stammte, darf vermutet werden. Ihren Beruf geben nur einige Verwalter (vilicus, actor) an, die landwirtschaftliche Betriebe und sonstige Geschäfte der hohen Herrschaften betreuten. Auch die vilica, die für das Funktionieren des Haushalts und dessen Personal zuständig war, wird zweimal genannt.

Vermutlich weil seine Profession so speziell war, wird die eines Mannes namens Profuturus in seiner Grabinschrift erwähnt; er war Fährtensucher (verstigiator) im Dienst einer der großen Familien IUVAVUMS. Aber im Allgemeinen fanden die einfachen Leute ihre Arbeit nicht erwähnenswert.

Militärs nennen dagegen stets ihren Rang. Sie treten aber nur selten auf, da NORICUM bis gegen Ende des 2. Jahrhunderts keine Legionsgarnison hatte und IUVAVUM selbst eine zivile Stadt ohne überregionale Verwaltungsaufgaben und weit entfernt von der Reichsgrenze war. Soldaten mit Sonderaufgaben (beneficiarii) überwachten die Straßen im Landbezirk und im 3. Jahrhundert bot die Legion in Enns auch jungen Männern aus IUVAVUM Aufstiegschancen.

2 Die Grenzen des Territoriums von IUVAVUM

Das Territorium von IUVAVUM (C. Uhlir & K. Schaller, 2007)

Das Territorium der Stadt IUVAVUM bildet nach der allgemein vertretenen Ansicht den nordwestlichen Teil der römischen Provinz NORICUM. Im Westen und Norden grenzte es an die Provinz RAETIA, im Osten an das Territorium der Stadt OVILAVIS (Wels), und vielleicht an ein angenommenes, aber nicht beweisbares direkt unter kaiserlicher Verwaltung stehendes Gebiet (Patrimonium Regni Norici), im Südosten an das Territorium von TEURNIA (St. Peter im Holz) und im Süden an das Territorium von AGUNTUM (Lavant).

Über den genauen Verlauf der Grenze gibt es unterschiedliche Auffassungen. Diese berufen sich aufgrund eines eklatanten Mangels an schriftlichen Überlieferungen vor allem auf epigraphische und archäologische Zeugnisse.

Die Grenze zur Provinz RAETIA bildete laut dem römischen Historiker Tacitus (um 55 – nach 115 n. Chr.) der Inn. Aufgrund der Inschriften, die auf Landbesitzer aus IUVAVUM hinweisen und aufgrund der Beziehungen der archäologischen Funde zwischen PONS AENI (Pfaffenhofen) und Pocking zu jenen aus NORICUM wurde angenommen, daß das Territorium von IUVAVUM auch einige Abschnitte am Westufer des Inns umfaßte. Die Siedlungskonzentrationen im sonst sehr dünn besiedelten Gebiet westlich des Inns stellen Fortsetzungen der norischen Besiedlung dar. Vielleicht war die von PONS AENI entlang des linken Innufers nach Norden verlaufende Straße die Grenze.

Südlich von PONS AENI bildete vielleicht die Wasserscheide zwischen den Flüssen Ziller und Salzach die Grenze. Im Süden verlief die Grenze zum Territorium von AGUNTUM vermutlich entlang des Kammes der Hohen Tauern. Im Südosten folgte die Grenze zum Territorium von TEURNIA der heutigen Grenze zwischen dem Pongau und Lungau entlang der Radstädter Tauern.

Über die Ostgrenze des Territoriums von IUVAVUM gibt es unterschiedliche Ansichten, weil die Gebiete durch die Landschaftsformen nicht auf eindeutige Weise getrennt sind. Geza Alföldi schlug aufgrund der Interpretation von Inschriften aus Pocking am linken Innufer südwestlich von Schärding einen etwa geraden Grenzverlauf zwischen den Territorien von IUVAVUM und OLIVAVIS von Schärding im Norden bis Bad Ischl im Süden vor. Die Grenze verlief seiner Ansicht nach zwischen den Tälern der Pram und des Antiesenbaches, überquerte den Hausruck und folgte dem Gebirge zwischen dem Atter- und Traunsee bis Bad Ischl, wo er die Nordwestecke des von ihm angenommenen patrimonium vermutete.

Die Grenze zwischen IUVAVUM und dem patimonium verlief nach Alföldi dann weiter nach Süden, schließlich westlich der Enns und stieß erst westlich des Radstädter Tauernpasses auf das Territorium von TEURNIA.

Annemarie Bernecker nahm aufgrund ihrer Interpretation der „Geographie“ des aus Alexandria stammenden Astronomen und Geographen Ptolemaeus (2. Jh. n. Chr.) an, daß die Grenze zwischen RAETIA und NORICUM entlang des 34. Meridians von der Innmündung bei Passau bis zur oberen Enns verlief. Das würde bedeuten daß das Gebiet von IUVAVUM zur Provinz RAETIA gehört. Der Verlauf dieser Grenze entspricht etwa der Ostgrenze des Territoriums von IUVAVUM nach Alföldi.

Gilbert Trathnigg, der sich auch auf die neuzeitlichen Verkehrs- und Wirtschaftsverbindungen berief, ging von einem Verlauf der Grenze weiter im Westen aus. Ihm zufolge verlief die Grenze von der Einmündung der Salzach westlich von Braunau nach Südosten, bis sie bei Munderfing den Kamm des Kobernaußerwaldes erreichte, dann nach Osten bis Redlham zwischen Vöcklabruck und Schwanenstadt. Dort bog sie nach Süden und folgte ab dem Bereich zwischen Wolfgangsee und Bad Ischl dem Verlauf der heutigen Landesgrenze zwischen Salzburg und Oberösterreich bis zum Krippenstein, setzte sich nach Süden fort bis Hieflau, wo die Enns die Grenze zum Territorium von TEURNIA bildete.

Die Grenze zwischen den Territorium von IUVAVUM und TEURNIA folgte dann der heutigen Landesgrenze zwischen Salzburg und der Steiermark und dann entlang der Grenze zwischen Pongau und Lungau und weiter nach Westen der Südgrenze des Bundeslandes Salzburg.