Hl. Laurentius – Laufen, Niederheining

Wallfahrtskirche in Niederheining bei Laufen a.d. Salzach © H. Roth

Wohl schon im Spätmittelalter wurde in der für das 13. Jahrhundert bezeugten Kirche St. Laurentius der hl. Einsiedler Antonius als Patron gegen Seuchen (nach ihm benannt ist das so genannte Antoniusfeuer) und Viehkrankheiten angerufen. Daran erinnert ein um 1500 entstandenes großflächiges Fresko im Chorraum. Im 18. Jahrhundert dagegen wurde bei einem Unglück im Stall der hl. Wendelin um Hilfe angerufen, wie auf einem Votivbild von 1760 mit der Darstellung des Viehbestandes eines Bauern zu sehen ist. Im 19. Jahrhundert wiederum wurde dieser durch den hl. Leonhard abgelöst, dem ein Seitenaltar gewidmet ist. In einem Glaskasten werden Tiervotive aus Wachs gezeigt.

Hochaltar mit dem Kirchenpatron St. Laurentius © H. Roth
Hochaltar mit dem Kirchenpatron St. Laurentius © H. Roth

Ein ebenfalls in das Spätmittelalter zurück reichender Brauch wird heute noch um den 10. August, dem Namenstag des hl. Laurentius, ausgeübt: die Laurenzi-Brotweihe, die im Jahre 1553 erstmals belegt ist als „Spendbrot“ zur Verteilung an die Armen. Geopferte Brotlaibe werden nach dem Patroziniumsfest in Stücke geschnitten, vom Priester vor der Kirche gesegnet und an die Gläubigen verteilt. Früher wurden Brotstücke auch dem Vieh unter das Futter gemischt. Bis vor dem Zweiten Weltkrieg fand auch ein Umritt zu Pfingsten statt.

Maria Mühlberg – Waging am See

Wallfahrtskirche Maria Mühlberg oberhalb von Waging © H. Roth

Bei kaum einer anderen Wallfahrt lässt sich die Entstehung und frühe Entwicklung einer Gnadenstätte so gut nachvollziehen wie bei der auf dem Ausläufer einer Seitenmoräne südöstlich von Waging gelegenen Wallfahrtskirche zu „Unserer Lieben Frau auf dem Mühlberg“: am 24. Juni 1669 erblickte die fußkranke Viehdirn Eva des Mühlberger Bauern Adam Laiminger auf ihrem Heimweg von der Waginger Kirche an einem wilden Birnbaum einen angehefteten kleinen Kupferstich mit der Darstellung des Ettaler Gnadenbildes.

Kopie der Ettaler-Madonna aus dem Holz des Birnbaumes © H. Roth
Kopie der Ettaler-Madonna aus dem Holz des Birnbaumes © H. Roth

Dieses Andachtsbild fand rasche Verehrung durch das gläubige Volk, indem ein Opferstock zur Aufstellung gelangte und Votivgaben dargebracht wurden, was Untersuchungen durch den Ortspfarrer, den Laufener Dekan sowie das Salzburger Konsistorium auslöste und schließlich zu eidlichen Befragungen der Gläubigen führte. Trotz der versuchten Unterbindung der aufkommenden Wallfahrt durch die Geistlichkeit wurde 1671 mit Genehmigung des Erzbischofs Max Gandolf von Kuenburg, der bei einem Besuch von der Zahl der betenden Wallfahrer beeindruckt war, ein kleiner Kapellenbau errichtet. Aus dem Stamm des umgehauenen Birnbaumes wurde eine Nachbildung des Ettaler Gnadenbildes geschaffen, die zum vielverehrten Kultbild wurde.

Die unvermindert anhaltende Wallfahrt und damit Finanzkraft der

Altar mit dem Kupferstich in der Monstranz © H. Roth
Altar mit dem Kupferstich in der Monstranz © H. Roth

Gnadenstätte führte 1709/13 zur Erweiterung des Baues um zwei Joche und zur Errichtung eines Turmes als Dachreiter. Der Altar wies die außergewöhnliche Form eines vielästigen Birnbaumes mit der Figur des Ettaler Gnadenbildes auf. Er ist heute an der nördlichen Seitenwand angebracht. Anlässlich der Jahrhundertfeier der Einweihung 1857 wurde die Kirche bis 1862 renoviert, mit Deckenbildern von J. Rattensperger versehen und der baumartige Altar durch eine neubarocke Ausführung ersetzt. Über dem Tabernakel befindet sich in einem Metallschrein mit Strahlen die 1774 von J. K. von Butermann aus Augsburg geschaffene Monstranz. Sie birgt den kleinen Kupferstich, der die Wallfahrt einst ausgelöst hat.

Von der durch die Jahrhunderte ungebrochenen Wallfahrt künden ab dem Jahre 1670 an die 390 Votivtafeln. Sie sind neben ihrer volksreligiösen Aussage wertvolle kulturgeschichtliche Bildquellen, die einen Einblick in das Leben und Wirtschaften unterschiedlicher Bevölkerungsschichten vermitteln. So zeigen sie Haus- und Hofformen, Innenräume und Gegenstände sowie das Kleidungsverhalten der Menschen im Verlauf von zwei Jahrhunderten. Es ist der umfangreichste Votivbilderbestand im Chiemgau und Rupertiwinkel.

Schloss Gessenberg – Waging am See

Schloss Gessenberg © C. Soika

Renaissance-Schloss mit Wassergraben

Als völlig intaktes Schlossgebäude aus dem 16. Jahrhundert ist Gessenberg bei Waging erhalten geblieben. Allerdings gab es ein Edelgeschlecht derer von Gozenperc bereits im 12. Jahrhundert. Die letzte Adelsfamilie, die das Schloss bewohnte, waren die Auer von Winkl bei Grabenstätt, deren letzter Spross 1836 in Salzburg starb. Seit 1853 war es dann kein Adelssitz mehr.

Das Renaissance-Schloss ist noch so erhalten, wie es die Auer umgestaltet haben. Der drei- bis viergeschossige viereckige Bau ist breit angelegt mit vier Ecktürmchen, die Zwiebelhauben tragen. Der Eingang mit seinem Rundportal liegt auf der Südseite. Ein umlaufender Wassergraben, dessen Wasser von einer Quelle gespeist wird, umschließt das Gebäude. Bis ins 17. Jahrhundert war das Wasserschloss nur über eine Zugbrücke zu erreichen.

Schloss Gessenberg © C. Soika
Schloss Gessenberg © C. Soika

Diesseits des Wassergrabens steht eine im Jahre 1664 errichtete Kapelle, ein Rundbau, der exakt der Altöttinger Gnadenkapelle nachgebildet ist und in der ursprünglich auch eine Kopie der viel verehrten „Schwarzen Madonna von Altötting“ aufgestellt war. Die private Stiftung des damaligen Schlossherrn Hans Jakob II. Auer zu Winkl war lange Zeit Ziel einer Wallfahrt, die aber 1790 durch ein Dekret des Salzburger Konsistoriums verboten wurde.

Privatbesitz

Mühle beim Müllerbauern – St. Martin bei Lofer

Mühle St. Martin bei Lofer © TVB Salzburger Saalachtal

Im Jahre 1606 wurde die Mühle erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit war die Mühle bereits mit drei Mahlgängen ausgestattet, das Geburtsjahr der Mühle ist nicht bekannt, dürfte aber um einiges älter sein. Es handelt sich hier um alten Kulturboden, denn die Kirche St. Martin wurde schon 1080 urkundlich genannt.

Besitzer der Mühle war immer der jeweilige Müllerbauer, der auch das Müllergewerbe ausübte. Mit zunehmenden Ernteerträgen an Getreide waren während des 1. Weltkrieges zwei Müller das ganze Jahr hindurch beschäftigt, wobei die Mühle während der 2 Weltkriege streng kontrolliert wurde, da die Bauern nur einen gewissen Teil ihres Brotgetreides für sich behalten durften. In den Jahren 1957 – 1960 hat sich der Getreideanbau in unserer Gegend fast aufgehört, so dass die Mühle nur noch für den Eigenbedarf in Betrieb ist. Für das tägliche Brot wird von der Familie Schmuck auf organisch-biologischer Wirtschaftsweise Roggen und Weizen angebaut.Seit 1658 ist auf dem Müllergut der Name Schmuck und es wurde daher der Hof 1965 vom Landeshauptmann zum Erbhof ernannt.

Weitere Sehenswürdigkeiten im Salzburger Saalachtal:

Saalachtaler Naturgewalten: Vorderkaserklamm, Seisenbergklamm, Lamprechtshöhle
Loferer Alm: die größte Alm des Salzburger Landes
Unkener Heutal mit Staubfall
Kallbrunnalm und Hirschbichlpass
(mit dem Wanderbus ab Weißbach bei Lofer erreichbar)

Für Wanderer steht ein über 300 km langes Wanderwegenetz von talnahen Promenaden bis zu 2500m zur Verfügung. Kneippanlagen, Erlebnisbäder, Seilbahnen, Kinderprogramme und vieles mehr…

Schober-Weißbachklause – Lofer

Schober-Weißbachklause bei Lofer

Unweit der bayerischen Grenze im Salzburgischen Saalachtal befindet sich die Bayerische Saalforstverwaltung in St. Martin bei Lofer. Aufgrund des ältesten noch gültigen europäischen Staatsvertrages, der sog. Salinenkonvention von 1829, besitzt der Freistaat Bayern 18.400 ha Wald auf österreichischem Staatsgebiet. Das Holz dieser Wälder diente zur Versorgung der Reichenhaller Saline. Zur Salzgewinnung benötigte man riesige Mengen Holz als Brennmaterial für die Sudstätten. Der Transport erfolgte auf allen triftbaren Gewässern sowie letztendlich der Saalach. Klausen zum Aufstauen des Wassers wurden in die Oberläufe der vielen Einzugsbäche gebaut und im geeigneten Zeitpunkt geöffnet, so dass mit der Flutwelle das in den Bächen liegende Holz bis nach Reichenhall getriftet werden konnte.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Holz durch die Kohle ersetzt und die alten kunstvoll errichteten Klausen waren dadurch nicht mehr erforderlich und verfielen. Von den bayerischen Steinklausen – im 18. Jahrhundert begann man, die Hauptklausen nicht mehr aus Holz, sondern aus Quadersteinen zu errichten – sind nur noch 2 erhalten, die Muck-Klause im Unkental, sowie hier die Schober-Weißbachklause. Im Zusammenwirken mit dem Bundesdenkmalamt in Salzburg, der Gemeinde Lofer sowie der Bayerischen Saalforstverwaltung gelang eine Erhaltung der Schober-Weißbachklause; sie soll an die Holzarbeit in vergangener Zeit erinnern und dem Bergwanderer die wirtschaftliche Bedeutung des Bergwaldes aufzeigen.

Weitere Sehenswürdigkeiten im Salzburger Saalachtal:

  • Saalachtaler Naturgewalten: Vorderkaserklamm, Seisenbergklamm, Lamprechtshöhle
  • Loferer Alm: die größte Alm des Salzburger Landes
  • Unkener Heutal mit Staubfall
  • Kallbrunnalm und Hirschbichlpass (mit dem Wanderbus ab Weißbach bei Lofer erreichbar)
  • Für Wanderer steht ein über 300 km langes Wanderwegenetz von talnahen Promenaden bis zu 2500m zur Verfügung. Kneippanlagen, Erlebnisbäder, Seilbahnen, Kinderprogramme und vieles mehr…

Muckklause – Unken

Muckklause in Unken

Unweit der bayerischen Grenze im Salzburgischen Saalachtal befindet sich die Bayerische Saalforstverwaltung in St. Martin bei Lofer. Aufgrund des ältesten noch gültigen europäischen Staatsvertrages, der sog. Salinenkonvention von 1829 , besitzt der Freistaat Bayern 18.400 ha. Wald auf österreichischem Staatsgebiet. Das Holz dieser Wälder diente zur Versorgung der Reichenhaller Saline. Zur Salzgewinnung benötigte man riesige Mengen Holz als Brennmaterial für die Sudstätten. Der Transport erfolgte auf allen triftbaren Gewässern sowie letztendlich der Saalach. Klausen zum Aufstauen des Wassers wurden in die Oberläufe der vielen Einzugsbäche gebaut und im geeigneten Zeitpunkt geöffnet, so dass mit der Flutwelle das in den Bächen liegende Holz bis nach Reichenhall getriftet werden konnte.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Holz durch die Kohle ersetzt und die alten kunstvoll errichteten Klausen waren dadurch nicht mehr erforderlich und verfielen. Die 1792 erbaute, sowie 1830 und 1891 renovierte Muck-Klause (auch Muth-Klause genannt) war bis vor wenigen Jahren stark verfallen. Im Zusammenwirken mit dem Bundesdenkmalamt in Salzburg, den Gemeinden Unken, Reit im Winkl sowie der Bayerischen Saalforstverwaltung gelang eine auf alte Baupläne zurückgehende Restaurierung dieser früheren Bringungsanlage. Die Muck-Klause bleibt der Nachwelt erhalten; sie soll an die Holzarbeit in vergangener Zeit erinnern und dem Bergwanderer die wirtschaftliche Bedeutung des Bergwaldes aufzeigen.

Weitere Sehenswürdigkeiten im Salzburger Saalachtal:

  • Saalachtaler Naturgewalten: Vorderkaserklamm, Seisenbergklamm, Lamprechtshöhle
  • Loferer Alm: die größte Alm des Salzburger Landes
  • Unkener Heutal mit Staubfall
  • Kallbrunnalm und Hirschbichlpass (mit dem Wanderbus ab Weißbach bei Lofer erreichbar)
  • Für Wanderer steht ein über 300 km langes Wanderwegenetz von talnahen Promenaden bis zu 2500m zur Verfügung. Kneippanlagen, Erlebnisbäder, Seilbahnen, Kinderprogramme und vieles mehr…

Dorf der alten Mühlen – Ebenau

Waschlmühle (Doppelmühle) in Ebenau © TV Ebenau

Insgesamt sieben historische Bauemmühlen im Ort und im
„Naturdenkmal Plötz“

Die Waschl-Mühle direkt im Ort ist der Ausgangspunkt für die Mühlenwanderung, die Sie in das “Naturdenkmal Plötz” führt.

Die noch gut erhaltenen Bauernmühlen beweisen, dass der Getreideanbau in Ebenau im Rahmen der bäuerlichen Selbstversorgerwirtschaft eine große Rolle gespielt hat. Das Ansehen und die Existenzfähigkeit eines Bauern wurden in der Öffentlichkeit früher danach beurteilt, ob er aus eigener Scholle ausreichend “Körner” erntete und ohne Zukauf auskam. In den alten Urbaren (=historische Gebäudeverzeichnisse) ist aus den Abgaben (Korn, Hafer, Hühner, Eier usw.) die frühere Bedeutung des Getreides ersichtlich.

Die ersten Hinweise auf eine Mühle in Ebenau gibt es aus dem Jahre 1336. Das Brennergut mit der Mühle in Ebenau “diente” (=zahlte Steuern) um 1405 mit einem Schaff Korn und zwei Schaff Hafer. Auch für die Mühlen mussten Abgaben an den Bischof geleistet werden. Seit Beginn der sechziger Jahre ist der Getreideanbau durch die Spezialisierung der Bauern auf Grünland-, Milch-und Rinderwirtschaft praktisch verschwunden. Die Mühlen sind nach wie vor erhalten und können zum Teil in voller Funktion (Mahlgang) besichtigt werden.

Ebenauer Mühlenwanderung

Der Ebenauer Mühlenwanderweg (Rundwanderweg) ist gut markiert und die Gehzeit beträgt ca. 2 Std. Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel. Der Weg führt vorbei am neuen Feuerwehrhaus, rechts Richtung Koppl. Vor der Pertill Mühle wieder rechts zum „Marterl”. Nach ca. 300 m steilem Anstieg erreichen Sie ein Bankerl – ,, Watzmannblick”! Der Markierung entlang zu der Wegkreuzung. Dem Schild “Plötz ” folgen, hinunter zum Staubecken des Naturbades. Der Rückweg führt über den Steg, der Markierung entlang, nach Ebenau.

Naturdenkmal Plötz

Die “Plötz” am mittleren Rettenbach ist ein “Naturdenkmal” mit imposantem Wasserfall ( ca. 50 m).

In der wildromantischen Schlucht mit Felsauswaschungen und Wasserstürzen (Felsenbad), geben fünf weitere, (renovierte) Bauernmühlen Zeugnis vergangener Jahrhunderte.

Weitere Sehenswürdigkeiten in unserem Gemeindegebiet:

  • Heimatmuseum “Fürstenstöckl” (ehem. erzbischöfliches Hammerwerk): Exponate der Eisen-, Kupfer- u. Messingverarbeitung (1623 bis 1875).
    Führungen: Juni-September, Dienstag u. Donnerstag 10-12 Uhr, Samstag 14-17 Uhr, sonst gegen Voranmeldung.
  • Schwarzaubachklamm (im Ort) – Strubklamm
  • Pfarrkirche zum Hl. Florian (erb. 1699-1704)
  • Kneippbecken
  • Erlebnis-Kinderspielplatz

Almkanal und E-Werk Eichet – Grödig

E-Werk Eichet in Grödig ©

Unter den vielen historischen Bauten Salzburgs ist der Almkanal sicher einer der bedeutensten, aber zugleich auch am wenigsten bekannten. Vermutlich schon seit dem 8. Jht. befanden sich im heutigen Mülln Mühlen, um den Bedarf der Stadt zu decken. Zur Wasserversorgung wurden Bäche aus dem Moorgebiet im heutigen Maxglan herangezogen. Als diese nicht mehr ausreichten, ging man daran, Wasser aus dem Leopoldkroner Moor nach Mülln zu leiten. Zugleich wollte man auch die Stadt direkt mit Wasser versorgen. So kam es zum Bau eines Tunnels unter dem Mönchsberg. Ursprünglich ging der Kanal nur bis Eichet, aufgrund des wachsenden Wassermangels wurde dann ein 4,5 km langer Kanal bis St. Leonhard und schließlich bis Hangendenstein gebaut, um das Wasser der “Alm”, der heutigen Königsseeache, nach Salzburg zu leiten. Der Höhepunkt der Bedeutung des Almkanals war im 19. Jahrundert: insgesamt 53 Gewerbebetriebe und Fabriken zählte man entlang seiner Ufer, dazu noch 47 Brunnenanlagen.

Heute gibt es nur noch wenige Betriebe, die die Wasserkraft des Almkanals nützen. Ein besonderer Betrieb ist das E- Werk in Eichet, das älteste noch in Betrieb stehende E-Werk des Landes Salzburg (seit 1900 in Betrieb). Im E-Werk Eichet befindet sich eine Photo-Dokumentation zur Geschichte und Bedeutung des Almkanals.

Weitere Sehenswürdigkeiten in unserem Gemeindegebiet:

  • Untersbergseilbahn
  • Untersbergmuseum
  • Radiomuseum
  • Salzbergwerk (in Hallein)
  • Schloß, Wasserspiele und Tierpark Hellbrunn (in Anif)

Fürstenbrunner Kugelmühle – Grödig

Marmorkugeln aus Fürstenbrunn ©

Schon früh bezeichneten Reiseberichte die Kugelmühlen als charakteristisches Merkmal der Ortschaft Fürstenbrunn. 1793 schrieb Lorenz Hübner: “An einem Wasserfalle rückwärts an der Wohnung des Sägemüllers sieht man 14 kleine Schussermühlen angebracht, in denen marmorne Schnellkügelchen verfertigt werden…”

Martin Leitner, Leiter des Grödiger Museums, ist es zu danken, dass wieder Kugelmühlen in Fürstenbrunn laufen. Dipl.Ing. Friedrich Mayr Meinhof stellte dankenswerterweise das Grundstück zur Verfügung. Die Kugelmühle besteht aus 2 Teilen: einem feststehenden und einem beweglichen. Der Grundsockel ist ein mit dem Boden verbundener Schleifstein, dessen Material – Sandstein – aus der Gegend des Ulrichshögels kommt. Dieser “Genger” weist in konzentrischen Kreisen angeordnete Rillen auf. In diesem werden die Kugeln gemahlen. Auf einer aus dem Schleifstein ragenden Achse, der “Angel” läuft der bewegliche Teil der Kugelmühle. Diese Scheibe aus Hartholz – wegen der feinen Faserung eignet sich dafür Buche am besten – weist ebenfalls Rillen wie der Genger auf. Die rotierende Bewegung des Läufers formt allmählich aus den Rohstücken Kugeln. Angetrieben wird der Läufer von den Taufeln (diese werden mit Wasser angetrieben) aus Holz oder Metall, die an seiner Oberseite angebracht sind.

Weitere Sehenswürdigkeiten in unserem Gemeindegebiet:

  • U ntersbergseilbahn
  • Untersbergmuseum
  • Radiomuseum
  • Salzbergwerk (in Hallein)
  • Schloß, Wasserspiele und Tierpark Hellbrunn (in Anif)

Branterer-Mühle – St. Koloman

Branterer-Mühle, renoviert Herbst 1998 © Gemeinde St. Koloman
  • Errichtet vermutlich im 18. Jh., genaue Angaben liegen nicht vor
  • Heutige Dachstuhlkonstruktion wurde 1919 errichtet
  • Hieronymus-Kataster im 18. Jh.: 48 Mühlenrechte in St. Koloman
  • Branterer-Mühle steht am Kolomanbach
  • Mühlenrecht hat die Fam. Höllbacher (Branterer-Bauer), Grundbesitzer ist die Familie Wörndl (Kirchenwiesen-Bauer)
  • Mühle war schon sehr stark verfallen und drohte in den Kolomanbach einzustürzen
  • Gemeinde vereinbarte mit dem Mühlenrechtsbesitzer Pacht der Mühle für 30 Jahre, Gemeinde trägt die Kosten der Renovierung und Sanierung
  • Kulturabteilung des Landes Salzburg beteiligte sich an den Sanierungskosten mit rund S 200.000
  • Viele freiwillige Helfer unterstützen die Arbeit
  • Gesamtleitung und die meiste freiwillige Arbeit: Bauausschussobmann Gemeinderat Georg Wallinger

Zukunft:

  • Nutzung der Mühle für die Vorführung (Kindergarten, Volksschule, Gäste und Einheimische)
  • Nutzung im eigentlichen Sinn für jeden, der Interesse hat
  • Zielpunkt für Wanderwege rund um das Ortszentrum (Vorteil: Mühle ist vom Ortszentrum nur 5 Min. entfernt)

Weitere Sehenswürdigkeiten in unserem Gemeindegebiet:

  • Heimatmuseum im Gemeindezentrum
  • Wilhelmskapelle
  • Gletscherschliff
  • Strubklamm im Tauglboden
  • Landschaftsschutzgebiet Seewaldsee
  • Die Almen am Trattberg und der Bergalm

Theresienklause in der Almbachklamm – Marktschellenberg

Almbachklamm bei Marktschellenberg © Berchtesgadener Land Tourismus GmbH

Tiefe Schluchten hat der Almbach eingegraben und auch das harte Gestein wurde solange ausgehöhlt und ausgewaschen, bis das Wasser das Tal erreicht hat. Bayerische Pioniere bauten 1894 den Weg durch die 3 km lange Klamm, wobei das Gefälle von 200 m zwischen der Theresienklause und dem Ende der Klamm mehr als 320 Stufen, einen Tunnel, 168 m Nischenwege und 29 Brücken erforderlich machte. Dieser Weg ist gut gesichert und begehbar und führt abweschselnd an den Ufern des Almbachs entlang.

Durch die Almbachklamm wurde bis 1963 auch Holz getriftet. Zu diesem Zweck wurde 1836 am oberen Teil der Klamm eine 14 m hohe und 17 m lange Staumauer erbaut, die man zu Ehren der bayerischen Königin Therese, der Gemahlin Ludwig I., “Theresienklause” nannte. Hinter der Staumauer konnten bis zu 15.000 cbm Wasser aufgestaut werden, die beim Öffnen des Schleusentores mit einem gewaltigen Schwall das in die Klamm geworfene Holz mitrissen.

Die Almbachklamm gehört mit ihren Wasserstürzen zu den schönsten und wenigen noch erhaltenen wildromantischen Schluchten in den bayerischen Alpen. Der Besuch der Almbachklam ist ein besonderes Naturerlebnis. Das Durchwandern nimmt ca. 2 Stunden in Anspruch. Am Ende der Klamm befindet sich beim Gasthaus Kugelmühle die letzte Marmorkugelmühle Deutschlands.

Weitere Sehenswürdigkeiten in unserem Gemeindegebiet:

  • Größte erschlossene Eishöhle Deutschlands (1570 m ü.M.) im Untersberg mit ihren prächtigen Eishallen und Eisdomen. Führungen auf gut gangbaren Holztreppen. Dauer ca. 45 Min.
  • Barocke Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Ettenberg. Anziehungspunkt für Wallfahrer und Kunstliebhaber.
  • Für Wanderer steht ein ca. 30 km langes Wanderwegenetz zur Verfügung. Ein modernes beheiztes Schwimmbad, idyllisch gelegen, mit einer unmittelbar daneben befindlichen Kneippanlage bietet Erholung und Erfrischung.

Museum Schloss Ritzen – Saalfelden (prähistorischer Kupferbergbau)

Schloss Ritzen in Saalfelden © LBS

Geschichte Saalfeldens

Das Museum Schloss Ritzen Saalfelden, direkt am malerischen Ritzensee gelegen, bietet einen Einblick in die Geschichte Saalfeldens und der näheren Umgebung.

Das Museum beherbergt einen Ausstellungsbereich zur Ur- und Frühgeschichte in dem der Erzreichtum der Region und dessen Abbau thematisiert wird, sowie reichhaltige archäologische Funde, vor allem des Biberges, jenes Burgberges, der in vorrömischer Zeit das Zentrum des Gebiete darstellte. Die Mineralogie bzw. Geologie der Region werden in einem eigenen Bereich ausgestellt. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die römischen Fresken von Saalfelden-Wiesersberg.

Neben den vorgenannten Ausstellungen beherbergt das Museum neben vielen Darstellungen der bäuerlichen Saalfeldner Lebenswelt eine große Anzahl volkskundlich wertvoller Exponate. Hervorzuheben sind die bedeutende Krippensammlung des Krippensammlers und -bauers Xandi Schläfer sowie eine umfangreiche Votivbildersammlung. Eine besondere Position nehmen die Werke des Aquarellisten Gottfried Salzmann sowie die Ausstellung zum Thema Wallfahrt ein. 

Kugelmühle – Seeham

Kugelmühle in Seeham © Gemeinde Seeham

Die Salzburger Kugelmühlen im Flachgau (Thalgau, Mattsee, an der Fischach, am Alterbach, Arbach, Glasenbach, an der Glan und Alm) lassen sich urkundlich bis 1647 zurückverfolgen. Sie erzeugten Steinkugeln, die ein beliebtes Kinderspielzeug darstellten und in die ganze Welt gingen. Manchmal wurden sie als Ballast für Handelsschiffe verwendet. 1792 waren 49 Betriebe mit 522 Gängen in Tätigkeit, die 4.629.000 „Datscher“ (kleinere Kugeln) und 62.000 „Pecker“ (größere Kugeln) erzeugten. Einer der Betriebe war die Kugelmühle vom hofurbarischen Schießentobelgut in Seeham mit einer Jahresproduktion von 22.000 Datscher. Das hochfürstliche Mautamt bezog aus dem Export beträchtliche Einnahmen und vergab Konzessionen.

Kugelmühlen wurden an kleinen Wasserläufen angelegt. Sie bestehen aus einem feststehenden Schleifstein mit konzentrischen Rillen aus Sandstein und einem durch Wasserkraft angetriebenen Läufer aus Buchen- oder Ahornholz mit Flügeln. Das Gewicht des Läufers schleift die roh zubehauenen Steine in einer Stunde (Sandstein) oder 1-4 Tagen (Mannor) rund. In einer Mühle können gleichzeitig 16-25 Kugeln geschliffen werden. Das Material der Kugeln stammte aus den Bachgeröllen oder aus Steinbrüchen. Es wurden Untersberger und Adneter Marmor, Flyschsandstein von Anthering, Nummuliten-Kalksandstein von Mattsee, Dolomit und Kalk aus dem Wiestal und besonders der aschgraurot gestreifte Kalk vom Wartenfels bei Thalgau geschätzt.

Weitere Sehenswürdigkeiten in unserem Gemeindegebiet:

  • Röhrmoosmühle (s. separates Objekt)
  • Wildkarwasserfall
  • Natur-und Kulturraum Teufelsgrabenbach
  • Seebühne
  • Pfarrkirche
  • Naturschutzgebiet Obertrumersee

Röhrmoosmühle – Seeham

Innenleben der Röhrmoosmühle, in welcher die Biobauerngenossenschaft Biogetreide mahlen lässt. © Gemeinde Seeham

Am sogenannten Teufelsgrabenbach in Matzing, Gemeinde Seeham am Obertrumersee, standen einst sieben Mühlen, von denen nur noch die “Röhrmoosmühle” existiert, die bis zum Jahr 1953 noch voll in Betrieb stand. Die anderen 6 Mühlen wurden zuletzt in der Zwischenkriegszeit geschlossen, umgebaut oder abgebrochen, nur noch die Hausnamen bezeugen ihre frühere Existenz.

Die Errichtung kleiner Bauern- oder Hausmühlen, in den salzburgischen Urkunden meist “Gmachmühlen” genannt, bedurfte jeweils der ausdrücklichen Genehmigung der Grundherrschaft, wodurch manche urkundlich bis in das späte Mittelalter zurückzuverfolgen sind.

Wildkarwasserfall am Teufelsgrabenbach/Gemeinde Seeham in der Nähe der Kugelmühle und Röhrmoose-Getreidemühle © Gemeinde Seeham
Wildkarwasserfall am Teufelsgrabenbach/Gemeinde Seeham in der Nähe der Kugelmühle und Röhrmoose-Getreidemühle © Gemeinde Seeham

Ursprünglich zählte die Röhrmoosmühle oberhalb des Wildkarwasserfalles als abseits am Wasserlauf stehende Mühle zum Rohrmoos- oder Röhrmoosgut, welches oberhalb der Teufelsgrabenschlucht steht. Im Jahr 1865 erfolgte die Abtrennung vom Bauernhof, der Müllermeister Gruber kaufte die Mühle, baute sie aus, errichtete unmittelbar anschließend einen Wohntrakt und führte die erweiterte Mühle als “Lohn- oder Mautmühle”, zu der die benachbarten Bauern ihr Korn zum Mahlen brachten. Ohne die drei Mahlwerke mit den Mühlsteinen zu zerlegen, ist nicht feststellbar, ob eventuell einer der Mühlsteine noch aus der Zeit “vor Gruber” stammt: Er wurde 1863 angekauft und stellte als “Porzellanwalzenstuhl“ zu seiner Zeit den letzten Stand der Technik dar; erzeugt in der Firma “Friedrich Wegmann in Zürich, Deutsches Reichspatent 7113”, so bezeichnet auf einer gusseisernen Inschrifttafel.

Weitere Sehenswürdigkeiten in unserem Gemeindegebiet:

  • Kugelmühle (s. separates Objekt)
  • Wildkarwasserfall
  • Natur-und Kulturraum Teufelsgrabenbach
  • Seebühne
  • Pfarrkirche
  • Naturschutzgebiet Obertrumersee

Bergbaumuseum – Teisendorf-Achthal, Karolinenhütte (Sozialgeschichte, Kunstguss)

Historische Anlage im Achthal ©

Schatzgrube der Erzbischöfe

Außenansicht mit gusseisernem Brunnen ©
Außenansicht mit gusseisernem Brunnen ©

Das Bergbaumuseum Achthal gibt Zeugnis über die fast 400 Jahre lange Eisengewinnung am Teisenberg. Zahlreiche textlich erläuterte Exponate zeigen den Weg von der Gewinnung des Eisenerzes und die anschließende Verarbeitung. Grubenkarten dokumentieren die Vermessung der Stollen vom ehemaligen Salzburger- und Bayerischen Erzbergbau mit einer für damals unvorstellbaren Genauigkeit. Ein Gruben- und ein Landschaftsmodell zeigen die Lage der Stollen im Berg sowie den Verlauf der ehemaligen Grenze zwischen Salzburg und Bayern.

Ein im Untergeschoss nachgebauter Schaustollen vermittelt ein Bild von der Arbeitsweise im Berg. Die verschiedenen Fördermethoden, die Entwicklung der bergmännischen Beleuchtung, die Arbeit der Bergschmiede, Arbeitsbedingungen, Unfallgefahren, das Markscheidewesen und die Grubenentwässerung sind wichtige Themen, die im Museum vertieft werden.

Ein Hochofenmodell zeigt den Ablauf vom Transport des Erzes aus dem Stollen bis zum fertigen Produkt.

Verschiedene Exponate wie Grabkreuze, Gussteile für Maschinen und Gebrauchsgegenstände, aber auch sakrale Andachts-Gegenstände wie die 15 Kreuzwegstationen aus der ehemaligen Knappenkapelle oder das Heilige Grab zeugen von der hohen Kunst der Former und Gießer. Besonders sehenswert sind die verschiedenartigen Gussöfen.

ehem. Augustiner-Chorherrenstift – Zell am See

Pfarrkirche St. Hippolyth in Zell am See © H. Dopsch
  1. Schon im 8. Jahrhundert bestand am Westufer des Zeller Sees eine Mönchszelle, deren Besitzgrundlage auf bayerisch-herzogliches Gut zurückging. Diese kleine mönchische Niederlassung, deren Mittelpunkt das dem hl. Hippolyth geweihte Gotteshaus darstellte, befand sich dann wohl in enger Abhängigkeit zur Salzburger Kirche, wenn auch die Quellen über Jahrhunderte versiegen. Ähnlich wie in Bischofshofen ist für Zell am See anzunehmen, dass hier eine monastische Einrichtung ununterbrochen existiert hat und sich im Verlaufe des 11. / 12. Jahrhunderts ein Wandel vom Mönchskloster hin zum Kollegiatstift vollzogen hat. Der im Jahre 1129 urkundlich erwähnte Propst Burchhard stand jedenfalls bereits einem Augustiner-Chorherrenstift vor, das kurz zuvor im Zuge der Chorherrenreform von Erzbischof Konrad I. etabliert werden konnte. Die enge Verbindung zum Salzburger Domkapitel verhinderte für den wohl stets überschaubaren Konvent von Zell am See die freie Propstwahl, weshalb vor allem zu Ende des 12. Jahrhunderts Kanoniker des Domkapitels die Leitung des hiesigen Stifts innehatten. Bevor er zum Bischof von Passau gewählt wurde, fungierte Wolfger, der seine Karriere im Salzburger Domkapitel begonnen hatte, sowohl als Passauer Domkanoniker als auch als Propst von Zell am See. 1216 fiel das Stift unter das Ausstattungsgut für das neu gegründete Bistum Chiemsee, wobei der letzte Propst von Zell am See, Rüdiger, zum ersten Bischof von Chiemsee geweiht wurde. Als kleine klösterliche Niederlassung mit fünf Klerikern existierte der Konvent bis zum Tode der Geistlichen zunächst für einige Jahrzehnte fort.
  2. Der durch mächtige steinsichtige Konglomeratquader, Geschossgesimse und einen markanten Treppengiebel versehene Turm der Pfarrkirche St. Hippolyth bildet heute eines der bedeutendsten Baudenkmäler des Pinzgaus und ein Wahrzeichen der Stadt Zell am See. Das in seiner Baustruktur romanische Gotteshaus war zugleich die Konventskirche des Augustiner-Chorherrenstifts und wohl auch der älteren Mönchszelle. Daneben existierte in unmittelbarer Nähe bis ins 19. Jahrhundert eine Marienkirche, die wohl als ursprüngliche Pfarr- und Leutkirche für die Bevölkerung anzusehen ist. In der dreischiffigen Kirche St. Hippolyth hat sich aus der Zeit des ehemaligen Stifts die Krypta erhalten; Decken und Inneneinrichtung stammen aus späteren Jahrhunderten. Zu den kostbarsten Plastiken gehören die auf dem Hochaltar befindlichen um 1480 geschaffenen Figuren der Hll. Rupert und Virgil. Der Kirchenpatron, der hl. Hippolyth, findet sich hingegen als Schnitzfigur auf einem gotischen Baldachin, um 1520.

Gruttenstein – Bad Reichenhall

Gruttenstein © C. Soika

Reichenhaller Stadtburg

In den 1210er Jahren ließ der Bayernherzog an strategisch ungünstiger Stelle die Burg Gruttenstein errichten, um die darüber liegende Hallburg des Salzburger Erzbischofs als maßgebliche Stadtburg zu paralysieren. Auf Grund eines Vertrages sollte die Burg 1218 geschleift werden, was jedoch nicht erfolgt ist. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Befestigung in den Stadtmauerring eingebunden und bildete fortan den wichtigsten militärischen Stützpunkt des Herzogs im Kampf gegen den Erzbischof um die Vormachtstellung in Reichenhall. Nach der bayerischen Machtfestigung in der Salinenstadt zu Ende des 13. Jahrhunderts diente Gruttenstein als Verwaltungssitz für das Pfleggericht Reichenhall. Damit erlangte die Befestigung neben ihrer militärischen auch eine repräsentative Bedeutung, die mit fortschreitender Zeit und mit dem Abklingen der bayerischsalzburgischen Auseinandersetzungen zusehends wichtiger wurden.

Als Verwaltungszentrum und Wohngebäude hochrangiger herzoglicher Beamter stand der Komfort täglichen Lebens im Mittelpunkt, weshalb die trutzig wirkenden Gebäude im 16. Jahrhundert eine architektonische Auflockerung erfuhren – etwa durch Vergrößerung der Fenster. In einem im zweiten Obergeschoss befindlichen Raum entdeckte man bei Umbauarbeiten an einer Innenwand Texte in Seccomalerei, auf Dichtungen der Klassischen Antike rekurrierend. 1572 entstand in der unmittelbaren Nähe zur Burg eine zweigängige Mühle.

Im Zuge des Österreichischen Erbfolgekriegs (1740 – 1748) wurde die Burg durch wiederholte Einquartierungen des Militärs stark in Mitleidenschaft gezogen. Von 1763 bis 1866/1871 diente Gruttenstein als Kaserne für eine Mannschaft des Grenzbesatzungs-Kommandos, später einer 160 Mann starken Jäger-Kompanie. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts diente Gruttenstein – zunächst für die Bediensteten der Saline – ausschließlich Wohnzwecken.

Privatbesitz

2 Zeittafel

788     Herzog Tassilo III. von Bayern wird entmachtet. Bayern wird Teil des Frankenreiches.

798     Salzburg wird zur Metropole der bayerischen Kirchenprovinz. Dem Erzbischof von Salzburg unterstehen in geistlichen Dingen fortan die Bischöfe von Regensburg, Passau, Freising und Brixen.

907     Niederlage des bayerischen Heerbannes gegen die Ungarn in der Schlacht bei Pressburg.

955     Zuvor waren in der Region mehrere Fliehburgen für die Bevölkerung errichtet worden.
Otto I. siegt auf dem Lechfeld gegen die Ungarn. Die Ungarngefahr ist fortan gebannt. Schlacht bei Mühldorf beendigt den luitpoldingischen Einfluss auf Salzburg.
Erzbischof Herold wird geblendet.

959     König Otto I. schenkt die Grafschaft Grabenstätt an das Salzburger Domkapitel.

996     Kaiserliches Markt-, Münz- und Mautrecht für Salzburg.

ab 1035     Sighardinger als Hauptvögte des Erzstiftes Salzburg.

vor 1080     Entstehung einer Hallgrafschaft für die Reichenhaller Salinenverwaltung.

1070     Auftreten der Grafen von Tengling als Nachfahren der Sighardinger.

ca. 1076     Während des Investiturstreites zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. werden die Burgen Hohensalzburg und Hohenwerfen ausgebaut.

1097     Erzbischof Thiemo unterliegt in der Schlacht bei Saaldorf dem kaiserlichen Gegenerzbischof Berthold von Moosburg.

ab 1108     Auftreten der Plainer als Grafen im oberen Salzburggau

1121     Rückkehr des Erzbischofs Konrad I. aus dem Exil und Beginn eines städtebaulichen Programms für sein Herrschaftsgebiet.

vor 1130     Grafen von Peilstein als Hochstiftsvögte mit einer Burg im Reichenhaller Tal vertreten.

1139     Die Babenberger werden Herzöge von Bayern.

um 1140     Erstmalige Urkundliche Nennung der Törringer als ehedem Salzburger Ministerialen.

1156     Heinrich der Löwe aus dem Geschlecht der Welfen erhält Bayern als Herzogtum. Österreich wird Herzogtum.

1166     Hoftag in Laufen im Beisein Kaiser Friedrich Barbarossas.
Verhängung der Reichsacht über den Salzburger Erzbischof.

1167     Die Grafen von Plain vollziehen im Auftrag von Kaiser Friedrich Barbarossa die Reichsacht über Erzbischof Konrad II. und brennen die Stadt Salzburg nieder.

1169     Entmachtung des Hallgrafen Gebhard II. von Wasserburg auf Veranlassung Barbarossas.

1180     Die Wittelsbacher werden als Herzöge in Bayern eingesetzt.

um 1185     Wiederaufnahme des Salzbergbaues auf dem Dürrnberg. Entdeckung der Berchtesgadener Salzvorkommen am Gollenbach.

1191/92     Nach dem Ende der Grafen von Burghausen-Schala sichert sich der Bayernherzog die dortige Grafschaft und Burg.

vor 1194     Errichtung des Hallthurm zum Schutze Berchtesgadens.

1196     Zerstörung Reichenhalls durch den Salzburger Erzbischof.

1216     Gründung des Salzburger Eigenbistums Chiemsee.

1218     Erlöschen der Grafen von Peilstein im Mannesstamm und Vergleich zwischen dem Bayernherzog und dem Salzburger Erzbischof im Vertrag von Nürnberg: Der Bayernherzog tritt das Peilsteiner Erbe im Reichenhaller Raum an.

1220     „Confoederatio cum principibus ecclesiasticis“: Dem Salzburger Erzbischof wird das Burgenregal auch formell bestätigt. Es untersagt dem weltlichen Adel den Bau von Burgen auf Kirchengrund.

1228     Gemäß Vereinbarung mit Bayern erhält der Salzburger Erzbischof den in zwei Grafschaften geteilten Pinzgau vom Reich als Lehen.

1229     Grafen von Lebenau im Mannesstamm ausgestorben.

1244     Bayerische Landfriedensordnung „Pax Bavarica“.

1255     Teilung des Herzogtums Bayern. Die Städte Reichenhall, Traunstein und Burghausen gehören fortan zum Teilherzogtum Niederbayern.

1257     Nach dem Sieg der Bayernherzöge Kapitulation des böhmisch-österreichischen Heeres in Mühldorf.

1258     Vertrag v. Erharting: Der Erzbischof sichert sich die erledigte Grafschaft der Lebenauer.

1260     Erlöschen der Grafen von Plain im Mannesstamm.

1262     Belagerung Salzburgs. Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern zerstört acht Salzburger Burgen.

1266     Der Bischof von Olmütz erobert Reichenhall im Auftrag des Böhmenkönigs Otakars.

1275     Zweiter Vertrag von Erharting: Landesgrenze zwischen Bayern und dem künftig eigenständigen Land Salzburg wird erstmals angedeutet.

1285     Erzbischof Rudolf von Hohenegg verhängt den Kirchenbann über Herzog Heinrich XIII.

1295     Albert II. von Görz-Tirol verzichtet auf seine Ansprüche, die Plainburg betreffend.

1306     Die Herren von Staufeneck verkaufen ihre Burg an die Salzburger Erzbischöfe. Berchtesgaden als „Land“ genannt.

1322     Der Habsburger Friedrich der Schöne verliert gegen Ludwig den Bayern in der Schlacht bei Mühldorf.

1328     Landesordnung in Salzburg. Salzburg als eigenständiges Land.

1364     Während des Tiroler Erbfolgekrieges plündern die Reichenhaller Bürger die Gegenden von Lofer und Grödig.
Niederlage eines salzburgisch-österreichischen Heeres bei Neuötting. Elfwöchige Belagerung der Enklave Mühldorf durch bayerische Truppen.

1382     Berchtesgadener Krieg: Annexion Berchtesgadens durch Bayern und Rückeroberung durch Salzburger Söldner.

1394-1409     Salzburger Inkorporation Berchtesgadens.

1462     Aufstand der Bauern im Innergebirg.

1473-1483     Osmanische Reiter auf Raubzügen im Lungau.

1504/05     Landshuter Erbfolgekrieg. Belagerung und Eroberung der Festung Kufstein. Angriff auf Reichenhall; Eroberung und Rückeroberung Traunsteins.
Das bayerische Gericht Kitzbühel wird habsburgisch.

1506-1565     Mondseeland pfandweise an das Erzstift Salzburg.

1523     „Lateinischer“ Krieg: Der Erzbischof unterwirft die Salzburger Bürgerschaft.

1525/26     Bauernkrieg. Beschießung der Festung Hohensalzburg durch aufständische Bauern.

1564/65     Bauernaufstand im Pongau.

1610/11     „Salzkrieg“: Salzburger Truppen besetzen die Fürstpropstei Berchtesgaden und werden vom Bayernherzog vertrieben.
Truppen des Bayernherzogs ziehen in das Erzstift Salzburg ein.

1618-1648     Dreißigjähriger Krieg. Salzburg bleibt neutral, Burgen werden verstärkt, aber – bis auf Mühldorf – nicht in die Kämpfe verwickelt.

1701-1714     Spanischer Erbfolgekrieg.

1740-1748    Österreichischer Erbfolgekrieg.

1800     Bei der Schlacht auf dem Walserfeld unterliegen österreichische Truppen dem französischen Heer. Franzosen besetzen die Stadt Salzburg und ihr Umland.

1802     Bayern besetzt die salzburgische Stadt Mühldorf am Inn.

1803     Säkularisation der geistlichen Fürstentümer Salzburg und Berchtesgaden sowie des Bistums Chiemsee.

1805     Einmarsch österreichischer Truppen in Bayern. Franzosen und verbündete Bayern besetzen Stadt und Land Salzburg.
Nach dem Friede von Pressburg erhält Österreich Salzburg und Berchtesgaden, Bayern erhält Tirol.

1809     Aufstand der Tiroler gegen Bayern. Der Kaiser von Österreich lässt Truppen in Bayern einmarschieren. Dem Tiroler Aufstand schließen sich auch die Pinzgauer und Pongauer an.
Zahlreiche Kämpfe an Passbefestigungen und Übergängen.
Letztliches Scheitern des Aufstandes.

1 Burgenbau und Burgenpolitik

Bevor die Burg zu jenem heute bekannten „klassischen“ Bauobjekt des Hochmittelalters wurde, hatte sie eine lange bauliche Entwicklung hinter sich und einen ebenso langen Prozess noch vor sich. Erst im 10. Jahrhundert hatten sich Burg und Dorf, die bis dahin eine Einheit gebildet hatten, getrennt. Dazu hatte zum einen die systematische Anlage von so genannten Fluchtburgen während der ständig drohenden Ungarneinfälle beigetragen; zum andern nahm die Bedeutung bestimmter Burgen als adelige Wohnsitze zu. Bereits um die Mitte des 10. Jahrhunderts müssen wir die Baumburg – an jener Stelle, wo später das gleichnamige Stift der Augustiner-Chorherren entstand – als einen befestigten Wohnsitz der Sighardinger annehmen. Etwa 100 Jahre später wird die Burg Tengling für eine Zeit zum namengebenden Sitz der Sighardinger. Allerdings wurden die Burganlagen jener Zeit noch hauptsächlich in Holzbauweise errichtet, verbunden mit Gräben und Wällen aus Stein und Erde.

Von Steinburgen in unserem Gebiet wissen wir erst seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, als der Salzburger Erzbischof Gebhard in den 1060er Jahren die Burgen Hohensalzburg und Hohenwerfen zu bauen begann. Darauf deuten sowohl schriftliche Quellen als auch archäologische Untersuchungen hin. Die genauen Entstehungsdaten der Burgen sind uns nur in ganz seltenen Fällen bekannt, wie etwa von der ca. 1218 errichteten herzoglichen Burg Gruttenstein in Reichenhall. Zumindest teilweise in Stein ausgeführt waren die Burgen in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, so etwa die Stammburgen der Grafen von Lebenau (vor 1130) und Plain (vor 1108).

Hohensalzburg auf der Darstellung der Schedel‘schen Weltchronik 1493 © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall
Hohensalzburg auf der Darstellung der Schedel‘schen Weltchronik 1493 © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall

Neben den mächtigen Wehrbauten der Herzöge, Erzbischöfe und Grafen errichteten seit dem 12. Jahrhundert auch die Ministerialen Burgen, um Macht und Einfluss ihres Herrn zu demonstrieren. So hatten sich die Staufenecker als

Luitold III. von Plain († 1219) als hölzerne Skulptur seines ehemaligen Hochgrabes im Stift Höglwörth, vermutlich 14. Jh. © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall
Luitold III. von Plain († 1219) als hölzerne Skulptur seines ehemaligen Hochgrabes im Stift Höglwörth, vermutlich 14. Jh. © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall

 

Burggrafen auf der Plainburg das besondere Vertrauen der Grafen von Plain erworben. Diese gestatteten ihnen auf gräflichem Grund und Boden in der Nähe der Handelsstraße von Reichenhall die Burg Staufeneck zu erbauen. Mit eigenen Burgen konnten auch die bedeutendsten Ministerialen des Salzburger Erzbischofs aufwarten, so etwa das Geschlecht der Surberger (um 1134). Aber nicht alle Ministerialen nannten eine großzügige Burg ihr Eigen. In vielen Fällen war es lediglich ein Wohnturm, manchmal nur ein aus Stein errichtetes  befestigtes Haus – „Sitz“ im Gegensatz zu den hölzernen Bauernhäusern –, das von einem weniger bedeutenden Gefolgsmann bewohnt wurde.

Größe und Gestalt der Burgen hingen maßgeblich vom Einfluss des Bauherrn, von finanziellen sowie naturräumlichen Bedingungen ab. Wir finden befestigte Anlagen in erster Linie auf Anhöhen, manchmal auch – vom Wasser umgeben – auf Inseln (z.B. Altentann, Henndorf a. Wallersee) und vereinzelt sogar in Höhlen (z.B. Stein an der Traun).

Stein an der Traun, um 1560, ist eine der wenigen Höhlenburgen Mitteleuropas © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall
Stein an der Traun, um 1560, ist eine der wenigen Höhlenburgen Mitteleuropas © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall

Immer aber nützte man die natürlichen Gegebenheiten für einen strategischen Vorteil aus, obgleich die Burgen mehr waren als rein militärische Stützpunkte. Als Symbole adeliger, herzoglicher oder erzbischöflicher Macht errichtet, dienten sie einerseits einem adeligen Lebensstil, den wir uns freilich immer noch sehr einfach vorstellen müssen. Andererseits waren Burgen Zentren der gewerblichen und landwirtschaftlichen Versorgung des Adels sowie nicht zuletzt Mittelpunkte der herrschaftlichen Verwaltung.

Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts erfolgte, auch als Ergebnis zunehmender Rivalität zwischen dem Bayernherzog und dem Salzburger Erzbischof, für etwa ein Jahrhundert ein regelrechter „Boom“ beim Bau neuer Burgen. Nur bedingt konnten Bauern als Fronarbeiter für einfache Tätigkeiten beim Burgenbau herangezogen werden, die Hauptarbeit musste Fachleuten überlassen bleiben. Dass der Burgenbau ein kostspieliges Unterfangen war, verdeutlicht eine moderne Untersuchung, wonach allein der Bau eines Wohnturmes um das Jahr 1400 heutigen Kosten von etwa 850.000 Euro entsprochen haben dürfte.

Namengebender Wohnturm der Herren von Thurn, St. Jakob am Thurn © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall
Namengebender Wohnturm der Herren von Thurn, St. Jakob am Thurn © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall

Trotz hoher finanzieller Anstrengungen entstand in dieser Zeit jene von mitunter unglaublicher Dichte geprägte Burgenlandschaft, deren Anlagen mittlerweile nicht selten verfallen oder gar völlig verschwunden sind.

Obwohl sich die Burgen weder im Aufbau noch in der Größe glichen, umfassten sie dennoch alle bestimmte und einander gleichende Bauelemente. Dazu gehörte der ummauerte Hof, der mitunter noch einen Vorhof, einen so genannten Zwinger, aufweisen konnte. Auf der Höhe der Ringmauer verlief ein Wehrgang, der in Holz oder Stein ausgeführt und an Schwachstellen mit Schießscharten und Zinnen bewehrt war. Die Burgkapelle fand sich auf jeder größeren Burg, besaß doch jedes Geschlecht seinen Familienheiligen, der dort besondere Verehrung genoss. Zum Wohntrakt gehörte der Palas, der dem Burgherrn und dessen Familie vorbehalten war und in seiner Ausgestaltung dessen Standesbewusstsein repräsentierte. Je größer und mächtiger die Burganlage war, desto aufwendiger fiel der Palas aus. Meist im Palas untergebracht waren der Speisesaal, die beheizbare Kemenate und der Söller, eine Art Empore im Saal.

Man benötigte auch eine Küche und Badstube, nicht zu vergessen die Vorratsräume, in denen – auch für den Fall von Belagerungen – der Proviant für die Burgbesatzung manchmal über Jahre eingelagert werden konnte. Der Turm diente einerseits einer erhöhten Aussicht, andererseits stellte er ob seiner Höhe und meist verstärkten Mauer den massivsten und stärksten Teil der Burg dar, weshalb man ihn oftmals an der schwächsten Stelle der Burg, dem Eingangstor, platzierte (z.B. Raschenberg). Im Verlaufe des 12./13. Jahrhunderts erhielt der oft sehr auffällig beschaffene Turm zusehends die Funktion des Bergfrieds (z.B. Mauterndorf), eines im Falle der Eroberung durch den Feind letzten Zufluchtsortes für die Burgbesatzung.

Dass Burgen nur in den seltensten Fällen in kriegerische Ereignisse verwickelt wurden, zeigen die vergleichsweise spärlichen Berichte über Belagerungen und Eroberungen im Gegensatz zu den langen Zeitspannen des Friedens. Es sind zwar einige Burgen bekannt, die nachweislich durch Krieg zerstört worden sind (z.B. Kirchberg bei Reichenhall, Wartenfels oder Kalham bei Eugendorf), doch es sind wenige im Vergleich zu denen, die dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind. Auch muss man sich von dem Bild befreien, wonach Burgbesatzungen aus mehreren Hundertschaften von Soldaten bestanden. Denn viel mehr als eine Handvoll Leute wird es für eine Burg durchschnittlicher Größe in Friedenszeiten kaum gewesen sein.

Bauern erstürmen während der Bauernkriege einen Adelssitz. Gemälde von Franz Jung-Ilsenheim © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall
Bauern erstürmen während der Bauernkriege einen Adelssitz. Gemälde von Franz Jung-Ilsenheim © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall

Hinter jedem Burgenbau stand ein politisches Programm. Das beweist die Burgenpolitik der Salzburger Erzbischöfe in der Zeit nach dem Investiturstreit, da Burgen systematisch als Mittel zur Herrschaftssicherung geschaffen wurden. Vor allem die stattlichen Anlagen von Hohenwerfen, Hohensalzburg und Kirchberg bei Reichenhall – nach 1234 auch Tittmoning – sind als Beispiele zu nennen.

Die Burg von Tittmoning entwickelte sich zur starken Salzburger Grenzbefestigung gegen Bayern. © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall
Die Burg von Tittmoning entwickelte sich zur starken Salzburger Grenzbefestigung gegen Bayern. © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall

Nachdem es den Erzbischöfen im Verlauf des 13. Jahrhunderts gelungen war, die Herrschaften der im Mannesstamm erloschenen Grafen von Lebenau und von Plain sowie den Pinzgau an sich zu bringen, wurden die dort bestehenden Burgen zu Stützpunkten der erzbischöflichen Macht. Sie bildeten fortan militärische Vorposten in den Auseinandersetzungen mit dem Herzog von Bayern, zumal der Erzbischof zusehends nach Loslösung seines Herrschaftsgebietes vom bayerischen Herzogtum und Schaffung eines eigenen Landes strebte. Diese Landesbildung kann mit der ersten urkundlichen Nennung des Landes 1342 als abgeschlossen gelten. Befestigte Passanlagen wie jene im oberen Saalachtal (Steinpass, Pass Strub) bewachten die Landesgrenzen oder schirmten – wie der Pass Lueg, der Kniepass und der Pass Luftenstein – die Einfallsstraßen in das Salzburger Gebirgsland ab.

Noch 1809 war der Pass Luftenstein eine heftig umkämpfte Talsperre. © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall
Noch 1809 war der Pass Luftenstein eine heftig umkämpfte Talsperre. © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall

Im Gegenzug behauptete der Bayernherzog die von ihm beanspruchten Gebiete, so etwa das Reichenhaller Becken, durch den Ausbau von Burgen, denen nunmehr die Funktion von Grenzbefestigungen zukam. Dazu zählten unter anderem die entlang der Landesgrenze errichteten größeren Anlagen, wie beispielsweise Burghausen, Trostberg, Traunstein, Gruttenstein (Reichenhall) und Marquartstein, was in der Regel auch zum landesherrlichen Ausbau und Aufstieg der zugehörigen Städte und Märkte führte.

Im Schutz der Burg entwickelte sich Traunstein zu einer Stadt mit zentralörtlicher Funktion. Ansicht bei Philipp Apian um 1560 © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall
Im Schutz der Burg entwickelte sich Traunstein zu einer Stadt mit zentralörtlicher Funktion. Ansicht bei Philipp Apian um 1560 © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall

Im Kriegsfall konnten diese mit Mauern umgürteten Orte auch als Aufmarschbasis für große Truppenkontingente verwendet werden. Die naturräumlich weitgehend abgeschlossene Propstei der Augustiner-Chorherren von Berchtesgaden, die noch früher als Salzburg eine eigene Landesbildung erreichte und bereits 1306 als „Land“ bezeichnet wurde, erhielt ab dem 12. Jahrhundert an den so genannten Ausgängen Passbefestigungen in Form befestigter Türme (Hallthurm, Schellenberg) und bewehrter Häuser (Torbauer, Hirschbichl, Schwarzbachwacht). Im Falle des Hallthurm erfolgte im 15. Jahrhundert sogar die Errichtung einer Talsperre mit vorgelagertem Graben (sog. Letzimauer).

Sowohl auf herzoglich-bayerischer als auch auf erzbischöflich-salzburgischer Seite wurden im Spätmittelalter die meisten der aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammenden Burgen zu Zentren der Gerichtsverwaltung. Da die Hochgerichtsbezirke den Pflegern der zentralen Burgen unterstellt wurden, bezeichnete man sie fortan als Pfleggerichte. Der Pfleger galt als oberster landesfürstlicher Beamter eines Gerichtsbezirks. Er kümmerte sich um die Instandhaltung (Pflege) der Burg – daher der Name – und war für die Verwaltung sowie die Angelegenheiten der Polizei, des Militärs und der Rechtsprechung verantwortlich.

Mit der Erfindung des Schießpulvers im 14. Jahrhundert war die große Zeit der Burgen vorüber. Nur mehr imposante und exponiert liegende Anlagen, wie etwa die Grenzburgen Tittmoning und Burghausen oder die erzbischöflichen Hauptburgen Hohensalzburg und Hohenwerfen, wurden den fortifikatorischen Entwicklungen angepasst und weiter als Festungen ausgebaut. Doch der Burgenbau war überholt, das Wohnen hinter dicken und feuchtkalten Mauern nicht mehr gefragt. Seit dem 16. Jahrhundert wurden die meist aus dem Hochmittelalter stammenden Pfleggerichtssitze wegen ihrer Entlegenheit und der aufwendigen Erhaltung als Verwaltungszentren (z.B. Plainburg, Raschenberg, Tetelham, Alt- und Lichtentann) aufgegeben und von stattlichen, repräsentativen sowie standesgemäßen Bauten inmitten größerer Siedlungen abgelöst. Jene, die an ihren Höhenburgen festhielten, bauten diese in aller Regel zu Schlössern um, die auf italienische Vorbilder rekurrierten. Daneben entstanden – meist außerhalb der Städte – repräsentative Schlösser (Ansitze) für den Landadel, deren Wehrhaftigkeit vorerst tatsächlich noch gegeben, seit dem 17. Jahrhundert aber nur mehr durch Ecktürmchen symbolisch angedeutet war.

Marzoll entstand als eines der ersten Renaissanceschlösser in unserer Region in den Jahren von ca. 1526 bis ca. 1536. Ansicht um die Mitte des 18. Jh. © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall
Marzoll entstand als eines der ersten Renaissanceschlösser in unserer Region in den Jahren von ca. 1526 bis ca. 1536. Ansicht um die Mitte des 18. Jh. © J. Lang/Stadtarchiv Bad Reichenhall

In einigen Fällen war mit dem Adelssitz auch ein gerichtlicher Immunitätsbezirk verbunden, die manchmal ein ganzes Dorf umfassende so genannte Hofmark, in der die Niedergerichtsrechte beim Schloss- bzw. Burgherrn lagen.

Die Landesherren, vor allem der Salzburger Fürsterzbischof und der Fürstpropst von Berchtesgaden, aber auch der Fürstbischof von Chiemsee errichteten Jagd- und Lustschlösser, die einen im Zuge der Frühen Neuzeit veränderten Lebensstil verraten. Hinzu kamen Sommersitze und Residenzbauten, die nach französischem Vorbild zum Zwecke der Herrschaftsdemonstration oftmals besonders prächtig gestaltet waren. Sie wiederum stellten die Vorbilder dar für die vielen Adelssitze auf dem Land und in den Städten.

Mühlen-Rundweg – Scheffau am Tgb.

"Alte Mühle" in Scheffau am Tgb. © Tourismusverband Scheffau

gibt Kraft und Energie

Der Scheffauer Mühlen-Rundweg führt Sie zu den beiden am Nordrand des Tennengebirges austretenden Karstquellen, dem Winner-Wasserfall (Naturdenkmal ) und der Quelle des Sehwarzenbaches. Während diese das ganze Jahr über Wasser führt, stürzt der Winnerfall nur zu Zeiten der Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen in einem imposanten Naturschauspiel in die Tiefe.

Alte Mühle:
Der Rundweg führt weiter zur „Alten Mühle“, einer Getreidemühle, die bis 1958 von sechs Bauern aus Scheffau zum Mahlen des Getreides in Verwendung war. 1975 wurde sie vom Verkehrsverein und der Gemeinde Scheffau restauriert und so der Nachwelt erhalten.

Marmorkugelmühle:

Marmorkugelm in Scheffau am Tgb. © Tourismusverband Scheffau
Marmorkugelm in Scheffau am Tgb. © Tourismusverband Scheffau

Daneben errichteten Andreas Böstel aus Salzburg und Johann Bemhofer, Tischler aus Oberscheffau. 1994 nach historischen Plänen eine Marmorkugelmühle. Die Erzeugung von Marmorkugeln hat im Bundesland Salzburg alte Tradition. In unmittelbarer Nähe befinden sich noch zwei Fundamente verfallener Mühlen, der Winklermühle und der Raidenmühle. Gehzeit: ca. 1 Stunde

Weitere Sehenswürdigkeiten in unserem Gemeindegebiet:

  • Lammerklamm – ein eindrucksvolles Naturerlebnis:
    Nur ca. 10 Gehminuten von hier befindet sich das zweite Naturdenkmal des Ortes, die wildromantische Lammerklamm (=Lammeröfen). Der Durchbruch der Lammer auf einer Länge von ca. 1 km gehört zu den eindruckvollsten Naturschauspielen im Salzburger Land. Gesicherte Steige führen durch steil aufragende Felswände in die mystische und tosende “Dunkle Klamm”.