Straßwalchen – Marktgemeinde

Ansicht des Marktes Strasswalchen gegen Norden. © H. Schopf

Alter Markt im Zeichen der Grenze

Geschichte

Der Ort Strasswalchen wird erstmals im Jahr 799 erwähnt, als Erzbischof Arn von Salzburg die Kirche Strasswalchen samt Gütern an das Kloster Mondsee vertauschte. Dass es sich hier um eine sehr alte Siedlung handelt, lässt der Ortsname erkennen, denn als Walchen wurde die nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches im Land verbliebene romanisierte Bevölkerung bezeichnet. Die Strass-Nennung bezieht sich auf die günstige Lage Strasswalchens an der alten Römerstraße Salzburg-Wels-Linz.

Darstellung des Marktes Strasswalchen auf einem Plan des Landgerichtes am Höchfeld aus dem Jahr 1620. (Repro SLA)
Darstellung des Marktes Strasswalchen auf einem Plan des Landgerichtes am Höchfeld aus dem Jahr 1620. (Repro SLA)

Die Lage nahe dem Kreuzungspunkt der antiken norisch-rätischen Voralpenstraße an einem alten Nord-Süd-gerichteten Verkehrsweg und die Verbindungen nach Braunau und Mondsee begünstigten schon früh die Ausbildung des Marktplatzes Strasswalchen; er wird bereits 1277 als forum (Markt) bezeichnet. Allerdings gehörte Strasswalchen damals dem Passauer Bischof, der den Markt erst über ein Jahrhundert später (1398) endgültig an den Salzburger Erzbischof verkaufen sollte.

Die früheste Marktrechtsverleihung stammt aus dem Jahr 1462, als Kardinalerzbischof Burkhard II. von Salzburg einen Wochenmarkt, jeweils am Donnerstag, und das Recht der freien Wahl des Marktrichters durch die Marktbürger gewährte; dieser Marktrichter war für alle „Händel“ (Streitfälle) innerhalb des Marktes und des Burgfrieds (Niedergerichtsbezirk um den alten Markt, entspricht ungefähr der späteren Gemeinde Strasswalchen-Markt) zuständig – ausgenommen waren nur die Hochgerichtsfälle, die dem Pfleger von Mattsee überantwortet werden mussten. Damit war innerhalb des alten Landgerichtes am Hochfeld ein eigener Sondergerichtsbezirk, das Marktgericht Strasswalchen, geschaffen worden. Gerichtlich stand Strasswalchen bis 1646 unter der Aufsicht des Pflegers von Mattsee; danach repräsentierte ein eigener Landrichter die erzbischöfliche Autorität im Markt, bevor der gesamte Gerichtssprengel im Jahr 1801 wegen der zu geringen Ausdehnung dem Pfleggericht Neumarkt angegliedert wurde.

Damals kamen auch die beiden seit Jahrhunderten bestehenden Wochenmärkte infolge der schwierigen Franzosenkriegszeit ab, die von den Erzbischöfen ebenfalls genehmigten drei Jahrmärkte aber erfreuten sich großer Beliebtheit; als Michaelimarkt entwickelte sich der Strasswalchener Viehmarkt schließlich zum wichtigsten und größten Viehhandelsmarkt des Flachgaus und des angrenzenden Oberösterreich, auf dem in den besten Zeiten weit über 1000 Stück Vieh aufgetrieben wurden. Eine Besonderheit und zugleich einen Zankapfel über Jahrhunderte bildete die seit 1286 zu Bayern gehörende Mautstätte im Markt Strasswalchen, die die Salzburger Landeshoheit in diesem nördlichsten Landesteil ständig bedrohte und die erst 1805 unter österreichischer Herrschaft aufgehoben wurde.

Ortsbild

Strasswalchen stellt sich dem Alter der Siedlung gemäß als gewachsenes unregelmäßiges Straßendorf dar. Unterhalb der erhöht liegenden dominanten Pfarrkirche St. Martin kreuzen sich die wichtige alte Reichsstraße Salzburg – Linz und die Verbindung Braunau – Mondsee, was in heutiger Zeit zu enormen, noch immer ungelösten Verkehrsproblemen führt. Neben einigen stattlichen alten Gasthäusern ist vor allem die gotische Pfarrkirche zu erwähnen, die mit ihrer qualitätsvollen barocken Innenausstattung durch den bedeutenden Barockbildhauer Meinrad Guggenbichler besticht. Die ebenfalls zu Strasswalchen gehörende und von demselben Künstler ausgestattete Filialkirche Irrsdorf ist darüber hinaus noch für ihre gotischen Eichentüren, die die Hl. Maria und die Hl. Anna zum Thema haben, weltberühmt.

Wirtschaft

Der Markt Strasswalchen „lebte“ von seiner günstigen verkehrsgeographischen Lage an der wichtigen Straße Salzburg-Linz sowie Braunau- Mondsee. Deshalb stand der Handel – manifestiert durch die Wochen- und Jahrmärkte und die Handelsbetriebe – im Vordergrund; als Folge von Verkehr und Handel entstanden auch alle möglichen Gewerbe sowie zahlreiche Gastwirtschaften; am Ende des 18. Jhs. gab es 6 Bierbrauer, 3 Wirte und 10 Bierschenken. Dazu kamen diverse Transportnebengewerbe wie Schmiede, Wagner, Sattler, Riemer, Spängler, Schlosser oder Fassbinder. Die lokalen Versorgungsgewerbe wie Fleischhacker (4), Bäcker (6), Müller, Lebzelter (1), Schneider (5), Schuster (4) etc. waren selbstverständlich auch vertreten. Ein besonders stark vertretenes Handwerk wäre in diesem Zusammenhang noch zu nennen: Die Weberei. Bedingt durch den weit verbreiteten Flachsanbau im gesamten Landgericht gab es auch im Markt zahlreiche Leinenweber (8), die ihre Erzeugnisse über die ansässigen Händler (4) vertrieben. Im Landgerichtsbezirk waren noch weitere 26 Weber und 6 Schneider ansässig.

Mit dem Bau der Eisenbahn setzte um 1860 zunächst ein Rückgang des Straßentransports ein, den die Gemeinde aber durch die drei neu entstandenen Bahnhöfe (Strasswalchen, Steindorf, Ederbauer) gut kompensieren konnte. Überdies wurde Steindorf durch den Bau der Eisenbahn nach Braunau zu einem wichtigen Knotenpunkt aufgewertet, was auch wieder zahlreiche Arbeitplätze schuf. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm der Straßenverkehr einen ungeheuren Aufschwung; durch die verkehrsgünstige Lage nutzte Strasswalchen seine Möglichkeiten, um zum wichtigsten regionalen Wirtschaftsraum im salzburgisch-oberösterreichischen Grenzgebiet zu werden. Heute präsentiert sich Strasswalchen als dynamisches regionales Wirtschaftszentrum mit Schwerpunkt Transportgewerbe, Holzverarbeitung, Verkehrsnebengewerbe und Handel. Entsprechend dem räumlichen Entwicklungskonzept wird mit der Stadt Neumarkt eng kooperiert, wobei gemäß der vorgesehenen Funktionsteilung in Strasswalchen der Schwerpunkt auf dem wirtschaftlichen Sektor liegt.

Wappen

In Silber ein schwarzer rechter Schrägbalken, belegt mit vier silbernen Hufeisentritten, die beiderseits von je drei silbernen Kieselsteinen in wechselnder Anordnung begleitet sind (Verleihung durch Kardinalerzbischof Burkhard II. von Salzburg am 3. März 1464; erneute Verleihung 22. August 1927). Das Wappen bringt zum Ausdruck, dass der Markt seine Bedeutung der von der Stadt Salzburg nach Nordosten bzw. Osten führenden wichtigen alten Straße verdankt.

Aktuell

Seehöhe 528 m, Fläche 44,81 km2, 6.937 Einwohner (2009).
An Kultureinrichtungen sind die Gemeindebücherei und die Leonhardischützen, die Musikkapellen und zahlreiche andere Bildungs- und Geselligkeitsvereine zu nennen.

Seekirchen – Stadtgemeinde

Blick über den Markt Seekirchen zum Wallersee um 1970. © L. Beckel/H. Dopsch

Erste Wirkungsstätte des hl. Rupert im Salzburger Land

Geschichte

Römische Gutshöfe (Fischtaging, Halberstätten) sowie Reste von Grabaltären und Inschriften erinnern an die Besiedlung in römischer Zeit. Der hl. Rupert hielt sich um 700 bei den Romanen in Seekirchen auf und errichtete eine Peterskirche. Von dieser „Kirche am See“, die im ältesten Salzburger Güterverzeichnis um 790 als ecclesia ad See genannt wird, ist auch der Ortsname abgeleitet. Während die Kirche mit Grundbesitz in der Umgebung 987 an die Abtei St. Peter in Salzburg kam, siedelten sich seit dem 11./12. Jh. in und um Seekirchen erzbischöfliche Dienstmannen (Ministerialen) an. Die Herren von Högl, die sich auch nach Seekirchen nannten, hatten ihren Sitz in Waldprechting, woran bis heute die Nikolauskirche als einstige Burgkapelle erinnert.

Erzbischof Gregor Schenk von Osterwitz verlieh 1398 den „armen Leuten des Gerichtes Altentann“ das Recht auf gemeinsame Arbeit, das Eberhard III. 1424 erweiterte. Seekirchen erhielt damals zwei Jahrmärkte (1. Mai und 28. August) und entwickelte sich zum Marktort mit eigenem Burgfried, Bürgern und der „Bürgerfrei“, einem gemeinsamen Weidegebiet. Es unterstand aber weiterhin der unmittelbaren Aufsicht und Gerichtsbarkeit des erzbischöflichen Pflegers von Altentann, besaß keine bürgerliche Selbstverwaltung und zählte nicht zu den landständischen Märkten. Erzbischof Paris Graf Lodron gewährte 1623 eine beschränkte Selbstverwaltung mit einem Oberkämmerer an der Spitze, Franz Anton von Harrach verfügte 1712 die Aufnahme Seekirchens unter die landständischen Märkte, die 1717 realisiert wurde. Kaiser Franz I. verlieh 1820 einen Viehmarkt am 12. Oktober und nahm 1831 eine formelle Marktrechtsverleihung vor, die zur Errichtung eines Marktmagistrats mit einem Bürgermeister an der Spitze führte. Das provisorische Gemeindegesetz 1849 brachte 1850 die Errichtung von zwei getrennten Gemeinden „Seekirchen Markt“ und „Seekirchen Land“.

Der Schriftsteller Thomas Bernhard, der als Kind mit seinem Großvater Johannes Freumbichler die Jahre 1935-1938 in Seekirchen auf dem Hippinggut verbrachte, bezeichnete dieses im Rückblick als „Paradies“. Beim missglückten Putsch der österreichischen Nationalsozialisten am 27. Juli 1934 fanden vier Menschen den Tod, zwei weitere wurden schwer verletzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es durch die freiwillige Wiedervereinigung von Markt- und Landgemeinde 1974, durch die hohe Wohnqualität, die Nähe zur Landeshauptstadt und die gute Verkehrsanbindung zu einem rasanten Bevölkerungswachstum, das unvermindert anhält. Dieser Entwicklung und der überregionalen Funktion des Marktes im Flachgau wurde mit der Stadterhebung im Jahr 2000 Rechnung getragen.

Ortsbild

Das Seekirchner Stadtbild wird von den beiden neu gestalteten Marktplätzen bestimmt. Während der Untermarkt als typischer Straßenmarkt ausgebildet ist, entstand der Obermarkt als Dreiecksmarkt an einer alten Straßengabel. Dort setzte der Bau des Gemeindezentrums 1994 einen neuen Akzent. Als historische Gebäude dominieren die stattliche Pfarrkirche, die sich an der Stelle der frühmittelalterlichen rupertinischen Kirche erhebt, und das 1679 gegründete Kollegiatstift, das nach der Aufhebung 1812 durch Kaiser Franz I. 1832 wiederhergestellt und 1996 reorganisiert wurde.

Zwischen Untermarkt und Obermarkt liegen die großen alten Wirtshäuser, die ihre einstige Funktion nur zum Teil bewahrt haben (Hofwirt, Post, Weintraube). In der KG Seewalchen liegt das Schloss Seeburg, das im 15. Jh. von den Herren von Dachsberg errichtet und später mehrfach umgestaltet wurde. Es diente im 19./20. Jh. als Sitz für die Armenstiftung des aus Seekirchen stammenden Kaufmanns Matthias Bayrhammer, beherbergte dann verschiedene Heime, 1978-2002 das Stifts- und Heimatmuseum und ist seit 2008 Sitz der Privatuniversität Schloss Seeburg. Der enorme Bevölkerungszuwachs führte nach dem Zweiten Weltkrieg zur schrittweisen Verbauung des Seemoses zum Wallersee und zur Anlage neuer Siedlungen am Stadtrand (Waldprechting, Irlach, Weinberg, Schlacht). Am rechten Ufer der Fischach wurde ein großzügiges Gewerbegebiet ausgewiesen.

Wirtschaft

Wirtschaftliches Zentrum war das „Wirtshausviertel“, das um den Hofwirt als einstige „Banntaverne“ entstand. Die in der Stadt ansässigen Handwerker und Kaufleute waren und sind für die Deckung des lokalen Bedarfs zuständig. Die traditionsreiche Fischerei im Wallersee wird nur noch von einem Berufsfischer fortgeführt. Die Eröffnung der Westbahn 1860 brachte für Seekirchen den Anschluss an einen überregionalen Markt. Die gemischte Landwirtschaft wurde seit dem späten 19. Jh. ganz auf Viehzucht umgestellt und der Käse, vor allem der von der Fa. Woerle hergestellte Emmentaler, zeitweise zu einem wichtigen Exportartikel. Bei der Milchanlieferung befindet sich Seekirchen im österreichischen Spitzenfeld. Während die erfolgreiche Konservenproduktion vor wenigen Jahren zu Ende ging, konnte ein in Seekirchen ansässiges Werk für Heizungstechnik seine führende Position weiter ausbauen und ein drittes Werk in Zaisberg errichten. Auch die Seekirchner Bauwirtschaft hat überregionale Bedeutung erlangt. Charakteristisch für die junge Stadt ist jedoch, dass ein Großteil der Berufstätigen seinen Arbeitsplatz in der nahen Landeshauptstadt Salzburg hat.

Wappen

In gespaltenem Schild rechts in Rot ein silberner Balken, worin zwei aus den Feldrändern wachsende Unterarme, mit einer goldenen Stola umwunden, einander die Hände reichen. Der rechte Arm braun bekleidet (Mann), der linke nackt (Frau). Links in Blau über naturfärbigem Wellenschildfuß auf silbernem Boden eine silberne Kirche mit roten Dächern. Außerhalb, über dem oberen Schildrand nebeneinander die schwarzen Jahreszahlen 1424 und 1974 (Verleihung am 24. Juni 1974). Beide Felder verweisen auf das Wirken des hl. Rupert an diesem Ort. Die Jahreszahl 1424 erinnert an die Verleihung der beiden Jahrmärkte, die Jahreszahl 1974 an die Wiedervereinigung der beiden Seekirchner Gemeinden.

Aktuell

Seehöhe 512m, Fläche 50,27 km2, 9.556 Einwohner (2008), Politischer Bezirk Salzburg-Umgebung, Gerichtsbezirk Neumarkt am Wallersee. Die Stadt ist in die KG Seekirchen-Stadt, Marschalln, Mödlham, Waldprechting, Seewalchen und Seekirchen-Land gegliedert.
In Seekirchen sind eine Hauptschule, ein Bundesgymnasium und die Privatuniversität Schloss Seeburg (seit 2008) ansässig. An kulturellen Vereinigungen ist neben zahlreichen Traditionsvereinen wie der Seekirchner Liedertafel das Kulturhaus Emailwerk zu nennen.

Saalfelden – Stadtgemeinde

Saalfelden mit dem Ritzensee. © Stadtgemeinde Saalfelden

Wirtschaftszentrum des Mitterpinzgaus

Geschichte

Der um die Mitte des 8. Jahrhunderts erstmals genannte Ortsname ist abgeleitet von der Saale, dem alten Flussnamen der Saalach. Erste Siedlungsspuren reichen im Saalfeldener Becken bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurück. Ein Zentrum der frühen Besiedlung war der Biberg, wo 1946 eine aus dem 1. Jh. v. Chr. stammende keltische Bronzestatuette, die einen liegenden Hirsch darstellt, gefunden wurde. Heute befindet sich der „Hirsch vom Biberg“ im Salzburg Museum.

Die Deutung der befestigten Siedlung (oppidum) als zentraler Ort der keltischen Ambisonten ist umstritten. Auch für die Römerzeit belegen Ausgrabungen, wie jene eines Gutshofes in Wieserberg, eine dauernde Besiedlung. Ab dem späten 6. Jh. siedelten sich Baiuwaren an, und seit dem 12. Jh. übten die Grafen von Plain im Auftrag der bayerischen Herzöge die Herrschaft über den Mitter- und Unterpinzgau aus. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes als Salafelda stammt aus der „Notitia Arnonis“, dem um 790 angelegten ältesten Güterverzeichnis der Salzburger Kirche.

Markt Saalfelden 1764, rechts im Vordergrund Schloss Ritzen. (kolorierte Federzeichnung von Joseph Fontaine, Heimatmuseum Schloss Ritzen, Foto Alois Eder)
Markt Saalfelden 1764, rechts im Vordergrund Schloss Ritzen. (kolorierte Federzeichnung von Joseph Fontaine, Heimatmuseum Schloss Ritzen, Foto Alois Eder)

1228 erwarb Erzbischof Eberhard II. (1200-1246) durch ein Tauschgeschäft mit Bayern den heutigen Pinzgau. 1294 wurde das erzbischöfliche Landgericht Saalfelden erstmals erwähnt, das 1418 mit der Verwaltung der Burg Lichtenberg zum gleichnamigen Pfleggericht vereinigt wurde. Bis 1850 blieb das von einem Pfleger geleitete „Gericht“ Mittelpunkt der staatlichen Verwaltung und Rechtssprechung. Die Burg musste zur Wahrung ihrer militärischen Funktion verteidigungsbereit gehalten werden.

Saalfelden wurde Mitte des 14. Jh. erstmals als Marktort erwähnt, kämpfte aber bald mit großen ökonomischen Problemen, da die überregionalen Handelsverbindungen in den Süden zunehmend über den Pongau in Richtung Salzburg verliefen. Die Funktion als regionales Wirtschaftszentrum mit Wochen- und Jahrmärkten blieb von dieser vom 17. bis zum 19. Jh. anhaltenden Rezession weitgehend unberührt. Wirtschaftliche Not und die Unterdrückung religiöser Neuerungen im Zuge der Reformation führten immer wieder zu Unruhen, an denen sich im 16. und 17. Jh. auch die zumeist bäuerliche Bevölkerung im nördlichen Pinzgau beteiligte. 1731 wurden auch aus dem Raum Saalfelden Protestanten zur Emigration gezwungen. Wiederholt verwüsteten Brände den Markt, wobei jene der Jahre 1608, 1734, 1778 und besonders das verheerende Feuer von 1811 große Schäden anrichteten. Nach den Franzosenkriegen, in denen Saalfelden vor allem als Nachschubzentrum hinter der eigentlichen Front eine Rolle gespielt hatte, kam Salzburg 1816 endgültig zu Österreich.

Saalfelden um 1900. (Ansichtskarte, Foto Würthle & Sohn, Wien, Salzburg, München; SLA, Fotosammlung A 4024; Reproduktion SLA)
Saalfelden um 1900. (Ansichtskarte, Foto Würthle & Sohn, Wien, Salzburg, München; SLA, Fotosammlung A 4024; Reproduktion SLA)

Der Ort behielt bis 1850 mit seinem Pfleggericht und von 1850 bis 1854 als Sitz der Bezirkshauptmannschaft zentralörtliche Bedeutung für den Pinzgau. Seit 1867 ist er Sitz eines Bezirksgerichts. Die 1875 erfolgte Anbindung von Saalfelden an das Eisenbahnnetz brachte wirtschaftliche Impulse, und Sommerfrischler gelangten erstmals in größerer Zahl in diese Gegend. Der Aufschwung in den letzten Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg zeigt sich auch an der 1899 errichteten „eisernen Hochdruckwasserleitung“, mit der die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser sichergestellt werden konnte. Die beiden Weltkriege und die wirtschaftlich und politisch instabile Zwischenkriegszeit brachten Jahrzehnte der Stagnation und der ökonomischen Probleme. Erst nach 1955 setzte ein nachhaltiger Aufschwung ein, und der Ort entwickelte sich zudem zu einem Schulzentrum von überregionaler Bedeutung. Gleichsam ein Symbol für diese positive Entwicklung und das enorme Bevölkerungswachstum war im Jahr 2000 die Stadterhebung von Saalfelden.

Mit der 2002 erfolgten Eröffnung des Kunsthauses „NEXUS“ und dem 2005 fertig gestellten „Congress Saalfelden“ konnte sich die Stadt auch als Zentrum zeitgenossischer Kunst sowie als Veranstaltungsort von Tagungen und kleinerer und mittlerer Kongresse etablieren. Das Internationale Jazzfestival Saalfelden mit hochrangigen Musikern aus aller Welt konnte 2009 bereits zum 30. Mal gefeiert werden.

Ortsbild

Der historische Markt erstreckt sich im Osten eines weiten Talbeckens am rechten Ufer der Urslau. Die ebenfalls noch zum Gemeindegebiet gehörigen Weiler und Gruppen von Einzelhöfen liegen vornehmlich am Beckenrand.

Die neuromanische Pfarrkirche von Saalfelden. © Stadtgemeinde Saalfelden
Die neuromanische Pfarrkirche von Saalfelden. © Stadtgemeinde Saalfelden

Im historischen Ortskern dominiert die 1858 bis 1861 im Zuge eines Umbaues zu einer dreischiffigen neuromanischen Basilika umgestaltete, Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten geweihte Pfarrkirche mit gotischer Krypta, deren Vorgängerbau in das frühe 11. Jh. zurückreicht. Die aus dem 19. Jh. stammende Innenausstattung wurde bei der Renovierung 1959 bis 1969 weitgehend entfernt. Am westlichen Stadtrand, entlang der Pinzgauer Straße (B 311), prägen neben Wohnbauten moderne Zweckbauten von Gewerbebetrieben sowie Verbrauchermärkte das Siedlungsbild.

Schloss Lichtenberg, links oben die Einsiedelei. © A. Eder
Schloss Lichtenberg, links oben die Einsiedelei. © A. Eder

Das auf die erste Hälfte des 14. Jh. Zurückgehende Schloss Ritzen liegt am südlichen Stadtrand auf einem flachen Hügel am gleichnamigen See und beherbergt seit 1965 das örtliche Heimatmuseum. Schloss Lichtenberg, seit dem frühen 15. Jh. Sitz des erzbischöflichen Pfleggerichts, befindet sich nordöstlich des Ortes auf einem steilen, bewaldeten Hügel. Der Bau, dessen Anfänge ins 13. Jh. zurückreichen, wurde nach 1872 im Sinn der Romantik grundlegend umgestaltet. Oberhalb des Schlosses, am Palfen, liegt eine bis in die Gegenwart bewohnte Einsiedelei. Sie geht auf das Jahr 1664 zurück. Damals wurde dem aus Embach stammenden Bauernsohn Thomas Pichler die Erlaubnis erteilt, sich dort als Eremit niederzulassen. Heute lebt dort während der Sommermonate ein Regularoblate (früher: Laienbruder) aus dem Benediktinerstift St. Lambrecht.

Wirtschaft

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung arbeitet in Handel und Gewerbe bzw. im Dienstleistungssektor. Die Stadt verfügt über 700 Wirtschaftsbetriebe. Die Randbereiche des Gemeindegebietes sind bis heute landwirtschaftlich geprägt, aber nur jeder zehnte bäuerliche Betrieb wird im Haupterwerb geführt. Der Fremdenverkehr erlangte seit den 1950er Jahren größere Bedeutung, wobei vor allem im Winter der forcierte Ausbau künstlicher Aufstiegshilfen und die Anlegung präparierter Schipisten die Voraussetzungen für den Massentourismus (2008: 251.620 Nächtigungen) schufen. Seit 1928 wird am Biberg in einem Steinbruch Diabas abgebaut, der hauptsächlich für den Straßen- und Eisenbahnbau sowie als Zusatzstoff für Beton Verwendung findet.

Wappen

In goldenem Schild auf grünem Dreiberg drei grüne pappelähnliche Laubbäume (Salweide), deren mittlerer höher ist als die beiden äußeren (Verleihung: 3.4.1928); ein ähnliches Wappen (mit Nadelbäumen) scheint bereits auf der Landtafel von 1680 auf, die im modernen Wappen erscheinenden Laubbäume sind eine Anspielung auf den Ortsnamen.

Aktuell

748m Seehöhe, Fläche 118,66 km²; 15.944 Einwohner (2009 – drittgrößter Ort im Land Salzburg), Politischer Bezirk Zell am See, Gerichtsbezirk Saalfelden.
Die Stadt verfügt über ein Bundesgymnasium, eine Höhere Technische Bundeslehranstalt, eine Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe sowie ein Studien- und Managementcenter.

Rauris – Marktgemeinde

Der Markt Rauris gegen den Talschluss heute. © S. Kopp, Talmuseum Rauris; Repro SLA

Historisches Bergbauzentrum im Herzen des Nationalparks

Geschichte

Das Rauriser Tal wurde bereits in der Vorzeit wegen seines günstigen Alpenüberganges durch den Seidlwinkel über das Hochtor begangen, wie der Fund eines vergoldeten Halsringes aus der Latène-Zeit (um 400 v. Chr.) bezeugt. Im Hochmittelalter, während der Binnenkolonisation mittels Schwaighöfen (auf Schafhaltung spezialisierte Höfe, die Käse und Loden produzierten) urbar gemacht, gewann dieser Saumweg („obere Straße“) durch den aufstrebenden Handel mit Venedig noch an Bedeutung.

Ansicht des Marktes Rauris auf einer Federzeichnung von Eduard Gurk um 1838. (SLA, Graphik XII.7.47; Repro SLA)
Ansicht des Marktes Rauris auf einer Federzeichnung von Eduard Gurk um 1838. (SLA, Graphik XII.7.47;
Repro SLA)

1122 wird der Ort erstmals urkundlich als „Gaispach“ erwähnt; diese Bezeichnung, die von der Lage der Siedlung auf dem Schuttkegel des Gaisbaches herrührt, blieb das gesamte Mittelalter erhalten, erst in der Neuzeit setzte sich der heutige Name Rauris allgemein durch. Dieser 1122 in der Form Rurese überlieferte Name konnte entweder vom lateinischen rus, ruris „Feld, Land“ oder vom keltischen Volksstamm der Rauraci (Raurisker) abgeleitet sein. Mit dem Einsetzen des Goldbergbaus in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann im Raurisertal eine rasante Entwicklung; Rauris wurde neben dem benachbarten Gasteinertal zum zweiten wichtigen Edelmetallbergbaurevier des Erzstiftes Salzburg, sodass 1355 ein eigenes Berggericht installiert wurde.

Das Raurisertal um 1900. © Talmuseum Rauris; Repro SLA
Das Raurisertal um 1900. © Talmuseum Rauris; Repro SLA

Auf Grund des gestiegenen Bevölkerungsanteiles (um 1500 auf über 3.000 Bewohner) wurde Rauris auch vom Pfleggericht Taxenbach abgetrennt und als selbständiges Landgericht Rauris eingerichtet. Die mit diesem wirtschaftlichen Aufschwung verbundene Etablierung von Rauris als Marktort (erstmals 1471 als solcher genannt) wurde allerdings nie formal durch eine Marktrechtsverleihung bestätigt; mit dem beginnenden Rückgang des Bergsegens wurde Rauris 1565 die Landstandschaft und somit das Marktrecht aberkannt und es bedurfte zahlreicher Anstrengungen, bis dem Ort im Jahr 1884 das Marktrecht formal wieder zugestanden wurde.

Ortsbild

Das Straßendorf Rauris beeindruckt durch seine mächtigen Gewerkenhäuser, die von den erfolgreichen Bergbauunternehmern (Montangewerken) errichtet wurden. Dazu gehören das imposante Vogelmayrhaus (Gemeindeamt), Gasthof Grimming (Marktstr. 25), das alte Verweserhaus (Kirchplatz 1) oder das Hanfhaus (ehemaliges Knappenanwesen, Marktstr. 62), die alle Zeugnis der großen Vergangenheit von Rauris als Bergbauzentrum ablegen. Zahlreiche weitere Häuser mit Kielbogenportalen aus dem 16. Jahrhundert zeugen vom Reichtum des vergangenen Bergsegens. Dagegen sind das ehemalige Landrichterhaus (Marktstr. 33) und die Fürstenmühle (Rainbergstr. 17) als alte Belege der erzbischöflichen Verwaltung im Raurisertal erhalten geblieben.

Wirtschaft

Wirtschaftlich war das Raurisertal lange Zeit neben der Landwirtschaft vom Saumhandel über den Tauern und vom Goldbergbau geprägt. Mit dem Rückgang des Bergsegens ab der Mitte des 16. Jahrhunderts aber kam auch dieser Erwerbszweig immer mehr ins Hintertreffen, sodass auch engagierte Gewerken wie Ignaz Rojacher (†1891) diesem Niedergang nicht gegenzusteuern vermochten. Mit dem Ende des Bergbaus um die Wende zum 20. Jahrhundert aber setzte für Rauris mit dem beginnenden Sommer- und Winterfremdenverkehr, der u. a. vom Schipionier Wilhelm Ritter von Arlt (†1944) massiv gefordert wurde, ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung ein. Von diesen beiden Persönlichkeiten wurde auch das Observatorium auf dem Hohen Sonnblick (3.105 m) als höchstgelegene Wetterbeobachtungsstation der Alpen verwirklicht (1886).

Mit der Errichtung des Nationalparks Hohe Tauern im Jahr 1984 wurde Rauris eine der wichtigsten Nationalparkgemeinden Salzburgs und ist mit seiner Strategie des nachhaltigen und schonenden Tourismus zukunftsweisend positioniert. Rauris ist heute vorwiegend Fremdenverkehrsgemeinde mit Schwerpunkten auf dem Schitourismus im Winter und ein Wanderurlaubsparadies im Nationalpark Hohe Tauern im Sommer.

Wappen

Von der Salzburger Landesregierung wurde dem Markt Rauris 1928 ein Wappen mit folgendem Aussehen verliehen: Ein von rot-gold schräglinks geteilter Schild: oben eine aus der Teilungslinie wachsende Ziege, unten zwei gekreuzte, schwarze Bergwerkshammer. Im Wappen stellt die Ziege eine Anspielung an den ehemaligen Namen des Marktes Rauris, der früher „Gaisbach“ hieß, dar, während die Bergwerkshämmer an den einstigen Gold- und Silberbergbau im Tal und an die Bedeutung des Ortes als Sitz von Gewerken erinnern.

Aktuell

Seehöhe 948 m (Markt), Fläche 233,03 km2, 3.040 Einwohner (2009), Politischer Bezirk und Gerichtsbezirk Zell am See.
An Kultureinrichtungen sind an erster Stelle die weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Rauriser Literaturtage, das Nationalparkhaus Könige der Lüfte mit der Infostelle Nationalpark, das Rauriser Talmuseum sowie der Kulturverein Forum Rauris und zahlreiche andere Bildungs- und Geselligkeitsvereine zu nennen.

Obertrum am See – Marktgemeinde

Obertrum am See. © Marktgemeinde Obertrum am See

Wirtschaftliches Zentrum im Dreiseenland

Geschichte

Das durch den Brand vom 21. Mai 1917 verwüstete Ortszentrum von Obertrum. (SLA, Landesausschussakten II 36/3; Reproduktion SLA)
Das durch den Brand vom 21. Mai 1917 verwüstete Ortszentrum von Obertrum. (SLA, Landesausschussakten II 36/3; Reproduktion SLA)

In vorgeschichtlicher Zeit bildeten die drei Seen (Obertrumer See, Mattsee, Grabensee) einen einzigen großen See, der auch zur Schifffahrt benutzt wurde. Die ältesten Belege für eine Besiedlung sind mehr als dreitausend Jahre alt, doch kam es nach dem Ende der römischen Zeit bis zur baiuwarischen Landnahme, vom 5. bis zum 8. Jh., zu einer weitgehenden Entvölkerung der Gegend. Erstes kirchliches Zentrum war das um 760 vom Bayernherzog Tassilo III. gegründete Kloster Mattsee. 1143 wurde der Ort, der in seelsorglichen Belangen von 907 bis 1808 dem Bistum Passau unterstand, als Druma erstmals erwähnt. Der Name ist abgeleitet vom mittelhochdeutschen Wort drum, trum in der Bedeutung Endstück und kam ursprünglich aus der Fischersprache.

Die weltliche Hoheit übernahm 1398 durch Kauf vom Bistum Passau das Erzstift Salzburg, die Blutgerichtsbarkeit verblieb noch für Jahrhunderte bei Bayern. Die etwa 6 km südlich des Ortes am Haunsberg gelegene Kaiserbuche erinnert an den Besuch Kaiser Josefs II. am 28. Oktober 1779, der von hier aus einen Blick auf das von Bayern erworbene Innviertel werfen wollte. 1800 und 1917 wurde der Ort durch Brände zerstört und in seiner weiteren Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt. Erst der in den 1920er Jahren beginnende Tourismus brachte einen Aufschwung, der durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Nach 1945 setzte ein weitreichender Strukturwandel und Modernisierungsschub ein. Im Jahr 2000 wurde Obertrum zum Markt erhoben und das neue Gemeindezentrum feierlich eröffnet. Heute dient die Gemeinde vielen Neubürgern als Wohnsitz, die in der Landeshauptstadt Salzburg berufstätig sind.

Ortsbild

Der Ortskern wurde nach dem Brand von 1917 in den Jahren bis 1927 nach Plänen des Architekten Karl Pirich (1875-1956) wiederaufgebaut und stellt ein weitgehend geschlossenes Ensemble dar. Aus dieser Zeit stammt auch das heutige Aussehen der dem Hl. Jakobus geweihten Pfarrkirche, deren Ursprünge ins 12. Jh. zurückreichen. Im Süden des Marktes entstand an der Mattseer Landesstraße ein modernes Gewerbe- und Einkaufszentrum.

Wirtschaft

Gärkeller der Brauerei Obertrum. © Brauerei Obertrum
Gärkeller der Brauerei Obertrum. © Brauerei Obertrum

In historischer Zeit bildete neben der Landwirtschaft der Fischfang im Obertrumer See eine wichtige Erwerbsgrundlage. Außerdem standen im Ort zahlreiche Mühlen in Betrieb. Obwohl die Landwirtschaft (1999: 86% Haupterwerb) noch immer das Erscheinungsbild des Ortes prägt, sind hier nur 5,5% (Stand 2006) der Erwerbstätigen beschäftigt. Die meisten Bewohner arbeiten im Handel und Gewerbe bzw. Dienstleistungssektor. Obertrum ist nicht nur Ziel für Tagesgäste, sondern vornehmlich im Sommer ein beliebter Urlaubsort (Nächtigungen 2008: 21.683). 1601 wurde die Brauerei gegründet, die seit 1775 im Besitz der Familie Sigl ist.

Wappen

In Silber ein roter Wolf, im Rachen einen blauen Fisch, mit den Vorderpfoten einen naturfarbenen gestümmelten Ast haltend (Verleihung: 17.12.1952); der Wolf stammt aus dem Wappen des Bistums Passau, der Fisch weist auf die Lage am See hin, und der hochgestellte Ast („Hochgestelltes Trumm“) ist eine Anspielung auf den Ortsnamen.

Aktuell

Seehöhe 511m, Fläche 21,25 km², 4.499 Einwohner (2009), Politischer Bezirk Salzburg-Umgebung, Gerichtsbezirk Neumarkt.

Oberalm – Marktgemeinde

Oberalm aus der Luft gegen Süden (heute). © Marktgemeinde Oberalm

Historische Gerichtsstätte im Zentrum des Schlösservierecks

Geschichte

Die Gegend von Oberalm zählt zu den wichtigen alten Siedlungszentren südlich der Landeshauptstadt Salzburg und hat ihren Namen vom nahen Alm- oder Wiesbach; dessen Name geht auf das lateinische Wort albina in der Bedeutung „die Weiße, Schäumende“ zurück und verweist auf den bewegten Oberlauf mit der Almbachklamm. Im Jahr 1192 wird der Ort als Alben superior erstmals genannt. Ob Oberalm auch mit der villa Albina des 8. Jahrhunderts und der dort ansässigen romanischen Adelssippe zu identifizieren ist, lässt sich nicht mit Sicherheit nachweisen.

Oberalm ist formal betrachtet ein junger Markt, da der Ort erst im Jahr 1930 das Marktrecht erhalten hat. Seine große historische Bedeutung aber lässt sich allein daran erkennen, dass Oberalm seit dem Mittelalter als der südlichste Schrannenort des ehemaligen Pfleggerichtes Glanegg fungierte; einzigartig ist auch der aus dieser Zeit erhalten gebliebene marmorne Taidingtisch unter freiem Himmel neben der Kirche. Nicht zuletzt wegen dieser frühen administrativen Bedeutung wurde Oberalm seit dem Spätmittelalter gelegentlich als Markt bezeichnet, die späte rechtliche Anerkennung dieser Stellung verzögerte sich infolge der über lange Zeit dominanten Nachbarschaft der Stadt Hallein allerdings bis ins 20. Jahrhundert. Unter der NS-Herrschaft büßte der Markt Oberalm durch die Schaffung der Großgemeinde Hallein seine Selbständigkeit vollkommen ein. Erst acht Jahre nach Ende der NS-Herrschaft wurde auf massives Drängen der Bevölkerung der Markt Oberalm mit 1.1.1953 wieder errichtet, allerdings um die an Hallein angrenzenden Teile (bes. Neualm) verkleinert.

Heute ist die Marktgemeinde Oberalm wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage im Salzburger Zentralraum ein bevorzugter Wohnstandort mit Erhalt des ländlichen Charakters bei gleichzeitiger stabiler Wirtschaftsstruktur; weiters wird auch der Ausbau des Fremdenverkehrs gefördert, da sich der Ort als Basis für zahlreiche Freizeitunternehmungen hervorragend eignet.

Ortsbild

Der Ort Oberalm hat sich entlang der alten Landstraße nach Hallein als bäuerliches Straßendorf entwickelt, worauf die dichte Bebauung an der Hauptstraße zurückzuführen ist. Als besondere Bauwerke dürfen neben dem Taidingtisch die Pfarrkirche St. Stefan mit dem spätgotischen Netzrippengewölbe und dem Erbbegräbnis der ritterlichen Familie der Wiespeck, die seit dem 15. Jahrhundert auch Erbkämmerer des Erzstiftes waren, angeführt werden. Daneben ist noch auf das „Schlösserviereck“ hinzuweisen: Am nördlichen Ortsrand liegt das Schloss Winkl, das den Wiespeck als Sitz diente, seit 1908 beherbergt es die landwirtschaftliche Fachschule Winklhof. Die beiden Schlösser Haunsperg und Kahlsperg sind Ansitze aus dem 14. Jahrhundert, die von ihren Erbauern, den Familien von Haunsperg und den Chalhochsbergern, ihre Namen herleiten. Heute wird ersteres als Schlosshotel geführt und letzteres dient als Seniorenresidenz. Schloss Wiespach als vierter Ansitz liegt seit der neuen Grenzziehung 1953 nicht mehr auf Oberalmer Gebiet, sondern gehört zur Stadt Hallein.

Wirtschaft

Oberalm war ursprünglich ein rein agrarisch geprägtes Straßendorf, das aber seit 1585 durch die Errichtung einer Messinghütte mit Hammer und Drahtzug am Almbach auch einen handwerklich-industriellen Leitbetrieb, der eng mit den Ebenauer Messingwerken zusammenarbeitete, erhielt. Seit 1622 stand der Betrieb in landesfürstlichem Besitz, war im 17. und 18. Jh. sehr erfolgreich, wurde aber infolge wirtschaftlicher Probleme in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingestellt. Auf dem Areal entstand eine Fabrik für chemische Produkte, die sich unter dem Besitzer Baron von Löwenstern auf die Marmorgewinnung spezialisierte. 1887 folgten die Marmorwerke Kiefer, die sich zu einem wirtschaftlichen Leitbetrieb entwickelt haben.

Heute bietet der Markt Oberalm eine gesunde wirtschaftliche Struktur sowohl für den Konsum als auch für Beschäftigungsmöglichkeiten in zahlreichen Klein- und Mittelbetrieben. Der Ort wird in Folge seiner günstigen Lage im Salzburger Großraum auch als Wohnort sehr geschätzt, da er zahlreiche Möglichkeiten für die Naherholung in den angrenzenden Hügeln des Vorderwiestales bietet. Nicht zuletzt deshalb ist ein stetiger Bevölkerungsanstieg verbunden mit reger Bautätigkeit zu verzeichnen. Neben der Funktion als Wohngemeinde hat Oberalm auch als Fremdenverkehrsgemeinde einiges zu bieten. Der Ort eignet sich als Standquartier für Ausflüge in die Landeshauptstadt ebenso wie auch als Ausgangspunkt für herrliche Wanderungen in der waldreichen angrenzenden Hügellandschaft des Salzach- und Wiestales.

Wappen

Im Jahr 1930 wurde von der Salzburger Landesregierung dem Markt Oberalm ein Wappen mit folgendem Aussehen verliehen: In Gold auf grünem Rasengrund ein viereckiger Tisch aus rotem Marmor, getragen von einem breiten grauen Tischfuß. Hinter dem Tisch steht ein grüner Lindenbaum. Das Wappen verweist auf die Bedeutung Oberalms als Schrannenort und die im Freien unter der Dorflinde am Schrannentisch abgehaltenen Taidinge (Gerichtsversammlungen).

Aktuell

Seehöhe 452 m, Fläche 6,38 km2, 4.151 Einwohner (2009), Politischer Bezirk und Gerichtsbezirk Hallein.
An Kultureinrichtungen sind die Trachtenmusikkapelle und zahlreiche andere Kultur-, Bildungs- und Geselligkeitsvereine zu nennen.

Neumarkt am Wallersee – Stadtgemeinde

Das sogenannte „Poschingerhaus“ gehörte über Jahrhunderte der angesehenen Handelsfamilie Poschinger. © J. Schwaighofer; Repro Neumarkter Druckerei

Junge Stadt im Zentrum des Flachgaus

Geschichte

Der Ortsname erinnert daran, dass hier von den Salzburger Erzbischöfen beim Ausbau ihres Herrschaftsgebietes im 13. Jahrhundert planmäßig ein neuer Markt angelegt wurde. Die Gründung Neumarkts geht auf das Bestreben der Salzburger Erzbischöfe zurück, sich im nördlichen Wallerseegebiet einen Stützpunkt zu schaffen, da sie dort im Lauf des Hochmittelalters Gefahr liefen, gegen die aufstrebenden Herren von Tann ins Hintertreffen zu geraten. Die Tanner als Inhaber der Burg Altentann (östlich Henndorf) waren zwar ursprünglich Ministerialen der Erzbischöfe, gerieten jedoch im Lauf des 13. Jahrhunderts – immer selbstbewusster werdend – häufig in Konflikt mit ihrem Dienstherrn. Selbst die Errichtung der Burg Lichtentann (östl. Henndorf) zu Beginn des 14. Jahrhunderts konnten die Erzbischöfe nicht verhindern. Diese Auseinandersetzungen um den Einfluss im nördlichen Wallerseegebiet gipfelten schließlich in der sogenannten Tanner Fehde, die 1369 unter Erzbischof Pilgrim II. mit der Übernahme der Feste Lichtentann und des dazugehörenden Gerichtssprengels beendet wurde.

Neben dem Bestreben, verschiedene Gerichtsrechte in die Hand zu bekommen, hatten die Salzburger Erzbischöfe im 13. Jahrhundert aber auch bereits versucht, selbst gewisse Stützpunkte für ihre Herrschaft einzurichten. War im Pongau an der Grenze zur Steiermark die Gründung der Stadt Radstadt im Jahr 1289 durch Erzbischof Rudolf I. (1284-1290) eine solche Maßnahme, so wird man auch die Anlage des Marktes Neumarkt am Wallersee als frühe Sicherung der erzbischöflichen Position im Gebiet nördlich der Stadt Salzburg ansehen dürfen. Dieser Markt – im Jahr 1284 in einer Steuerliste erstmals als Novum Forum (neuer Markt) erwähnt – wurde bewusst als Straßenmarkt an der alten Route Salzburg-Wels-Linz angelegt und auch mit einer eigenen Maut ausgestattet.

Die Gründung des Marktes Neumarkt hat allerdings weniger dem passauischen Strasswalchen geschadet als vielmehr den nächstgelegenen Orten, nämlich dem Pfarrort Köstendorf und dem benachbarten Henndorf. Die Bedeutung des jungen Marktes Neumarkt für das gesamte Gericht Lichtentann kann man auch daran ersehen, dass Erzbischof Pilgrim im Jahr 1386 das Recht, jeden Dienstag einen Wochenmarkt abzuhalten, sowohl den Bürgern von Neumarkt als auch den Bewohnern des Gerichtes Lichtentann verliehen hat. Vermutlich war ein Platz zum Austausch und Handel der örtlichen Erzeugnisse wirklich vonnöten gewesen. Auf alle Fälle hat diese Privilegierung des Marktortes die Umorientierung des Gerichtes Lichtentann von Henndorf auf den Markt Neumarkt gefordert.

Mit der Verleihung von zwei zusätzlichen Jahrmärkten durch Erzbischof Friedrich IV. im Jahr 1451 und der Verlegung des Pfleggerichtssitzes von der Burg Lichtentann in den Markt Neumarkt am Ende des 17. Jahrhunderts wurde die zentrale Funktion des Marktortes noch unterstrichen. Neumarkt am Wallersee ist heute sowohl Fremdenverkehrsgemeinde (Seentourismus) als auch zentraler Ort und Schwerpunktgemeinde für Dienstleistungen im nördlichen Flachgau, was sich im Vorhandensein von überörtlichen Behörden (Bezirksgericht), Bildungseinrichtungen (Polytechnikum, HBLA, HAK, HAS, BORG) und Gesundheitseinrichtungen (Fachärztezentrum, Apotheke, Seniorenwohnhaus) manifestiert. Als Konsequenz daraus, aber auch in Konkurrenz zur Bevölkerungsstärkeren Gemeinde Seekirchen wurde Neumarkt im Jahr 2000 zur Stadt erhoben.

Ortsbild

Die Stadt Neumarkt kann die ursprüngliche planmäßige Anlage als Straßenmarkt nicht verleugnen. Der Stadtplatz, früher Marktstraße genannt, wird von geschlossenen Häuserreihen gesäumt, wobei von den ursprünglich fünf Brunnen nur mehr einer erhalten ist. Seit der Verwirklichung der Umfahrungsstraße (1987) ist der Stadtplatz verkehrsberuhigt und wird von zahlreichen Bäumen beschattet. Da der Markt früher etliche Brandkatastrophen erlebte (zuletzt 1879 und 1925) sind nur mehr wenige alte Objekte unverändert erhalten wie z. B. das heutige Bezirksgericht (Hauptstraße 16), das Stecher- oder Poschingerhaus (Hauptstraße 18), das Baderhaus (Hauptstraße 63) oder das Schanzhäusl (Kirchenstraße 5), das den im Dreißigjährigen Krieg durch eine Schanze geschützten Kirchenbezirk abschließt. Als besonders erwähnenswerte Gebäude sollen noch das Schloss Sighartstein, das über fünf Jahrhunderte den Stammsitz der Adelsfamilie Überacker bildete, sowie die Filialkirche in Sommerholz genannt werden.

Wirtschaft

Schanzhäusl mit Kirche als Rest der Befestigungsanlagen aus dem Dreißigjährigen Krieg. © J. Schwaighofer; Repro Neumarkter Druckerei
Schanzhäusl mit Kirche als Rest der Befestigungsanlagen aus dem Dreißigjährigen Krieg. © J. Schwaighofer; Repro Neumarkter Druckerei

Die Marktbewohner, die ursprünglich nur über bescheidenen Grundbesitz verfügten, waren von Anbeginn an auf Handel und Handwerk spezialisiert. Diese handwerkliche Orientierung verdeutlicht auch die Tatsache, dass gegen Ende des 18. Jahrhunderts in dem damals aus 94 Häusern bestehenden Markt exakt 60 Gewerbe ausgeübt wurden. Ein Teil davon profitierte besonders vom Handelsverkehr auf der Reichsstraße, wie zum Beispiel der Eisenhändler Poschinger, die Kramer oder die Wirte und Brauer; letztere hatten allerdings im erzbischöflichen Hofbräuhaus im benachbarten Henndorf ernste Konkurrenz zu fürchten. Am Verkehr verdienten vor allem auch die Schmiede, Schlosser, Schreiner und Wagner sowie der Sattler. Hingegen versorgten die Bäcker, Metzger, Kramer, Müller, Schneider, Schuhmacher, Zimmerer, Maurer und der Wundarzt die Bedürfnisse vornehmlich der eigenen Bevölkerung und die des umgebenden Landbezirkes.

Wappen

Erzbischof Johann Jakob verlieh im Jahr 1572 dem Markt Neumarkt ein Wappen mit folgendem Aussehen: In Gold ein roter, linker Schrägbalken, im oberen Feld ein aus dem Balken wachsendes silbernes rotbezungtes Lamm.

Dieses heute noch gültige Wappen bestätigte die Salzburger Landesregierung im Jahr 1927. Die Deutung des Wappens ist umstritten: der rote Schrägbalken wird in der Verleihungsurkunde als „rotfarbene Straße“ bezeichnet und weist auf die Lage des Marktes hin, das Lamm könnte aus einer Kirchen- oder Bruderschaftsfahne entlehnt sein, zumal im Wappenbrief – ähnlich wie bei Oberndorf – ein Engel als Schildhalter dargestellt ist.

Aktuell

Seehöhe 552 m (Stadtzentrum), Fläche 36,26 km2, 5.802 Einwohner (2009), Politischer Bezirk Salzburg-Umgebung, Gerichtsbezirk Neumarkt am Wallersee.
An Kultureinrichtungen sind an erster Stelle das Stadtmuseum Fronfeste mit dem Museumsverein und die Gemeindebücherei sowie die Trachtenmusikkapelle und zahlreiche andere Bildungs- und Geselligkeitsvereine zu nennen.

Mattsee – Marktgemeinde

Mattsee im Sommer. © Marktgemeinde Mattsee

Stift und Dorf zwischen Passau und Salzburg

Geschichte

Der Name des Ortes und des gleichnamigen Sees sind abgeleitet vom Flussnamen der Mattig, der seinerseits auf einen keltischen Personnennamen Matug zurückgeführt wird.

Erste Siedlungsspuren aus der jüngeren Steinzeit (6.- 3. Jahrtausend v. Chr.) wurden auf dem Schlossberg gefunden, der damals eine Insel im See war. Aus der Hallstattzeit (6. Jh. v. Chr.) stammen umfangreiche Keramikfunde auf dem Buchberg. Für die Römerzeit belegen Ausgrabungen eine hochentwickelte Landwirtschaft, bevor vom 5. bis zum 8. Jh. dieses Gebiet weitgehend entvölkert wurde. Nach der Wiederbesiedlung durch Baiuwaren erfolgte um 760 durch Bayernherzog Tassilo III. die Gründung des Stifts Mattsee, das von 907 bis 1808 zur Diözese Passau gehörte. Die weltliche Herrschaft übernahm 1398 durch Kauf das Erzstift Salzburg, die Blutgerichtsbarkeit verblieb jedoch noch mehrere Jahrhunderte lang bei Bayern – ein Umstand, der immer wieder zu Konflikten führte. Im 11. Jh. wurde das Kloster in ein Kollegiatstift, dem ein Propst vorsteht, umgewandelt. Es ist die älteste, noch bestehende derartige Weltpriestergemeinschaft Österreichs.

Das 1189 erstmals urkundlich erwähnte Schloss, ursprünglich Verwaltungszentrum der passauischen Besitzungen und ab 1398 Sitz eines salzburgischen Pflegers, wurde Mitte des 16. Jh. noch einmal ausgebaut, verfiel aber ab Mitte des 17. Jh. zusehends und wurde teilweise zur Gewinnung von Baumaterial abgerissen.

Nach dem Ende des Erzstifts und der endgültigen Angliederung Salzburgs an Österreich verlor Mattsee viel von seiner zentralörtlichen Funktion. Erst der im späten 19. Jh. einsetzende Fremdenverkehr, vor allem die klassische Sommerfrische, brachte neue wirtschaftliche Impulse, die jedoch durch die beiden Weltkriege und die krisenhaften Ereignisse in der Zwischenkriegszeit weitgehend zunichte gemacht wurden. Daran änderte auch die Erhebung zum Markt 1935 nichts.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges flüchtete Ferenc Szálasi, Ministerpräsident des mit Hitler verbündeten ungarischen Pfeilkreuzler-Regimes, mit seinem Stab nach Mattsee und geriet dort am 6. Mai 1945 in amerikanische Gefangenschaft. Auf seiner Flucht hatte er den ungarischen Kronschatz mit der Stephanskrone mitgenommen, der für wenige Tage im Kollegiatstift aufbewahrt wurde. Ab den 1950er Jahren setzte ein nachhaltiger Aufschwung ein, der weitreichende Modernisierungsmaßnahmen möglich machte. Eine wesentliche Verkehrsberuhigung brachte 1976 die Fertigstellung der Ortsumfahrung, wodurch sich die Attraktivität des Ortes, sowohl für Zuzügler als auch für Touristen erhöhte. Einen Impuls für Mattsee bedeutete 2003 die Eröffnung des neurestaurierten Schlosses, das seither als Veranstaltungszentrum genutzt wird.

Ortsbild

Der Ortskern erstreckt sich zwischen Schlossberg, Mattsee und Wartstein. Im Nahbereich des Ortes befinden sich eine Reihe von Villen aus den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg, die wohlhabende Sommerfrischegäste errichten ließen. Die dem Hl. Michael geweihte Stiftskirche geht auf eine frühgotische Querschiffbasilika aus dem 13. Jh. zurück, deren Vorgängerbau aus dem 9. Jh. stammt. Nach mehren Umbauten erhielt sie in der zweiten Hälfte des 18. Jh. weitgehend ihr heutiges barockes Aussehen und den rund 60 Meter hohen Turm, der auf Pläne von Wolfgang Hagenauer zurückgeht.

Die aus dem späten 18. Jh. stammende Propstei beherbergt heute das Stiftsmuseum und ein Kulturzentrum mit dem großen Kapitelsaal für festliche Veranstaltungen, Konzerte und standesamtliche Trauungen. Das bereits 1949 von der Gemeinde erworbene Schloss wurde in den Jahren 1998 bis 2003 anhand von Originalplänen restauriert, wobei es zur Ergänzung einzelner Bauteile kam. Erwähnenswert ist zudem das 1928 eröffnete Strandbad, das in seiner ursprünglichen Bausubstanz weitgehend erhalten blieb, sowie das sogenannte „Bajuwarengehöft“, das heute als „Natur- und Kulturwerkstatt“ genutzt wird. Diese Rekonstruktion entstand anlässlich der parallel in Mattsee und Rosenheim abgehaltenen Landesausstellung 1988 „Die Bajuwaren von Severin bis Tassilo 488–788“.

Wirtschaft

Bäuerliche Betriebe (1999: 72% Haupterwerb) prägen, abgesehen vom Ortskern, das Erscheinungsbild, obwohl nur 7,3% der Bevölkerung in diesem Bereich tätig ist. Die überwiegende Mehrheit arbeitet im Handel und Gewerbe bzw. Dienstleistungssektor. Auf Grund seiner Lage am See ist Mattsee nicht nur ein beliebtes Ziel von Tagestouristen, sondern, hauptsächlich im Sommer, auch von Urlaubsgästen (2008: 72.698 Nächtigungen, davon aber 27.500 im Pfadfinderdorf Zellhof). Auf eine lange Tradition blickt auch der Bootsbau zurück.

Wappen

Im roten Felde ein silberner, von einem aufrecht gestellten flammenden Schwert mit goldenem Griff belegter silberner Pfahl, der beiderseits von je einem auswärts gekehrten silbernen Spießträger begleitet ist (Verleihung: 15.5.1935); das flammende Schwert, Attribut des Hl. Michael, verweist auf das Stift, die Spießträger sind dem Wappen der ritterlichen Haunsperger entnommen, von denen sich ein Zweig „von Mattsee“ nannte.

Aktuell

Seehöhe 505m, Fläche 24,61 km², 3.089 Einwohner (2010), Politischer Bezirk Salzburg-Umgebung, Gerichtsbezirk Neumarkt.

Marktschellenberg – Markt

Pfarrkirche St, Nikolaus und Ulrich in Schellenberg, erbaut 1869–1872, mit dem spätgotischen Turm aus der Zeit um 1500. (Foto Oskar Anrather)

Beschaulicher Markt im Zeichen der Salzproduktion

Geschichte

Bereits zur Zeit der Kelten ist für Schellenberg (seit 1928 Marktschellenberg) eine ausgedehnte Almwirtschaft (Kühloch/Zillwand) belegt. Dem im 13. Jahrhundert erstmals bezeugten Siedlungsnamen Schellenberch liegt als Bestimmungswort wohl das mittelhochdeutsche Wort schële (Zuchthengst) zugrunde, das als Hinweis auf frühe Formen der Pferdezucht gedeutet werden kann.

Ansicht des Marktes Schellenberg, Öl auf Holz, um 1800. Unter der alten Nikolauskirche sind die Gebäude der 1805 stillgelegten und 1905 abgebrochenen Saline abgebildet, darüber der Marktplatz mit Marktbrunnen und stattlichen Bürgerhäusern. © Oskar Anrather
Ansicht des Marktes Schellenberg, Öl auf Holz, um 1800. Unter der alten Nikolauskirche sind die Gebäude der 1805 stillgelegten und 1905 abgebrochenen Saline abgebildet, darüber der Marktplatz mit Marktbrunnen und stattlichen Bürgerhäusern. © Oskar Anrather

Für das Entstehen einer Siedlung in Schellenberg gab die Klostergründung des Augustiner-Chorherrenstifts in Berchtesgaden durch das Geschlecht der Grafen von Sulzbach um 1100 Anlass. Die aus dem Mutterkloster Rottenbuch berufenen Kanoniker konnten durch Rodungen, Erwerb der Forst- und Jagdrechte (1156) und des Rechts auf Metall- und Salzabbau (1194) ein eigenes geistliches Territorium ausformen, das sich im 13. Jahrhundert aus dem alten Grafschaftsverband („Grafschaft im Kuchltal“, 1120-1250 Grafen von Plain, 1250-1304 Salzburger Ministerialengeschlecht von Werfen-Gutrat) löste. Schellenberg bildete neben dem Klostermarkt Berchtesgaden den zweiten Marktort innerhalb des kleinen Berchtesgadener Landes, der bürgerliche Rechte und somit einen begrenzten Status an Selbstständigkeit erwerben konnte.

Der Schellenberger Torturm aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. © Oskar Anrather
Der Schellenberger Torturm aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. © Oskar Anrather

Der Ort Schellenberg wird erstmals in einer Urkunde des Jahres 1211 erwähnt, die den Holzbezug für die dort bereits bestehende Saline und eine weitere am Tuval (heute Gutratsberg/Götschen) regelte. Die Salzburger Erzbischöfe, die wegen der Nähe zu Hallein die Berchtesgadener Salinen als Konkurrenz empfanden, zwangen die bei ihnen hoch verschuldeten Pröpste zu einer langfristigen Verpfändung Schellenbergs (1389-1556) an das Erzstift. Die Salzproduktion gab ab der Mitte des 13. Jahrhunderts auch die entscheidenden Impulse für das Wachstum des Ortes. Eine dünne Schicht von einflussreichen, ritterlichen Adeligen wie z. B. die Herren von Alm, die auch als Salinenpächter in Hallein und als Bürger in Salzburg auftraten, bildeten die Gruppe der ersten „Bürger“ in Schellenberg, die sich bereits Ende des 13. Jahrhunderts (1296) etablierte. Ein Indiz für die Marktwerdung ist auch das Auftreten eines Marktrichters (1306), der das Niedergericht über den Markt wie auch über die umliegenden „Bürgerlehen“ (Götschen, Unterstein, Schaden, Schneefelden) ausübte, während die Aburteilung von Kriminalfällen dem Berchtesgadener Landrichter zustand. Seit dem Beginn der Frühneuzeit war das Amt des Marktrichters häufig mit dem des leitenden Salinenbeamten, des Hallingers, vereinigt. Die Selbstbezeichnung des locus Schellenberg als Markt ist für das Jahr 1389 bezeugt, das Auftreten eines bürgerlichen Rates, der auch auf den Berchtesgadener Landgerichtstagen die Gemeinde vertrat, 1438. Im Jahre 1525 wurde hier der evangelische Prädikant Eustachius aus Heiterwang, der als Gefangener nach Mittersill überstellt werden sollte, von widersetzlichen Bauernburschen befreit; deren Hinrichtung führte zum Ausbruch des großen Salzburger Bauernkriegs.

Die 1407 erstmals genannte Schellenberger Kirche des hl. Nikolaus (Neubau 1870/72), war zunächst eine Filialkirche der Pfarrei Berchtesgaden, besaß aber bereits 1419 einen eigenen Pfarrvikar und konnte sich im 15. Jahrhundert (1494) zu einer eigenständigen Seelsorgestelle entwickeln. Dieser Pfarrei waren später die Filialen St. Leonhard bei Grödig (1594), das zwar im Land Salzburg lag, aber zur Gänze der Grundherrschaft von Berchtesgaden unterstand, Maria Ettenberg (1695) und Friedensberg (1710) zugeordnet. Zu Beginn standen der Pfarrei häufig Berchtesgadener Chorherren vor, die mitunter auch das bedeutende Amt des Salinenverwalters innehatten. Die Säkularisation der Fürstpropstei Berchtesgaden (1803) brachte nach wechselnden Machtverhältnissen 1810 auch für Schellenberg eine Angliederung an das Königreich Bayern.

Ortsbild

Der auf Salzverarbeitung spezialisierte Ort entfaltete sich zu beiden Seiten der Berchtesgadener Ache und erhielt sein Zentrum durch das Salinengebäude und die gegenüber liegende Kirche St. Nikolaus. Rund um einen kleinen Marktplatz, der am nördlichen Brückenkopf der Ache entstand, sammelten sich die wichtigsten Gebäude des Marktes sowie der stiftischen Verwaltung (Hallingamt, Gegenschreiberamt, Hofschmiede, Mühle und Backhaus 1299, Küfwerk 1258). Der untere Bereich der Salzburger Straße zeigt eine geschlossene Bebauung mit im Kern oft bis in das Spätmittelalter zurückreichenden Wohngebäuden, deren dreistöckige Bauweise dem Straßenbild urbanen Charakter verleiht.

Durch die Lage am engen Talgrund der Ache hatte Schellenberg in allen Jahrhunderten häufig unter Hochwasser, Plaiken und Erdrutschen zu leiden (1622-1899: 10 Katastrophenfälle). Nach dem Abbruch des Salinengebäudes (1906) wurde das dortige Gelände für den Neubau einer bis an den Königssee führende Linie der Lokalbahn Salzburg – St. Leonhard – Berchtesgaden („Rote Elektrische“) genutzt, die allerdings nach nur zwei Jahrzehnten auf „Führerbefehl“ 1938 wieder eingestellt wurde. An ihrer Stelle führt heute die Bundesstraße 305 nach Berchtesgaden.

Wirtschaft

Die intensivere Nutzung des Salzbergbaus (untertägiges Laugwerkverfahren, Eröffnung des „Petersbergstollens“ in Berchtesgaden 1517) brachte im 16. Jahrhundert eine Produktionssteigerung der Salinen mit sich. Die in den Berchtesgadener Bergwerken gewonnene Sole wurde bis 1805 auch nach Schellenberg zur weiteren Verarbeitung geleitet. Das dortige Salzsudamt beschäftigte am Ende des 18. Jhs. etwa 60 Beamte und Angestellte (Salzgegenschreiber, Schaffer, Pfannhauser, Küfer, Zimmerleute etc.). Mehr als 90 % der Salzproduktion dienten dem Export, der über die Ausfuhrstraßen am Hallturm und Hirschbichl sowie an der Berchtesgadener Ache über Schellenberg erfolgte.

Mit dem Ende der Schellenberger Saline, die nach über 700-jährigem Bestehen im Jahr 1805 geschlossen wurde, ging eine große Verarmung des Ortes einher. Verschiedene Versuche, dieser Not entgegenzusteuern (Einrichtung einer Salzsackmanufaktur und Küferei in der ehemaligen Saline 1818-1872), scheiterten. Durch das weitgehende Fehlen anderer Gewerbszweige – abgesehen vom Handel mit Holzwaren durch die Verlegerfamilie Krueger – konnte dem Niedergang Schellenbergs letztlich nicht entgegengesteuert werden. Eine allmähliche Erholung brachten erst das 20. Jahrhundert und der beginnende Tourismus.

Der nur wenige Kilometer vom Salzburger Umland entfernte Grenzort bietet heute vor allem naturräumliche Attraktionen. Die bekannte, 1874 erstmals von Anton von Posselt-Czorich erforschte Schellenberger Eishöhle am Untersberg kann als Schauhöhle mit fachkundigen Führungen durch den „Verein für Höhlenkunde Schellenberg“ besucht werden. Die wildromantische Schlucht der 1861/65 durch einen Steig erschlossenen Almbachklamm birgt nicht nur interessante Wandermöglichkeiten, sondern auch die älteste Marmorkugelmühle Deutschlands (seit 1683).

Wappen

Das Ortswappen von Marktschellenberg zeigt in Blau eine mit einem sechsstrahligen blauen Stern belegte silberne Salzkufe, dahinter schräg gekreuzt einen goldenen und silbernen Schlüssel. Es sind dies Symbole für die Berchtesgadener Landeshoheit (Kirchenpatron der Stiftskirche Simon Petrus) und die vormalige Bedeutung Marktschellenbergs als Salinenstandort. Der Stern ist eine Reminiszenz an das einstige Ministerialengeschlecht von Gutrat als ehemalige Gerichtsherren der „Grafschaft im Kuchltal“, in deren Einflussbereich auch Schellenberg lag. Die Übernahme dieses Wappens beendete 1964 einen fast hundert Jahre wahrenden Streit, da zuvor auch andere Varianten (blauer Stern; Löwe mit Salzfass, -haken und -schaufel; Salzkufe in grünem Schild) in Verwendung standen.

Aktuell

Seehöhe 503 m, Fläche 17,66 km², 1.823 Einwohner (2008), Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Berchtesgadener Land.

Lofer – Marktgemeinde

Blick auf Lofer im Sommer. © Marktgemeinde Lofer

Knotenpunkt zwischen Salzburg, Tirol und Bayern

Geschichte

Die Pfarrkirche Hll. Maria und Leonhard in Lofer. © Marktgemeinde Lofer
Die Pfarrkirche Hll. Maria und Leonhard in Lofer. © Marktgemeinde Lofer

Der Ortsname ist abgeleitet vom Lofer-Bach, der hier in die Saalach mündet. Der auch sonst mehrfach bezeugte Flussname Lofer dürfte auf ein keltisches Wort lov in der Bedeutung „Sumpf“ zurückgehen. Erste menschliche Siedlungsspuren stammen im Raum Lofer aus der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.  Der Ort selbst wurde im Zusammenhang mit der Pfarrkirche erstmals um 1190 urkundlich erwähnt.

1228 kam Lofer mit dem gesamten Pinzgau an das Erzstift Salzburg und blieb bis 1803 Sitz eines eigenen Pfleggerichts, das bis zu seiner Verlegung in den Markt 1603 auf der Burg Luftenstein seinen Sitz hatte. Lofer, das erstmals 1473 als Markt bezeichnet wurde, erlangte auf Grund seiner verkehrsgünstigen Lage an der Gabelung der Saalachtal-Straße und der Straße nach Tirol bereits früh zentralörtliche Bedeutung. 1473 und 1773 richteten Brände große Schäden an und zwangen zu umfangreichen Wiederaufbaumaßnahmen. 1800, 1805 und 1809 war diese Gegend im Pinzgauer Saalachtal Schauplatz blutiger Gefechte gegen französische und mit ihnen verbündete bayerische Truppen.

Die Mitte der 1980er Jahre renovierten bzw. freigelegten Reste der Befestigungsanlagen am Pass Strub. © Marktgemeinde Lofer
Die Mitte der 1980er Jahre renovierten bzw. freigelegten Reste der Befestigungsanlagen am Pass Strub. © Marktgemeinde Lofer
Die Reste der Befestigung am Pass Strub um die Mitte des 19. Jh. (Anton Ritter von Schallhammer, Salzburg 1853, Abb. v. S. 131; Reproduktion SLA)
Die Reste der Befestigung am Pass Strub um die Mitte
des 19. Jh. (Anton Ritter von Schallhammer, Salzburg
1853, Abb. v. S. 131; Reproduktion SLA)

In erster Linie auf den einheimischen Schützenformationen lag die Hauptlast der Verteidigungsbemühungen, wobei sich die Kämpfe primär auf die Sicherung der strategisch wichtigen, befestigten Übergänge am Pass Strub, am Hirschbichl und am Luftenstein konzentrierten. Die vorübergehenden Abwehrerfolge in diesem Raum konnten allerdings an der allgemeinen Niederlage Österreichs gegen Napoleon nichts ändern und blieben daher in diesem Zusammenhang bedeutungslos. 1816 kam Salzburg und damit auch der Pinzgau endgültig zu Österreich. Die nunmehr weitgehend nutzlosen Sperranlagen im Raum Lofer mussten schon 1809 geschleift werden.

Das 1933/34 geplante Zollausschlussgebiet in der Gegend um Lofer. (SLA, RehrlBr 1934/3076, Reproduktion SLA)
Das 1933/34 geplante Zollausschlussgebiet in der
Gegend um Lofer. (SLA, RehrlBr 1934/3076, Reproduktion
SLA)

Der im letzten Drittel des 19. Jh. Einsetzende Tourismus spielte für Lofer vorerst nur eine bescheidene Rolle, weil sich hier die relativ große Entfernung zu den in dieser Zeit erbauten Eisenbahnverbindungen negativ auswirkte. Erst die in der Zwischenkriegszeit langsam einsetzende Motorisierung, vorerst vor allem in Form organisierte Reisen mit Autobussen, eröffnete neue Perspektiven. Umso dramatischer waren die Auswirkungen der wirtschaftlichen Sanktionen des nationalsozialistischen Deutschland gegen Österreich, wobei Lofer mit seiner Lage am sogenannten „kleinen deutschen Eck“ durch die im Juni 1933 verhängte „1000-Mark-Sperre“ besonders betroffen war. Ein Zeugnis der verzweifelten Lage war 1934 der nie verwirklichte Plan, den Raum Lofer nach dem Vorbild des Kleinen Walsertales zum Zollausschlussgebiet zu erklären.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte dann der Massentourismus ein, der den Ort nachhaltig veränderte. Die in den Jahren 1992 bis 1994 erbaute Umfahrung von Lofer mit dem 1.860 m langen Lärchbergtunnel brachte schließlich eine entscheidende Verbesserung der Lebensqualität für die Bevölkerung. Seither verläuft die B 178, die Loferer Straße, eine der wichtigsten innerösterreichischen Straßenverbindungen im Ost-West-Verkehr, nicht mehr durch das Ortszentrum. Eine Ergänzung der Ortsumfahrung durch eine Verbindung zur Pinzgauer Straße (B 311) unterblieb aber bislang.

Ortsbild

Marktplatz von Lofer mit Marienbrunnen um 1905. (Ansichtskarte, Verlag Josef Schmidt, Lofer; SLA, Fotosammlung A 20172; Reproduktion SLA)
Marktplatz von Lofer mit Marienbrunnen um 1905. (Ansichtskarte, Verlag Josef Schmidt, Lofer; SLA, Fotosammlung A 20172; Reproduktion SLA)

Der am linken Ufer des Lofer Baches gelegene Ortskern entlang der historischen Straßenverbindung wird durch freistehende Bauten geprägt, die in ihrem Kern auf das 16. und 17. Jh. zurückgehen. Die am östlichen Ortsrand an einer platzartigen Erweiterung gelegene, den Hll. Maria und Leonhard geweihte Pfarrkirche geht auf einen Bau aus der ersten Hälfte des 14. Jh. zurück. Die barocken Anbauten an die Seitenschiffe stammen aus dem späten 18. Jh. Nach dem Brand von 1731 wurde der Turm nach Plänen von Tobias Kendler wieder aufgebaut und die Kirche erhielt somit weitgehend ihr heutiges Aussehen. Am südlichen Siedlungsrand entlang der Pinzgauer Straße (B 311) prägen neue moderne Wohn- und Hotelbauten sowie Verbrauchermärkte das Ortsbild.

Wirtschaft

Obwohl die hauptsächlich auf Viehzucht und Milchwirtschaft basierende Landwirtschaft in dieser alpinen Region weiterhin das Erscheinungsbild der Kulturlandschaft prägt, ging ihre ökonomische Bedeutung (1999: 21% Haupterwerbsbetriebe) in den letzten Jahrzehnten sukzessive zurück.

Dominierender Wirtschaftsfaktor ist heute der Fremdenverkehr. 1958 konnte erstmal die Marke von 100.000 Nächtigungen überschritten werden, wobei bis Mitte der 1990er Jahre der Sommertourismus dominierte. Erst dann setzte eine Trendwende zugunsten des Wintertourismus ein (2008: 203.018 Nächtigungen; Winter: 112.487, Sommer 90.531).

Wappen

In einem von Rot und Blau geteilten Schild die von einem ovalen goldenen Nimbus umgebene, auf der Mondsichel stehende Gestalt der heiligen Maria, eine Krone auf dem Haupte, in der rechten Hand das Szepter, in der linken das Jesuskind haltend (Verleihung: 2.2.1931). Die Darstellung der Gottesmutter ist eine Anspielung auf das Patrozinium der Pfarrkirche, die den Hll. Maria und Leonhard geweiht ist.

Aktuell

Seehöhe 636m, Fläche 55,63 km², 1.926 Einwohner (2009), Politischer Bezirk Zell am See, Gerichtsbezirk Saalfelden.

Laufen – Stadt

Oberer Stadtplatz in Inn-Salzach-Bauweise. © S. Schwedler

Historische Stadt in der Salzachschleife

Geschichte

Der Landschaftsraum um Laufen ist das Ergebnis der Vorlandvergletscherung während der letzten Eiszeit, als der vereinigte Salzach-Saalach-Gletscher südlich von Laufen das weite Becken mit Prallhängen und Terrassen formte. Nach dessen Abschmelzung vor ca. 10.000 Jahren bildete die heutige Salzach einen schluchtartigen Einschnitt in den Endmoränenwall und schuf bei Laufen eine enge Schleife, die sich später als geschützter Siedlungsplatz erweisen sollte. Die siedlungsgeographisch günstige Lage der Umgebung belegen Funde aus der Jungsteinzeit und den nachfolgenden vor- und frühgeschichtlichen Epochen, wozu römische Gutshofe und baiuwarische Reihengräberfelder an beiden Ufern des Flusses zählen.

Der um 747 als Lŏffi überlieferte Siedlungsname leitet sich ab vom althochdeutschen Wort loufa für Stromschnelle. Der „Nocken“, ein Felsen im Flussbett nördlich der Landzuge, stellte ein Hindernis für die Schifffahrt dar, das die Entwicklung und spätere wirtschaftlichn Bedeutung der Siedlungen in der Salzachschleife begründete (vgl. auch Oberndorf). Nach 749 erwirbt Bischof Virgil vom bayerischen Herzogshaus der Agilolfinger den befestigten Sitz (castellum ad Lŏffi) am erhöhten südöstlichen Gelände der Halbinsel, dem Standort der späteren Burg, seit 1701 Sommerresidenz der Salzburger Fürsterzbischöfe.

Durch die Verfrachtung des Reichenhaller Salzes auf der Salzach erlangte die Siedlung bis zum 11. Jahrhundert nicht nur eine Ausdehnung auf der geschützten Halbinsel, sondern auch auf dem gegenüberliegenden Ufer mit den Vororten Oberndorf und Altach. Um 1050 bereits urbs (befestigte Siedlung) genannt, wird ab 1144 ein Richter überliefert, ebenso eine Münzstätte, die ein reges wirtschaftliches Leben voraussetzt. Für die Bedeutung der zweitältesten Stadt im Erzstift sprechen die hier abgehaltenen Salzburger Provinzialsynoden und 1166 der Hof- und Gerichtstag Kaiser Friedrichs I. Barbarossa. Die Ummauerung der Stadt ist für 1251 belegt.

Die kurz vor 1200 einsetzende Salzgewinnung am Dürrnberg bei Hallein und die damit verbundene Salzausfuhr ausschließlich auf der Salzach machten eine Regelung der Salztransporte und der daran Beteiligten erforderlich. 1267 erhalten 27 Bürger, die das Patriziat der Stadt bilden, das „Schiffherren-Privileg“, das den Salztransport nur auf den von ihnen vermieteten Schiffen gestattete. 1278 folgt die sog. Ausfergenordnung, die 40 Familien als erzbischöflichen Beamten die Führung der Salzschiffe von Hallein nach Laufen vorbehielt. Neben dem Salz werden auf der Salzach südländische Waren, aber auch der helle Untersberger und der rote Adneter Marmor in Richtung Passau, Regensburg und die Donauländer befordert; im Gegenzug gelangen Getreide aus Bayern und Wein aus Niederösterreich in das Erzstift. Bereits 1333 werden erstmals zwei Bürgermeister, ab 1415 erzbischöfliche Pfleger genannt. Eine Polizeiordnung von 1531 regelt die rechtlichen Befugnisse der Stadt und ihrer Bürger. Ab 1610 ist Laufen Amtssitz für Justiz und Verwaltung des weiten Umlandes.

Durch die Säkularisierung des Erzstifts 1803 und die nachfolgenden kriegerischen Ereignisse kam es zu raschen politischen Veränderungen (1803-1805 Kurfürstentum des Großherzogs Ferdinand von Toskana, bis 1809 österreichisch, dann unter französischer Verwaltung und von 1810 bis 1816 unter der Krone Bayerns). Mit dem Münchener Vertrag von 1816 erfolgte die Abtretung Salzburgs an Österreich und die Grenzziehung entlang der Salzach, wodurch der Rupertiwinkel am linken Flussufer mit den Städten Laufen und Tittmoning bei Bayern verblieb. Damit verlor das Landgericht Laufen flächenmäßig zwei Drittel seines Zuständigkeitsbereichs an Österreich, was durch Eingliederung des aufgelösten Landgerichts Teisendorf ausgeglichen wurde.

Der Niedergang der Salzachschifffahrt, veranlasst durch die Verlagerung der Verkehrswege, setzt bereits Ende des 18. Jh.s ein und findet trotz der 1828 gegründeten „Schiffergemeinde Laufen-Oberndorf“ ein jähes Ende durch die 1860 eröffnete „Maximiliansbahn“ von München nach Salzburg und deren Weiterführung als „Elisabethbahn“ nach Wien sowie den Anschluss der Salinenstadt Hallein an das Eisenbahnnetz 1871. Auf Grund seiner Lage direkt an der Grenze gegenüber Oberndorf war Laufen in den Jahren 1932 bis 1938 immer wieder Schauplatz von Provokationen und Propagandaaktionen der Nationalsozialisten sowie von bewaffneten Grenzzwischenfallen.

Ortsbild

Als Ausdruck der Finanzkraft des ritterbürtigen Patriziats und des bürgerlichen Selbstbewusstseins entstand an Stelle der romanischen Basilika zwischen 1330 und 1338 der Neubau der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, die als älteste gotische Hallenkirche Süddeutschlands gilt. Die Stadtgestalt erfährt im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert eine bauliche Veränderung durch die Einführung der sog. Inn-Salzach-Bauweise: Die ehemals giebelständigen Hausfassaden der beiden Plätze und entlang der schluchtartigen Gassen erhalten hochgezogene Vorschussmauern mit waagrechtem Abschluss, hinter denen sich das Grabendach verbirgt. Diese Bauform diente der Feuersicherheit, dennoch wurde die Stadt mehrmals von Bränden heimgesucht. Die Brücke vom Unteren Stadttor zum gegenüberliegenden Ufer wurde nach dem verheerenden Hochwasser von 1899 zerstört und durch die 1902/03 errichtete Länderbrücke ersetzt, die nun vom Oberen Stadtplatz zum nach Süden verlegten Ort Oberndorf führt. Seit 2006 besteht am ursprünglichen Brückenstandort der „Europa-Steg“, der die Laufener Unterstadt wieder mit Alt-Oberndorf verbindet. Aus Mitteln der Städtebauforderung und in Eigeninitiative werden fortlaufend denkmalpflegerische Maßnahmen und Sanierungen zur Verbesserung der Wohnqualität und zur Belebung der Altstadt durchgeführt.

Wirtschaft

Durch die Gebietsreform 1972 wurde der Landkreis Laufen, identisch mit den ehemaligen salzburgischen Pfleggerichten westlich von Saalach und Salzach, aufgelöst und dessen südlicher Teil dem nunmehrigen Landkreis Berchtesgadener Land angegliedert. Damit verlor Laufen seine zentralörtliche Funktion als Sitz der Landkreisverwaltung. Bestehen blieben das Amtsgericht und das Finanzamt als Außenstelle des Finanzamtes Berchtesgaden. Als Ersatz für den Zentralitätsverlust wurde Laufen Sitz der 1976 gegründeten Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege. Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurden 1970 die Gemeinden Heining und Triebenbach, 1978 die Gemeinde Leobendorf in die Stadt eingegliedert. Durch die Grenznähe fehlt bisher die Ansiedlung großer Industriebetriebe, jedoch mangelt es nicht an qualitativ hochwertigen mittelständischen Unternehmen. Die 1998 erfolgte Grenzöffnung bietet nun spürbare Chancen zur Verbesserung der Wirtschaftskraft.

Wappen

Das Wappen der Stadt Laufen zeigt in Rot einen gemauerten, breiten silbernen Torbau mit offenem Tor, darauf einen schmaleren Turm, beide gekrönt mit Schwalbenschwanzzinnen. Es geht in seiner Fassung von 1937 auf das älteste überlieferte Stadtsiegel aus dem Jahr 1315 zurück.

Aktuell

Seehöhe 394 m, Fläche (mit den Eingemeindungen) 35,29 km2, 6.659 Einwohner (2008), Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Berchtesgadener Land.
Seit 1946 besteht als überregionale Einrichtung die Justizvollzugsanstalt für Jugendliche Laufen-Lebenau und seit 1964 das Rottmayr-Gymnasium, benannt nach dem aus Laufen stammenden Barockmaler Johann Michael Rottmayr (1654-1730). 1972 wurden das Städtische Altersheim und 1976 das Städtische Krankenhaus aufgelöst, letzteres wird als Altersheim von der Arbeiter-Wohlfahrt
weitergeführt. Einen herben Verlust für die Volksseelsorge bedeutete die 1992 durch Personalmangel bedingte Aufgabe des seit 1655 bestehenden Kapuzinerklosters.

 

Kuchl – Marktgemeinde

Heutiger Marktplatz in Kuchl © Marktgemeinde Kuchl

Vom Römerkastell zum Wirtschaftszentrum

Geschichte

Der Ortsname geht zurück auf das römische Kastell Cucullis, das vom Lateinischen, aus dem Keltischen entlehnte Wort cucullus in der Bedeutung „Kapuze“ abzuleiten ist. Hier ist es vielleicht als geographische Bezeichnung in der Bedeutung „Kuppe“ für den Georgenberg zu verstehen.

Der schon zur Jungsteinzeit besiedelte Georgenberg in Kuchl © TVB Kuchl
Der schon zur Jungsteinzeit besiedelte Georgenberg in Kuchl © TVB Kuchl

Die älteste Ansiedlung Kuchls befindet sich auf der Hochfläche des Georgenbergs, einem in der Ebene des Salzachtals freistehenden Höhenrücken. Zahlreiche Grabungsfunde lassen hier ab der jüngeren Steinzeit auf eine ungebrochene Siedlungstradition bis zum Beginn der römischen Herrschaft schließen. Am Benzbichl wurden Funde aus der Urnenfelderzeit entdeckt. Zur Römerzeit wurde die Siedlung ins Tal an die Römerstraße nach Iuvavum/Salzburg verlegt. Mauerreste der römischen Straßenstation Cuculle wurden südlich des Georgenbergs freigelegt. In spätromischer Zeit wurde wieder die schützende Anhöhe des Georgenbergs genutzt, wo auch das castellum Cucullis mit der bereits damals bestehenden christlichen Kirche lag. Die Lebensbeschreibung des Hl. Severin berichtet, dass der Heilige um 470 n. Chr. das Kastell besuchte und in der Kirche ein Kerzenwunder bewirkte. Der Fortbestand des römischen Namens und die im Bereich von Kuchl ansässigen Romanen belegen eine dauernde Besiedlung bis in die Zeit der bayerischen Landnahme. Um 700 n. Chr. schenkte der Bayernherzog Theodo den locus Cucullos der Kirche von Salzburg. Diese frühmittelalterliche Siedlung dürfte am Fuße des Georgenbergs gelegen sein. Erst um 1000 n. Chr. wurde der Ort an der heutigen Stelle am Ufer der Salzach angelegt.

Seit dem 12. Jh. nannte sich nach diesem Ort ein mächtiges Rittergeschlecht, die Herren von Kuchl, die das Erbmarschallamt von Salzburg inne hatten und mit Hans von Kuchl, Herr auf Friedburg und Gründer des Kollegiatstifts Mattighofen, 1436 erloschen. Der Name Kuchl umfasste die gesamte Gegend (Kuchltal) und bezeichnete auch die „Grafschaft im Kuchltal“, deren Gerichtssitz Kuchl war; sie wurde 1250 von den beiden letzten Grafen von Plain an die Salzburger Erzbischöfe abgetreten. Kuchl verlor seine zentrale Bedeutung im südlichen Salzachtal in der zweiten Hälfte des 13. Jh. an das am Eingang zum Pass Lueg neu gegründete Golling. Im 15. Jh. wurde auch der Sitz des Landgerichts von Kuchl nach Golling verlegt.

Kuchl durfte schon in der ersten Hälfte des 13. Jh. Marktcharakter besessen haben. Das Marktrecht wurde aber erst um 1380 von Erzbischof Pilgrim II. bestätigt. Detaillierten Einblick in das Verwaltungswesen der Marktgemeinde gibt das noch erhaltene Kuchler Bürgerbuch, in das von 1586 bis 1920 die wichtigsten bürgerlichen und rechtlichen Belange eingetragen worden sind. Vom Bauernaufstand 1526 war Kuchl unmittelbar betroffen, es wurde zum Ausgangslager für die Kämpfe bei Golling und im Lammertal. Von den kriegerischen Auswirkungen noch wirtschaftlich geschwächt, wurde der Markt 1547 durch einen Brand zusätzlich schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Zur Belebung der Wirtschaft bestätigte Erzbischof Johann Jakob von Khuen- Belasy 1561 das Marktrecht. In den Franzosenkriegen hatte Kuchl unter dem Durchmarsch der französisch-bayerischen und österreichischen Truppen in die Gebirgsgaue zu leiden. 1809 traf Kuchl das Kriegsgeschehen unmittelbar, die Kämpfe hatten sich auf das südliche Salzachtal verlegt, wo im Raum Pass Lueg und Georgenberg schwere Kampfhandlungen stattfanden.

Nachdem 1816 Salzburg ein Teil von Österreich geworden war, wurde 1830 Kuchls regionale Stellung als Markt durch die Verleihung von zwei zusätzlichen Pferde- und Viehmärkten gefestigt. Eine kontinuierliche wirtschaftliche Fortentwicklung mit Ausnahme der beiden Weltkriege und der Zwischenkriegszeit begann für Kuchl mit der 1850 erfolgten Zusammenlegung der Steuergemeinden Kuchl, Georgenberg, Jadorf, Kellau und Weisenbach zur politischen Marktgemeinde Kuchl. Die Anbindung an die Eisenbahn Salzburg–Tirol 1875 und nicht zuletzt der überregionale Anschluss an die Tauernautobahn zu Beginn der 70er Jahre des 20. Jh. erleichterten den Personen- und Güterverkehr und machten Kuchl zu einem Fremdenverkehrsort. Heute ist Kuchl nach der Einwohnerzahl die zweitgrößte Gemeinde des Tennengaus und weist ein reges Wirtschafts- und Agrarleben auf.

Ortsbild

Die Marktgemeinde Kuchl profitiert von ihrer prachtvollen landschaftlichen Lage im südlichen Salzburger Becken am Fuß des Hohen Gölls. Der historische Marktort liegt am rechten Ufer der Salzach. Sein Zentrum wird von einem langgezogenen rechteckigen Straßenplatz gebildet mit Häusern, die im Kern meist aus dem 16. und 17. Jh. stammen. Im und am Rand des Ortszentrums haben sich moderne Wohnsiedlungen und Gewerbegebiete gebildet. In die 1234 als Pfarrkirche genannte spätgotische dreischiffige Staffelkirche aus dem 15. Jh. mit einer spätgotischen Krypta sind zwei Vorgängerbauten aus dem 11. Jh. und vom Anfang des 13. Jh. integriert.

Die spätgotische Kirche St. Georg am Georgenberg in der Marktgemeinde Kuchl © Marianne Robl
Die spätgotische Kirche St. Georg am Georgenberg in der Marktgemeinde Kuchl © Marianne Robl

Auf dem Plateau des Georgenbergs, 1960 zum Naturdenkmal erhoben, steht die erstmals 1243 erwähnte spätgotische Filialkirche Sankt Georg auf zwei Vorläuferbauten, einer spätrömisch-frühchristlichen Kirche des hier vermuteten castellum Cucullis und einem romanischen Bau aus dem 10./11. Jh.

Wirtschaft

Handel und Handwerk haben in Kuchl Tradition, daran erinnert der alljährlich seit Jahrhunderten im September abgehaltene Zunftbrauch des „Schus

terjahrtages“. Besonders stark ist der Holzbereich in der Kuchler Wirtschaft verankert. Zurzeit sind in Kuchl 493 Betriebe ansässig, 31 davon haben vor allem mit Holz zu tun. Seit 1943 wird in Kuchl eine Ausbildung für Holzberufe angeboten. Heute, 75 Jahr später, bietet der Wissens Campus Kuchl geballte Kompetenz rund ums Thema Holz. Das Holztechnikum Kuchl, mit Werkmeisterausbildung, einer HTL und Fachschule. Die Fachhochschule Salzburg am Standort Kuchl hat mittlerweile vier Studiengänge im Ausbildungsprogramm. Die Berufsschule und die Einrichtungsberaterschule runden das Profil ab. In Kuchl beschäftigen sich über 1.250 SchülerInnen und Student/inn/en mit dem Thema Holz. Auch befinden sich proHolz Salzburg und der Holzcluster Salzburg am Standort Kuchl. Somit ist Kuchl der größte Holzausbildungsstandort in Mitteleuropa und als „Holzgemeinde“ bekannt. Beim Wettbewerb „Holzfreundlichste Gemeinde“ der Initiative „Wald im Klimawandel“ haben 43 Gemeinden aus neun Bundesländern insgesamt 79 Projekte eingereicht. Als bundesweiter Sieger ging im Herbst 2017 die Marktgemeinde Kuchl hervor.

Wappen

In Blau auf grünem Boden ein nach rechts springender naturfarbener Hirsch. (Verleihung: 26. Juli 1930). Das Wappen erinnert an die Herren von Kuchl, von denen ein Familienzweig im 15. Jh. den Hirsch im Schild führte.

Aktuell

Seehöhe 468m, Fläche 46,8875 km², Einwohner: 7.200 (2018), Politischer Bezirk Hallein, Gerichtsbezirk Hallein.

Hallein – Stadtgemeinde

Hallein von Osten © Stadtgemeinde Hallein

Salz und Kelten, Kultur und Natur

Weißes Gold für Kelten und Erzbischof

Mit einer der wichtigsten Salzlagerstätten in Mitteleuropa ist Hallein Teil einer Jahrtausende langen Geschichte. Bereits im sechsten Jahrhundert v. Chr. begann der Abbau des „weißen Goldes“ am Dürrnberg. Kunstvolle Kannen, filigrane Fibeln und aufwändige Alltagsgegenstände verraten uns heute noch interessante Details über das Leben der eisenzeitlichen Bevölkerung. Die vielfältigen Spuren aus urgeschichtlicher Zeit machen Hallein und den Dürrnberg zu einem der wichtigsten Forschungsgebiete für die keltische Kultur in Europa. Die riesige Zahl an Funden, die in reich ausgestatten Gräbern, den Siedlungen der keltischen Bergknappen und den unterirdischen Stollen des antiken Salzbergwerkes zu Tage kamen, belegen weitreichende Kontakte der alpinen Salzmetropole bis nach Italien, Griechenland und an die Ostsee. Prunkstück der archäologischen Funde ist die berühmte Schnabelkanne, die im Keltenmuseum Hallein ausgestellt ist.

Prunkstück des Keltenmuseums: Die weltberühmte, 2500 Jahre alte Dürrnberger Schnabelkanne. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Hechenberger
Prunkstück des Keltenmuseums: Die weltberühmte, 2500 Jahre alte Dürrnberger Schnabelkanne. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Hechenberger
Das Keltenmuseum Hallein ist eines der bedeutendsten Museen zur Geschichte und Kultur der Kelten in Europa. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Hechenberger
Das Keltenmuseum Hallein ist eines der bedeutendsten Museen zur Geschichte und Kultur der Kelten in Europa. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Hechenberger

Aus bisher ungeklärten Gründen wurde der Bergbau im Dürrnberg nach der römischen Eroberung im Alpenfeldzug des Augustus 15 v. Chr. eingestellt. Erst im 12. Jahrhundert entdeckten die Salzburger Erzbischöfe das Salz erneut als Quelle des Reichtums. Im Gegensatz zum Steinsalzabbau der Eisenzeit wurde im Mittelalter das Salz im Laugverfahren durch Wasser aus dem Berg gelöst und als Sole abgeleitet. Im 17. Jahrhundert, der Blütezeit des Salzbergbaus unter Erzbischof Wolf Dietrich, wurden durch diese Effizienzsteigerung bis zu 36.000 Tonnen Salz pro Jahr abgebaut. Die prächtig mit Bergbauszenen ausgemalten „Fürstenzimmer“ im Pfleggebäude, dem heutigen Keltenmuseum, dienten den Erzbischöfen als Halleiner Residenz.

In den Fürstenzimmern im Keltenmuseum Hallein zeigen Gemälde aus dem 18. Jahrhundert Leben und Arbeiten in der Halleiner Salzstadt. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Reinhard
In den Fürstenzimmern im Keltenmuseum Hallein zeigen Gemälde aus dem 18. Jahrhundert Leben und Arbeiten in der Halleiner Salzstadt. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Reinhard

Durch die unmittelbare Lage an der Salzach konnte das Salz, das in Hallein in riesigen Salzpfannen gesotten und getrocknet wurde, direkt zu den Handelsorten verschifft werden. Hallein wurde somit zur ältesten landesfürstlichen Saline im Ostalpenraum und überflügelte rasch die Salzproduktion in Reichenhall (Bayern).

Das Stadtsiegel zeigt den Halleiner Salzträger. © Keltenmuseum Hallein
Das Stadtsiegel zeigt den Halleiner Salzträger. © Keltenmuseum Hallein

Mit dem neu beginnenden Salzbergbau im 12. Jahrhundert wuchs Hallein neuerlich zu einem Wirtschaftszentrum, das im Jahr 1262 offiziell als Stadt anerkannt wurde. Seit 1432 stand ihr ein Bürgermeister vor. Halleins 1275 erstmal belegtes Wappen zeigt einen Salzträger, der einen Salzstock transportiert.

Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung: Das Halleiner Griestor. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Wendling
Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung: Das Halleiner Griestor. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Wendling

Das Stadtbild der pittoresken Halleiner Altstadt ist von historischen Häusern im typischen Inn-Salzach-Baustil geprägt. Ein Tor und mehrere Mauerteile der ehemaligen Befestigungswerke zeugen noch heute von alter Bedeutung und Reichtum.

Industriezentrum Hallein

Durch in- und ausländische Konkurrenten und andere wirtschaftliche Schwierigkeiten während der industriellen Revolution verschlechterte sich die Lebenssituation der Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Erst die Niederlassung vieler neuer Betriebe führte zu einer Verbesserung der Lage. Vor allem die Ansiedlung der Zellulosefabrik 1890 mit ihrem großen Bedarf an Arbeitskräften am Holzplatz und in der Zellstoffproduktion führte zu einem merklichen Aufschwung.

Die Zellulosefabrik trug erheblich zur Industrialisierung Halleins bei. © Stadtarchiv Hallein
Die Zellulosefabrik trug erheblich zur Industrialisierung Halleins bei. © Stadtarchiv Hallein

Die neue Firma stärkte die Wirtschaft, zog viele Fachkräfte an, und die Bevölkerung in Hallein nahm zu. Außerdem war der Betrieb auffallend sozial eingestellt und sorgte sogar für Personalwohnungen.

In beiden Weltkriegen wurden Kriegsgefangene unter teilweise unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit im Bergwerk und den im 2. Weltkrieg in Hallein angesiedelten Rüstungsbetrieben gezwungen. Die Dürrnberger Salzstollen dienten in den Tagen alliierter Bombenangriffe als gesicherte Lagerstätte für Kunstschätze aus Museen und Privatsammlungen. Nach Kriegsende siedelten sich wieder einige neue Betriebe in Hallein an, wobei vor allem die 1953 beginnende Kunststoffproduktion eine wichtige Rolle einnahm. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs siedelten sich zahlreiche so genannte „Gastarbeiter“ in Hallein an, das bald zu einem der wichtigsten Industriestandorte Salzburgs wurde. Mit dem 31. Juli 1989 wurde der Bergbau am Dürrnberg eingestellt. Als Bezirkshauptstadt mit seiner zentralen Lage an der Salzach, der anbindenden Eisenbahn und Autobahn, sowie internationalen Industriebetrieben ist Hallein nach wie vor bedeutendes Wohn- und Wirtschaftszentrum.

Hallein ist ein modernes Zentrum mit uralter Geschichte. © Stadtgemeinde Hallein
Hallein ist ein modernes Zentrum mit uralter Geschichte. © Stadtgemeinde Hallein

Tourismus und Kultur

In den letzten Jahrzehnten ist der Ausbau des Tourismus zentrales Anliegen der Stadt Hallein. Überregionale Attraktionen wie das Besucherbergwerk „Salzwelten“ auf dem Dürrnberg sowie das Keltenmuseum Hallein im Herzen der Stadt locken Besucher aus allen Teilen der Welt. Die Salzwelten gelten als ältestes Schaubergwerk der Welt, in dem bereits 1607 Gäste den Salzabbau besichtigten. 1994 wurde schließlich eine 13 Kilometer lange Besucherstrecke eröffnet, auf der informative Führungen angeboten werden. Das Keltendorf SALINA entführt in die Zeit der eisenzeitlichen Bergknappen vor 2500 Jahren.

Im Keltendorf Salina der Salzwelten Hallein wird Geschichte lebendig! © Salzwelten Hallein, Foto: Kossmann
Im Keltendorf Salina der Salzwelten Hallein wird Geschichte lebendig! © Salzwelten Hallein, Foto: Kossmann

Die zahlreichen Holzrutschen innerhalb der Stollen versprechen Spaß und Nervenkitzel für Jung und Alt.

In einem ehemaligen Salinengebäude wurde 1970 das Keltenmuseum eröffnet und ist heute eines der größten und wichtigsten Museen für keltische Geschichte in Europa, in dem eine der umfangreichsten keltischen Schausammlungen präsentiert wird. Es bietet zudem Vermittlungsangebote für alle Altersgruppen und Schultypen an. Neben der Geschichte des mittelalterlichen und neuzeitlichen Salzbergbaus wird seit 2014 im Keltenmuseum Hallein auch die Archäologie und Urgeschichte des Landes Salzburg präsentiert. Die Ausstellung lädt die BesucherInnen ein, sich auf eine Reise zu den Ursprüngen der Besiedlung des Landes vor 10.000 Jahren zu machen.

Das Keltenmuseum präsentiert die Archäologie und Urgeschichte des Landes Salzburg. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Grünwald
Das Keltenmuseum präsentiert die Archäologie und Urgeschichte des Landes Salzburg. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Grünwald
Franz-Xaver Gruber, Komponist des Weihnachtsliedes „Stille Nacht“, lebte und wirkte jahrzehntelang in Hallein. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Coen Kossmann
Franz-Xaver Gruber, Komponist des Weihnachtsliedes „Stille Nacht“, lebte und wirkte jahrzehntelang in Hallein. © Keltenmuseum Hallein, Foto: Coen Kossmann

Die Stadt Hallein war außerdem lange Zeit der Wohnort des berühmten Komponisten Franz-Xaver Gruber, der die Melodie für das weltberühmte Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ schrieb. In seinem Wohnhaus ist seit 2018 – zum 200-jährigen Jubiläum des Weihnachtsliedes –  das neu gestaltete „Stille-Nacht-Museum“ eingerichtet. Am „Ort der Originale“ schildern Objekte aus Grubers Privatbesitz, Briefe und Kompositionen sowie die berühmte „Authentische Veranlassung“ das Leben des berühmten Komponisten.

Natur, Erholung und Erlebnis bietet der Dürrnberg ganzjährig! © Tourismusverband Hallein
Natur, Erholung und Erlebnis bietet der Dürrnberg ganzjährig! © Tourismusverband Hallein

Der Dürrnberg bietet Möglichkeiten für vielfältige sportliche Aktivitäten. Ob Skitouren und Skifahren im Winter oder Wandern und Österreichs längste Sommerrodelbahn im Sommer. Die zentrale Lage im Tennengau ermöglicht außerdem eine abwechslungsreiche Freizeit- und Urlaubsgestaltung in der umliegenden Region. Sie schließt das Seengebiet im Salzburger Flachgau, das Salzkammergut, den Nationalpark Berchtesgadener Land oder die südlich gelegenen Alpengebirge bis zu den Hohen Tauern ein. Weiters beherbergt der Dürrnberg verschiedene Kur- und Erholungshotels, die im Gesundheitstourismus eine gefragte Destination sind.

Nicht nur während des regelmäßigen „Moonlight Shopping“ präsentiert sich Hallein als attraktives und lebenswertes Ausflugs- und Einkaufsziel. © Tourismusverband Hallein, Foto: wildbild
Nicht nur während des regelmäßigen „Moonlight Shopping“ präsentiert sich Hallein als attraktives und lebenswertes Ausflugs- und Einkaufsziel. © Tourismusverband Hallein, Foto: wildbild

Ein aktives und abwechslungsreiches Kulturleben machen die Stadt Hallein zu einem attraktiven Reiseziel. Seit Jahren nutzen auch die Salzburger Festspiele die Halleiner Pernerinsel als Spielstätte. Das lebendige Halleiner Vereinswesen bietet mit zahlreichen Sportvereinen, Chören und Musikkapellen, der Feuerwehr und Bergrettung, den Weihnachtsschützen, der Bürgergarde sowie zahlreichen weiteren Sozial- und Kulturvereinen ein attraktives Programm und vielfältige Möglichkeiten der Mitgestaltung. Aktuell verfügt die Stadt über 18 Schulen, ein Allgemeines Öffentliches Krankenhaus und ist mit 21.150 Einwohner (2018) die zweitgrößte Stadt im Land Salzburg sowie Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Tennengaus. Hallein liegt auf einer Seehöhe von 450 m und umfasst eine Fläche von 26,98 km².

Wappen

Das Halleiner Wappen, das auf die Salzproduktion Bezug nimmt, findet sich erstmals auf einem Siegel von 1275 und auf einem Typar (Siegelstempel) von ca. 1300 (Original im Keltenmuseum): Im roten Schilde, beiderseits von je einer naturfarbenen, nach oben sich verjüngenden Perkufe (Salzkegel) begleitet, einen nach rechts schreitenden Salzträger in weißer Kleidung, der auf der linken Schulter in einer Holzmulde einen Salzstock trägt, während er mittels eines in der Rechten gehaltenen Stockes die Last unterstützt.

Grödig – Marktgemeinde

Grödig mit dem Untersberg von Eichet aus © Marktgemeinde Grödig

Marmor und Wasser als prägende Elemente

Geschichte

In der am Fuße des Untersbergs gelegenen Marktgemeinde Grödig wurden Spuren bronzezeitlicher Besiedlung entdeckt. Funde zeugen vom Aufenthalt der Kelten. Archäologische Grabungen beim Friedhof und die früheste Nennung Grödigs als Crethica beweisen eine durchgehende Besiedlung seit der Römerzeit. Der Ortsname wird auf den romanischen Stamm crep(a)tura in der Bedeutung „Riss, Spalte“ zurückgeführt; Cretica wäre also „die Gespaltene, Rissige“.

Die erstmals 790 n. Chr. erwähnte Kirche von Grödig bildete bis 1883 unter mehrfachem Wechsel des Pfarrsitzes mit den Kirchen von Anif und Niederalm einen Pfarrbezirk. Im Schloss Glanegg, das von den Salzburger Erzbischöfen als Grenzfeste gegen Bayern und Berchtesgaden errichtet worden war, befand sich ab ca. 1350 das gleichnamige Pfleggericht, das 1636 nach Hellbrunn verlegt wurde. Im Ersten Weltkrieg entstand in Grödig ein großes Kriegsgefangenenlager, an das der sog. „Russenfriedhof“ erinnert. 1968 wurde Grödig zum Markt erhoben.

 Ortsbild

Die Marktgemeinde wird aus dem Haufendorf Grödig, dem Kirchweiler St. Leonhard, dem Straßendorf Glanegg und den Streusiedlungen Eichet und Fürstenbrunn gebildet. Die Grödiger Pfarrkirche ist im Kern romanisch mit einem gotischen Chor, mit neugotischen Veränderungen nach einem Brand von 1805. Der Pfarrhof wurde 1625 errichtet.

Kultur- und kunstgeschichtlich bedeutend ist die 1816 als Filialkirche der Pfarre Grödig unterstellte spätgotische Wallfahrtskirche St. Leonhard. Das in einiger Entfernung vom Markt gelegene Schloss Glanegg am Fuß des Untersbergs, einst Sitz des Pfleggerichts, befindet sich in Privatbesitz.

Wirtschaft

Eine lokale und überregionale wirtschaftliche Rolle für Grödig spielt schon seit keltisch-römischer Zeit die Gewinnung des Untersberger Marmors in den Steinbrüchen von Fürstenbrunn. Vom 15. bis zum 19. Jh. florierten die Marmorkugelmühlen.

Kugelmühle in Fürstenbrunn vor 1874. Aus Marmorklötzen wurden mit Hilfe von mit dem Wasserrad betriebenen Schleifsteinen Kugeln erzeugt. (Reproduktion SLA)
Kugelmühle in Fürstenbrunn vor 1874. Aus Marmorklötzen wurden mit Hilfe von mit dem Wasserrad betriebenen Schleifsteinen Kugeln erzeugt. (Reproduktion SLA)

Der im 13. Jh. für die Wasserversorgung der Stadt Salzburg durch Grödig geführte Almkanal erwies sich als Lebensader für zahlreiche die Wasserkraft nutzende Betriebe wie Mühlen, Schmieden, Säge-, Zement-, Walz- und Elektrizitätswerke.

Die 1879 gefasste Fürstenbrunnquelle und weitere Tiefbrunnen liefern noch heute das Trinkwasser für die Stadt Salzburg. Die Nähe zur Stadt Salzburg und der Erholungsraum „Naturpark Untersberg“ mit der 1961 eröffneten Untersberg-Seilbahn machten Grödig zu einem Sommerfremdenverkehrsort. Grödig ist aber auch ein wichtiger Standort für Klein-, Mittel- und Großbetriebe sowohl im Handel als auch vor allem im verarbeitenden Industriegewerbe, in der Hard- und Softwaretechnik und Lebensmittelerzeugung.

Wappen

Rot über Silber geteilt, darin oben ein vorwärtsgekehrter silberner wasserspeiender Löwenkopf; der Schwall ergießt sich in fünf blauen Strahlen in das untere Schildfeld. (Verleihung: 14. August 1967). Der Löwenkopf verweist auf die Marmorindustrie, die fünf Wasserstrahlen versinnbildlichen die Untersberger Quellen und zugleich die fünf Ortschaften der Gemeinde.

Aktuell

Seehöhe 446m, Fläche 23,07 km², 6.872 Einwohner (2009), politischer Bezirk: Salzburg-Umgebung, Gerichtsbezirk: Salzburg. Die Gemeinde beherbergt das Untersbergmuseum im Kalkbrennerhaus in Fürstenbrunn und das Radiomuseum im Heimathaus Grödig.

Golling – Marktgemeinde

Burg Golling von Südwesten © Ulrike Engelsberger

Historischer Verwaltungs- und Gerichtsstandort

Geschichte

Golling war nachweislich schon in prähistorischer Zeit besiedelt, was durch Funde am Rabenstein, am Nikolausberg und am Pass Lueg belegt werden kann. Der bedeutendste davon ist ein Bronzehelm aus der Urnenfelderzeit, der am Pass Lueg entdeckt wurde. Dieser Pass war schon in urgeschichtlicher Zeit ein Durchzugs- und Handelsweg. Der Name Lueg (luoch) wird erstmals 1241 urkundlich erwähnt. Die frühe Besiedlung verdankt Golling seiner geografisch günstigen Lage sowie den Salzachuferterrassen und Inselbergen, die einen natürlichen Schutz vor Feinden boten.

In der Römerzeit wurden diese höher gelegenen Plätze verlassen. Man siedelte sich direkt an den Verkehrsverbindungen, in Golling an der Römerstraße, an. Funde aus dieser Zeit sind ein römischer Meilenstein und ein Altar, der der Göttin Fortuna geweiht war. Aus der Zeit zwischen dem Ende der römischen Herrschaft und dem Hochmittelalter ist wenig überliefert. Das Gebiet um Golling gehörte im 12. Jh. zur Grafschaft im Kuchltal, die den Grafen von Plain unterstand. Erzbischof Eberhard II. ließ im 13. Jh. den Ort planmäßig anlegen. 1241 wird der Name Golling erstmals genannt. Bei der Deutung dieses Namens gehen die Meinungen auseinander. So wird der Name mit dem romanischen Wort col (Hügel) ebenso in Verbindung gebracht wie mit dem Wort galgo (Galgen) oder mit dem slawischen Wort gol (kahl), was zudem noch den Namen des Hohen Göll erklären konnte.

Burg Golling um 1833 (Kolorierte Lithographie von Gustav Kraus, Druck J. B. Dreseli, Reproduktion SLA)
Burg Golling um 1833 (Kolorierte Lithographie von Gustav Kraus, Druck J. B. Dreseli, Reproduktion SLA)

Die Burg auf einem Felssporn, etwas erhöht über dem Markt, mit Bergfried, Palas und einer Ringmauer, dürfte von Eberhard II. zur Sicherung der Straßen Mitte des 13. Jh. erbaut worden sein. Urkundlich wird sie erst 1325 erwähnt. 1284 wird Golling als Markt bezeichnet, 1403 bestätigte Erzbischof Eberhard III. das Marktrecht. Die Burg übergab Erzbischof Friedrich III. 1325 den Herren von Kuchl. Ende des 14. Jh. fielen das Landgericht Kuchl und die Burg Golling an Erzbischof Pilgrim II. zurück. Im späten 15. Jh. übersiedelte der Landrichter von Kuchl nach Golling, wo er nun Burgverwalter, Richter und Verwaltungsbeamter für das soeben entstandene Pfleggericht Golling wurde. Golling avancierte damit zum Verwaltungszentrum im südlichen Salzachtal vor dem Pass Lueg.

Pass Lueg mit den Befestigungsanlagen, Mitte 19. Jh. (Kolorierte Lithographie aus: Diorama oder Rundbild des Herzogthums Salzburg nach Franz Anton Alexander von Braune, Reproduktion SLA)
Pass Lueg mit den Befestigungs-anlagen, Mitte 19. Jh.
(Kolorierte Lithographie aus: Diorama oder Rundbild des Herzogthums Salzburg nach Franz Anton Alexander von Braune, Reproduktion SLA)

Am Beginn des Bauernkrieges 1525 wurde Golling zum Sammelplatz des Bauernheeres aus dem Gebirge. Von dort zog es weiter nach Salzburg. Nach gescheiterten Verhandlungen brach 1526 erneut ein Aufstand aus. In diesem wurde Golling überfallen und geplündert. Noch im selben Jahr wurde der Aufstand mit Hilfe von ausländischen Truppen niedergeschlagen, ohne dass die Bauern eine Verbesserung ihrer Lage erreicht hätten. Während der Napoleonischen Kriege war der Pass Lueg 1805 und 1809 heiß umkämpft.

Nach dem Sieg Napoleons wurden 1809 Teile der Befestigungen gesprengt. Mit der Säkularisation 1803 fand das selbständige geistliche Reichsfürstentum Salzburg sein Ende. Während der Zugehörigkeit Salzburgs zum Königreich Bayern 1810 – 1816 wurde das Gericht Golling mit Hallein vereinigt und der Gerichtssitz nach Hallein verlegt. 1816, nach dem Übergang Salzburgs an Österreich, für rund hundert Jahre neuerlich als Gerichtsort bestätigt, ging der Gerichtsbezirk Golling 1923 definitiv im Halleiner Sprengel auf. Diese Konkurrenzierung hatte sich bereits seit 1896 abgezeichnet, als nach hartem Konkurrenzkampf nicht Golling, sondern Hallein als Sitz der Bezirkshauptmannschaft bestimmt wurde. Die Eröffnungen der Bahn von Salzburg nach Tirol (1875) und der Gasteiner Bahn (1908) brachten für Golling einen großen Aufschwung. Als 1977 die Tauernautobahn bis Werfen dem Verkehr übergeben wurde, bedeutete dies für Golling die ersehnte Verkehrsberuhigung im Marktzentrum. Die Eingemeindungen von Torren und Obergau erfolgten 1936. Von den Brandkatastrophen war jene von 1699 die schlimmste. Dieser fiel die ganze westliche Häuserreihe des Marktes zum Opfer. Zudem wurde Golling regelmäßig von Überflutungen der Salzach schwer getroffen. 2002 richtete ein Jahrhunderthochwasser einen Schaden von über 5 Millionen Euro an.

Ortsbild

Das Gemeindegebiet von Golling umfasst die Katastralgemeinden Golling, Torren und Obergau, wobei Golling selbst meist nur der „Markt“ genannt wird. Dieser ist ein geplanter Straßenmarkt mit vorwiegend spätmittelalterlichem Kern an der wichtigen Nord-Süd-Verkehrsstraße. Die Burg im Ortskern erinnert daran, dass Golling Verwaltungszentrum eines größeren Gebietes war. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer regen Bautätigkeit für dringend benötigte Wohnsiedlungen.

Die gotische Pfarrkirche steht an der Stelle, wo sich früher die romanische Gollinger Kapelle befand, die eine Filiale der Pfarre Kuchl war. Golling besitzt zwei Filialkirchen. Die Wallfahrtskirche St. Nikolaus in Torren steht auf einem Felsplateau am Fuße des Hohen Gölls. Sie wird 1444 erstmals urkundlich erwähnt und ist ein spätgotischer Bau mit einer Außenkanzel. Die Wallfahrtskirche Maria Brunneck, erbaut im 18. Jh. im Stil des Rokoko, steht am Pass Lueg. Von den Wehranlagen auf diesem Pass sind heute nur noch Reste zu erkennen.

Wirtschaft

Gollinger Wasserfall um 1880 (Aquarell von C. P. C. Köhler; aus: Die Salzburger Alpen. Aquarelle mit Schilderungen, Darmstatt o. J., Reproduktion SLA)
Gollinger Wasserfall um 1880 (Aquarell von C. P. C. Köhler;
aus: Die Salzburger Alpen. Aquarelle mit Schilderungen,
Darmstatt o. J., Reproduktion SLA)

Golling profitiert von der günstigen Lage an einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen. Rund eine Tagesreise von Salzburg entfernt, war es für eine große Zahl von Fuhrwerken, Boten und reisenden Kaufleuten der ideale Ort für einen Halt, bevor die Reise ins Gebirge führte. Das Wirtschafts- und Geschäftsleben war auf diesen Durchzugsverkehr zugeschnitten. Ende des 18. Jh., als Golling nur 600 Einwohner zahlte, gab es im Ort nicht weniger als elf Wirte, vier Schmiede und drei Wagner. Der Fremdenverkehr setzte erst allmählich zu Beginn des 19. Jh. ein und weitete sich inzwischen zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor aus (2008: 99.811 Nächtigungen). Hauptanziehungspunkte bilden der Gollinger Wasserfall und die Salzachöfen. Für Golling sind die Sachgütererzeugung, das Bauwesen und Reparaturwerkstätten von wirtschaftlicher Bedeutung.

Wappen

Wappen der Marktgemeinde Golling
Wappen der Marktgemeinde Golling

In geteiltem Schild oben in Blau der nach rechts gewendete Kirchenpatron Sankt Johann Evangelist in grünem Kleid mit rotem Mantel, aus der Teilungslinie wachsend, mit der linken Hand einen goldenen Kelch haltend, den die rechte segnet; unten in Rot auf grünem Boden ein nach rechts gewendeter schwarzer Rabe, der einen goldenen Ring im Schnabel halt (Verleihung: 3. April 1929).
Der Rabe nimmt Bezug auf die Sage, dass ein junger Mann unter der Anschuldigung, der Tochter des Burgpflegers einen Ring gestohlen zu haben, hingerichtet wurde. Dieser Ring wurde später von Holzfällern im Nest eines Raben gefunden und damit die Unschuld des Hingerichteten erwiesen. In früheren Jahrhunderten war bisweilen nur der Rabe mit dem Ring oder der hl. Johannes Ev. Und darunter der Ring (so auf der Landtafel 1592) im Wappen zu finden.

Aktuell

Seehöhe: 476 m, Fläche: 82,1781 km², 4.052 Einwohner (2009), Politischer Bezirk Hallein, Gerichtsbezirk: Hallein.

Freilassing – Stadt

Die Hauptstraße in Freilassing © S. Schwedler

Moderne Grenzstadt am Eisenbahnknotenpunkt

Geschichte

Während der letzten Eiszeit schuf der Saalachgletscher das weite ebene Becken, das sich nordöstlich des Högels bis zum Fuß des Untersbergs erstreckt. Der Abfluss des Gletschers mündete nördlich der heutigen Stadt Freilassing in die Salzach. Die fruchtbaren Endmoränenzüge beiderseits von Saalach und Salzach führten schon in der Jungsteinzeit zur Besiedelung dieses Landschaftsraumes und setzte sich in den nachfolgenden vor- und frühgeschichtlichen Epochen fort.

Die Römer nutzten wohl nahe dem heutigen Ortsteil Salzburghofen eine Furt in der Saalach, um Iuvavum-Salzburg an das Straßennetz und die nordwestlich des Flusses nachweisbaren römischen Gutshöfe anzubinden, woran noch Grabdenkmäler in Salzburghofen, im nahen Surheim und in Saaldorf erinnern. 1963 wurde am Standort des späteren Kreiskrankenhauses das Reihengräberfeld einer baiuwarischen Siedlung mit 293 Einzelbestattungen untersucht, dessen reiche Beigaben eine Belegung zwischen 550 bis 730 dokumentieren. Erstmals wird Salzburghofen 885 in einer Urkunde Kaiser Karls III. „des Dicken“ aus der Dynastie der Karolinger genannt, dann 908, als König Ludwig IV. „das Kind“ den Königshof Salzburghofen mit den Eigenleuten und allen Erträgnissen der Salzburger Kirche übereignete. Der Königshof darf im Bereich der späteren Pfarrkirche mit dem Marien-Patrozinium vermutet werden, während die südlich gelegene St. Peterskapelle als „Leutkirche“ diente. Die Marienkirche entwickelt sich Mitte des 12. Jahrhunderts zu einer Pfarrei mit neun Nebenkirchen, die von 1607 bis 1773 von Augustiner-Eremiten vom Salzburger Kloster Mülln betreut wurde.

Im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts wird mit frilaz das südlich gelegene heutige Freilassing namentlich genannt. Abgeleitet wird dieser Ortsname entweder vom althochdeutschen frīlāz als Personenbezeichnung „der Freigelassene“ oder vom mittelhochdeutschen vrîlâz in der Bedeutung „Freilassung“. Vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatte Salzburghofen innerhalb des Pfleggerichts Unterplain den Status einer Hofmark mit Amtmann, Schranne und eigener Richtstatt.

Die Bedeutung als Eisenbahnknotenpunkt und das Heereszeugamt im Ortsteil Klebing waren am 25. April 1945 Anlass zur Bombardierung Freilassings durch die amerikanische Luftwaffe, wodurch 65 Hauser total zerstört, 164 Hauser, darunter die Bahnhofsanlagen und die St. Rupertuskirche schwer beschädigt wurden.

Anfang Mai 1945 erfolgte die Sprengung der Saalachbrücke. Die Lage an einem wichtigen Grenzübergang und der lebhafte „kleine Grenzverkehr“ zwischen Salzburg und Freilassing am Beginn der Nachkriegszeit führten zu raschem wirtschaftlichen Wachstum und Bevölkerungsanstieg, verstärkt durch Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. 1954 wurde die aus 18 Ortsteilen bestehende Gemeinde Freilassing zur Stadt erhoben.

Ortsbild

Das geschlossene dörfliche Erscheinungsbild von Salzburghofen war durch die Jahrhunderte geprägt von landwirtschaftlichen Gehöften, Handwerksbetrieben und zwei Wirtshäusern; die Flur von Freilassing wurde von Streuhöfen bestimmt. Während sich durch die rege Bautätigkeit ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ursprünglich dörfliche Ortsstruktur rasch verändert hat und die Kriegseinwirkungen empfindliche Verluste an historischer Bausubstanz verursachten, sind an Baudenkmälern zu nennen: die im damaligen Ortsteil von Freilassing ab 1924 erbaute großdimensionierte Pfarrkirche St. Rupertus nach Plänen von Architekt Adolf Muesmann; die Marienkirche in Salzburghofen aus dem 17. Jahrhundert mit klassizistischer Ausstattung, daneben der barocke Pfarrhof von 1745; dann die um 1477 erbaute Filialkirche St. Peter mit spätgotischen Gewölbefresken. Als bedeutendes profanes Baudenkmal gilt das von Johann Baptist Schott 1908/09 im Heimatstil errichtete Zentralschulhaus.

Wirtschaft

Von verkehrsmäßiger Bedeutung für Salzburghofen waren die Überfuhr über die Salzach und der Schiffsverkehr, wofür ab 1816 eine Zollstation bestand. Ein wirtschaftlicher Aufschwung, verbunden mit einem raschen Bevölkerungswachstum und reger Bautätigkeit, setzte 1860 mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie München-Salzburg ein, als im Ortsteil Freilassing ein Bahnhof als Eisenbahnknotenpunkt errichtet wurde, von dem in der Folge die Linien in Richtung Salzburg, Mühldorf und Berchtesgaden führten.

Durch diese verkehrsmäßige Erschließung kam es ab 1872 zur Ansiedlung größerer Betriebe wie der Andre-Hofer-Feigenkaffeefabrik, 1896 einer Parkettfabrik, 1913 eines Holzmattenwerks und im Dritten Reich zur Errichtung des Heereszeugamtes im Ortsteil Klebing. Die Stadt präsentiert sich heute aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Landeshauptstadt Salzburg und ihrer Lage im Voralpenland als attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort. Seit der Eröffnung eines Einkaufsmarktes 2006 am Stadtrand und verschiedener Aktionen in der Innenstadt zieht Freilassing die Kaufkraft eines weiten Umlandes an.

Wappen

Wappen
Wappen

Das 1936 verliehene Gemeinde- und heutige Stadtwappen zeigt in Rot auf grünem Boden ein golden bewehrtes silbernes Pferd mit goldener Mähne und goldenem Schweif, das über eine goldene Salzkufe springt. Während das „freigelassene“ Pferd Sinnbilds für die Freiheit und den heutigen Namen der Stadt ist, erinnert das Salzfass an den alten Namen Salzburghofen und die Bedeutung des Salzhandels.

Aktuell

Seehöhe 423 m, Fläche 14,79 km2, 15.864 Einwohner (2007), Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Berchtesgadener Land. Freilassing gehört seit 1972 zum Landkreis Berchtesgadener Land, verfügt über eine Realschule für Knaben und die Mädchenrealschule Franz von Assisi, eine Berufsschule mit weitem Einzugsbereich, eine Musikschule, ein 1983 gegründetes Stadtmuseum im alten Feuerwehrhaus und seit 2007 über das Eisenbahnmuseum „Lokwelt Freilassing“ im ehemaligen Rundlokschuppen als Außenstelle des Deutschen Museums in München.

Bad Reichenhall – Stadt

Bad Reichenhall auf einem Werbeplakat von Edward T. Compton, 1905. © J. Lang

Mutter vieler Städte

Geschichte

Der Ortsname ist abgeleitet vom althochdeutschen Wort hal, halla in der Bedeutung Salzbergwerk, Saline. Zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten setzte sich seit dem frühen 14. Jahrhundert die Form Reichenhall durch, der Zusatz „Bad“ kam 1890 hinzu. Während sich im Weichbild der historischen Stadt – am Fuße des Karlsteiner Burgberges – Siedlungsspuren für ein metallurgisches Zentrum aus der Frühbronzezeit nachweisen lassen, ist eine prähistorische Siedlung bei den Solequellen bislang nicht bekannt.

Gleichwohl gibt es vielfältige Hinweise auf eine vorchristliche Salzerzeugung, die zur Zeit der römischen Besatzung einem ersten Höhepunkt zusteuerte und dem zugehörigen Ort den Namen Salinas verlieh. Die wertvollen Solequellen gelangten während der Baiuwarenzeit in den Besitz der Führungselite und später durch Schenkungen an verschiedene Kirchen und Kloster. Eine Gründungslegende besagt, dass der hl. Rupertus im Jahre 696 die während der Völkerwanderungszeit verschütteten Solequellen auf wundersame Weise wieder entdeckt habe, woran sich die Entstehung des Ortes Reichenhall angeschlossen habe. Tatsächlich beginnt um das Jahr 700 die auf Quellen beruhende Geschichtsschreibung Reichenhalls, nachdem der bayerische Herzog Theodo den hl. Rupertus mit einem Drittel der Saline beschenkt hatte. Ein äußerst dynamischer Entwicklungsprozess führte in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts zur Entstehung einer mit Mauern und Türmen umgürteten Stadt, die im Jahre 1159 als solche („civitas“) erstmals urkundlich Erwähnung findet.

Wenig später wird ein Stadtrichter genannt. Ebenfalls im 12. Jahrhundert ist von einem Markt die Rede, ohne dass eine bestimmte Marktrechtsverleihung überliefert ist. Nach mehrmaligen Zerstörungen verlagerte sich der ursprünglich wohl vor der Saline situierte Markt zum Platz vor der Ägidikirche. Während des 13. Jahrhunderts tobte zwischen dem Bayernherzog und dem Salzburger Erzbischof ein verbissener Streit um den Besitz der Stadt, woraus der Herzog als Sieger hervorgegangen ist.

Seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert ist der Stadtrat („Rat der Sechzehn“), seit dem frühen 16. Jahrhundert der Bürgermeister quellenmäßig fassbar. Bei den Auseinandersetzungen zwischen den Patriziern des Rates und der Bürgergemeinde musste der Herzog wiederholt eingreifen, ehe es durch die Verstaatlichung der Saline zu Ende des 15. Jahrhunderts zu einer Entmachtung des Salzpatriziats kam.

Dem drohenden Schicksal, zu einer Stadt verarmten Proletariats herabzusinken, entging Reichenhall durch die erfolgreiche Etablierung des Hauses „Achselmannstein“ als Kurbad im Jahre 1846. 1890 erhielt Reichenhall den Namenszusatz „Bad“, neun Jahre später wurde der Ort in den Reigen der königlichen Bäder aufgenommen (heute: Staatsbad). Seither ist das Bäder- und Kurwesen zum bestimmenden Faktor in der Entwicklung der Stadt geworden, deren Fläche 1906 durch die Gemeinde St. Zeno und 1978 durch die Gemeinden Karlstein sowie Marzoll bedeutend vergrößert werden konnte.

Vor dem Ersten Weltkrieg genoss Bad Reichenhall den Ruf eines „Weltbades“. Nach dem Krieg folgten Jahre der Rezession, begleitet von Zusammenbrüchen und Konkursen namhafter Häuser. 1945 wurde die Stadt Opfer eines alliierten Bombardements, wobei über 200 Menschen ihr Leben verloren. Zudem hatte die Stadt mit Tausenden von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen sowie der Besatzungsmacht eine enorme Bürde zu tragen. Nach der Währungsreform des Jahres 1948 avancierte der Ort erneut zu einem bekannten und namhaften bayerischen Heilbad. 1972 büßte Bad Reichenhall seinen Status als kreisfreie Stadt ein und ist seither „Große Kreisstadt“.

Ortsbild

Die Ursprünge der späteren Stadt liegen im Bereich der Solequellen, die als wertvoller Schatz vor der wiederholt Hochwasser führenden Saalach geschützt werden mussten. Diese Bemühungen führten dazu, dass sich der Flusslauf immer weiter in Richtung Nord-West verlagerte, wodurch die bis heute signifikante S-Kurve der Saalach entstanden ist. Die frühesten datierbaren Siedlungsspuren aus dem 9./10. Jahrhundert befinden sich in der so genannten „Oberen Stadt“, wo auch der in den Quellen erwähnte Königshof zu vermuten ist. Da die Salzburger Güterverzeichnisse vor dem Jahre 800 die St.-Johannis-Spitalkirche erwähnen, scheint die dazu gehörige Siedlung schon damals die Ausmaße der späteren hochmittelalterlichen Stadt erreicht zu haben. Zur ummauerten Stadt in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gehörte die „Hallburg“ auf dem Streitbichl. Um 1159 entstanden die Ägidikirche und 1181 die Nikolauskirche, während sich das 1136 gegründete Augustiner-Chorherrenstift St. Zeno eine Viertel Gehstunde vor den Stadtmauern befand.

Nach einer grundlegenden Zerstörung Reichenhalls durch den Salzburger Erzbischof im Jahre 1196 wurde die Stadt in verkleinerter Form wieder aufgebaut. Die vom Bayernherzog neu errichtete Burg Gruttenstein entwickelte sich ab 1218 zur eigentlichen Stadtburg, während ein mächtiger Stadtgraben den Ort gegen das erhöhte Gelände von Bayerisch Gmain absicherte. Gegen Westen schützten der vor den Mauern verlaufende Weisgerber- sowie Hammerbach die Stadt. Durch das „Salzburger Tor“ im Osten führte die in Richtung Innsbruck weisende Fernstraße, um Reichenhall im Westen, am „Tiroler Tor“, wieder zu verlassen. Unmittelbar nordwestlich der Stadt befand sich die für die Holztrift auf der Saalach notwendige Triftanlage, die dazu diente, das angeschwemmte Holz aus dem Fluss herauszuspießen und in den großen Holzhöfen zu lagern.

Die gesamte Anlage nahm etwa noch einmal die Fläche der Stadt in Anspruch. Ebenfalls landschaftsprägend wurden die ab 1745 in imposanter Form im Weichbild der Stadt errichteten Gradierhäuser, die zur Steigerung des Salzgehalts der Sole dienten und den Talboden von Sud nach Nord durchschnitten. Nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahre 1834, der rund drei Viertel des Ortes zerstörte, entstand die Saline nach Plänen von Friedrich von Gärtner und Daniel Ohlmüller neu.

Aber erst in der Sogwirkung des 1846 eröffneten „Kurhauses Achselmannstein“ sprengte die Stadt ihr mittelalterliches Korsett und dehnte sich mit der sogenannten „Badvorstadt“ vor allem gegen Osten und Norden aus, wo elegante Villenviertel entstanden. Als neues gesellschaftliches Zentrum erwuchs das beim Gradierwerk gelegene Kurgarten-Ensemble, das in der heutigen Form aus der Zeit um 1900/1912 stammt; hinzu kommt das 1988 eröffnete Kurgastzentrum, in dem sich unter anderem ein Theatersaal sowie eine Spielbank befinden. In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden im Ortsteil St. Zeno mehrere Schulen sowie Sportstätten.

Wirtschaft

Schwierigkeiten in Reichenhall, die gestiegene Nachfrage nach Salz nicht mehr bedienen zu können, führten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zur Entstehung von Konkurrenzsalinen. Bis dahin hatte der Ort eine salinarische Monopolstellung für den gesamten Ostalpenraum und große Teile Mitteleuropas beansprucht. Mit der Entstehung der Salinen von Hallein und Berchtesgaden zu Ende des 12. Jahrhunderts geriet Reichenhall ins wirtschaftliche Abseits und spielte als Salzproduzent nur mehr für den bayerischen Raum und Teile Schwabens sowie der Schweiz eine Rolle. Zudem konnte der Standort nur durch kostspielige Investitionen am Leben erhalten werden. Brennholzverknappung führte ab 1619 sowie 1810 zum Bau von Soleleitungen und zur Verlagerung der Salzproduktion nach Traunstein und Rosenheim. Mit der Etablierung des „Kurhauses Achselmannstein“ gelang ab 1846 die Ergänzung um ein zweites wirtschaftliches Standbein: den Kurtourismus, der sich seither zur Haupteinnahmequelle Bad Reichenhalls entwickelt hat.

Eine differenzierte Gastronomie, Hotellerie und ein noch weitgehend intakter Einzelhandels-Mix sind Teil der Kurinfrastruktur, wozu eine ausgeprägte Klinik- und Sanatorienlandschaft mit einer zahlreichen Ärzteschaft gehören. Seit dem Jahre 1934 / 1958 ist Bad Reichenhall zudem Truppenstandort der Gebirgsjäger.

Wappen

Wappen der Stadt Bad Reichenhall
Wappen der Stadt Bad Reichenhall

Das seit dem 14. Jahrhundert bezeugte Stadtwappen besitzt einen gespaltenen Schild, der vorn (im linken Feld) die bayerischen Rauten, hinten in Gold einen steigenden, rot bewehrten schwarzen Panther zeigt; somit ergeben sich die Stadtfarben Gold und Schwarz. Rauten und schwarzer Panther sind heraldische Figuren der Wittelsbacher und verweisen auf die enge Verbindung der Stadt mit dem bayerischen Herzogshaus.

Eugendorf – Marktgemeinde

Morgenstimmung in Eugendorf © TVB Eugendorf

Gewerbliches Zentrum im Umland der Landeshauptstadt

Geschichte

Das Gemeindegebiet von Eugendorf wurde schon früh besiedelt, Funde aus der Bronzezeit und Reste steinzeitlicher Grabanlagen zeugen davon. Durch Eugendorf führte die römische Reichsstraße von Juvavum (Salzburg) nach Ovilava (Wels). Auf eine keltoromanische Siedlung um 500 n. Chr., deren Oberhaupt Juvino bzw. Jubino hieß, geht der Ortsname von Eugendorf, der erstmals 736 n. Chr. urkundlich als Jubindorf erwähnt wird, zurück. Von den zahlreichen Rittergeschlechtern, die in Eugendorf ihren Ansitz hatten, waren die Herren von Kalham die bedeutendsten. Sie hatten bis 1333 das Schrannengericht in Eugendorf inne. Die 788 erwähnte Kirche wurde 1857 zur Pfarrkirche erhoben. Die überwiegend landwirtschaftlich geprägte Gemeinde entfaltete sich Ende des 20. Jh. zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort. 1987 wurde Eugendorf Marktgemeinde.

Ortsbild

Eugendorf gegen Norden, um 1930: Im Vordergrund links der Strasserwirt, im Mittelgrund die Trasse der ehemaligen Salzkammergutlokalbahn mit dem kleinen Bahnhofsgebäude (Reproduktion: SLA)
Eugendorf gegen Norden, um 1930: Im Vordergrund links der Strasserwirt, im Mittelgrund die Trasse der ehemaligen Salzkammergutlokalbahn mit dem kleinen Bahnhofsgebäude (Reproduktion: SLA)

Das Zentrum bildet das Haufendorf mit der Kirche, ein im Kern gotischer Barockbau mit einer Kreuzigungsgruppe (um 1700) aus der Werkstatt von Meinrad Guggenbichler. Das Umland ist geprägt durch Streusiedlungen mit den Kirchweilern Kirchberg, Mühlberg und Unzing. Die Errichtung von Handels- und Gewerbegebieten und der durch die Nähe zur Landeshauptstadt Salzburg bedingte Bevölkerungszuwachs führten Ende des 20. Jh. zu Siedlungserweiterungen.

Wirtschaft

Eugendorf © TVB Eugendorf
Eugendorf © TVB Eugendorf

Die wirtschaftliche Entwicklung steht in engem Zusammenhang sowohl mit der Nähe Eugendorfs zur Stadt Salzburg und zum Wallersee als auch mit der Lage an der wichtigen West-Ostverbindung. Schon im Mittelalter spielte im Durchzugsort Eugendorf neben kleinen Gewerbebetrieben das Herbergs- und Gaststättenwesen eine bedeutende Rolle. Durch die Anbindung an die Westbahn und die Salzkammergutbahn stieg gegen Ende des 19. Jh. der Fremdenverkehr zum wichtigen Wirtschaftsfaktor auf. Den großen Aufschwung brachte 1957 die Westautobahn. In den letzten dreißig Jahren konnten sich hier viele große Handels- und Produktionsunternehmen etablieren. Eugendorf hat heute eine ländlich-industrielle Struktur. Den Hauptanteil nimmt der Handel ein, gefolgt von Land- und Forstwirtschaft, Sachgütererzeugung und Gastronomie.

Wappen

In Grün im Schildfuß ein oben und unten silbern gesäumter silberner Schräglinksbalken, überhöht von einem silbernen Bockshaupt mit Halsstück. (Verleihung: 15. Juli 1958). Der Silberstreifen steht für die Römerstraße und die Autobahn. Das Bockshaupt erinnert an das Wappen der Kalhamer.

Aktuell

Seehöhe 558m, Fläche 29,05 km², 6.569 Einwohner (2009), Politischer Bezirk Salzburg-Umgebung, Gerichtsbezirk Thalgau.

 

Bischofshofen – Stadtgemeinde

Luftaufnahme von Bischofshofen gegen Süden, 2001 © Fritz Hörmann

Wiege des Pongaus

Geschichte

Die günstige Lage an den natürlichen Alpenverbindungen und die Kupfer- und Eisenvorkommen der Umgebung trugen entscheidend zu einer frühen Siedlungstätigkeit bei. Die ältesten Funde stammen von dem am Eingang des Mühlbachtals gelegenen Götschenberg, wo die Kupferaufbereitung schon für die erste Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. nachgewiesen werden konnte. Ferner erlangten in der Bronzezeit die Ansiedlungen beim Sinnhubschlössl und im Bereich der Burgruine Bachsfall wachsende Bedeutung durch den Kupferbergbau und den damit verbundenen Nord-Süd-Handel. Die vielen Grabbeigaben beim sog. Pestfriedhof bezeugen die Blütezeit jener Epoche. Zur Keltenzeit verlor der Bergbau an Bedeutung. Römische Siedlungsreste belegen die Besiedlung des Ortszentrums in dieser Zeit.

Rupertuskreuz, 2. Hälfte des 8. Jh., Vorderseite (Dommuseum) © Oskar Anrather
Rupertuskreuz, 2. Hälfte des 8. Jh., Vorderseite (Dommuseum) © Oskar Anrather

711/12 errichtete der hl. Rupert, der Gründer der Salzburger Kirche, in dem damals „Pongŏ“ genannten Bischofshofen eine Mönchszelle, die Maximilianszelle. Dieses Kloster war die älteste christliche Kultstätte im Pongau und spielte eine zentrale Rolle bei der Christianisierung und Kolonisierung des noch sehr dünn besiedelten Pongaus. Sie war zudem Ausgangspunkt für die Slawenmission in Karantanien. Die großen Waldschenkungen um Bischofshofen an die Salzburger Kirche durch die Agilolfingerherzöge und karolingischen Herrscher bildeten die Urzelle des Pongaus und waren eine Voraussetzung für die Entstehung des Landes Salzburg. Die Bezeichnung „Pongau“ übertrug sich allmählich vom Ort auf das Gebiet der Waldschenkungen und hatte sich bereits zu Beginn des 11. Jh. als Gauname „Pongau“ auf das von Bischofshofen aus gerodete Salzachtal und die Nebentäler ausgedehnt.

Der ehemals chiemseeische Kastenturm aus dem 13. Jh. © Ingrid Strauß
Der ehemals chiemseeische Kastenturm aus dem 13. Jh. © Ingrid Strauß

Um 1139 wurde anstelle der Maximilianszelle ein Augustiner-Chorherrenstift eingerichtet. 1216 wurde dieses dem Bischof des neu gegründeten Bistums Chiemsee als Wirtschaftsgrundlage übergeben. Seinen Namen erhielt Bischofshofen von den Bischöfen von Chiemsee, von deren Hof der wohnturmähnliche Kasten (zeitweilige Residenz und Verwaltungszentrale der Bischofe und Getreidespeicher) heute noch erhalten ist.

Dazu gehörte eine bischöfliche Hofmark, deren Grenze und Rechte erst sehr spät (1674) festgelegt wurden und bis 1807 Bestand hatten. In dieser kleinen innerhalb des Ortsgefüges gelegenen Hofmark besaßen die Bischöfe von Chiemsee die niedere Gerichtsbarkeit. Die landesfürstlichen Pflegrichter von Werfen mussten daher die für das Hochgericht bestimmten Delinquenten an der Hofmarksgrenze übernehmen.

Bischofshofen war ein wichtiger Durchzugsort, wo sich Kleingewerbebetriebe angesiedelt hatten und einmal jährlich ein Viehmarkt stattfand. 1421gestattete Erzbischof Eberhard III. zum Maximilianstag einen zusätzlichen dreitägigen

Der Pferdemarkt auf dem Buchberg mit dem Filialkirchlein, hll. Primus und Felizian, 1. Hälfte des 18. Jh. (Ölbild eines unbekannten Malers, Privatbesitz) © Fritz Hörmann
Der Pferdemarkt auf dem Buchberg mit dem Filialkirchlein, hll. Primus und Felizian, 1. Hälfte des 18. Jh. (Ölbild eines unbekannten Malers, Privatbesitz) © Fritz Hörmann

Jahrmarkt auf dem Buchberg. Dieser bis zu Beginn des 19. Jh. bestehende Markt erlangte besonders als Pferdemarkt überregionale Bedeutung.

Die aus wirtschaftlichen Ursachen und Glaubensgründen entstandenen Unruhen verschonten auch Bischofshofen nicht. Von hier stammten die beiden Rädelsführer des Pongauer Bauernaufstandes von 1564/65. Auch aus Bischofshofen und Umgebung mussten 1731/32 viele Bewohner wegen ihres protestantischen Glaubens emigrieren.

Bis zur Regulierung des Gainfeldbaches gegen Ende des 18. Jh. wurde der Ort mehrmals durch große Hochwasser überschwemmt, besonders 1775, als nicht nur Häuser zerstört wurden, sondern auch 16 Menschen ums Leben kamen. Während zu Beginn des 19. Jh. sich in Werfen, Radstadt und St. Johann auf Grund ihrer Stellung als Verwaltungszentren bzw. der günstigen Verkehrslage wirtschaftlicher Aufschwung einstellte, verlor Bischofshofen zunehmend an Bedeutung. Erst der Ausbau der Eisenbahnverbindung von Salzburg nach Tirol und die Eröffnung der Ennstalbahn 1875 begünstigten die rasante Entwicklung zu einem regionalen Wirtschaftszentrum, sodass Bischofshofen im Jahre 1900 zur Marktgemeinde erhoben wurde. Die beiden Weltkriege bescherten Bischofshofen einen wirtschaftlichen Tiefpunkt. 1944 wurde das Bahnhofsgelände von alliierten Bombern zerstört. Wegen seiner kulturellen Bedeutung, der zentralen Lage als Verkehrsknotenpunkt und Wirtschaftsstandort erhielt Bischofshofen am 24. September 2000 das Stadtrecht.

Ortsbild

Ortsplan von Bischofshofen aus 1674, im linken unteren Viertel die Chiemseeische Hofmark. (SLA, Pfleggericht Werfen 63. Fach 1, Nr. 17, Reproduktion SLA)
Ortsplan von Bischofshofen aus 1674, im linken unteren Viertel die Chiemseeische Hofmark. (SLA, Pfleggericht Werfen 63. Fach 1, Nr. 17, Reproduktion SLA)

Zum Gemeindegebiet gehören neben der Stadt die Ortschaften Alpfahrt, Buchberg, Gainfeld, Haidberg, Kreuzberg, Laideregg, Mitterberghütten und Winkl. Das Ortsbild um 1674 wird geprägt vom Bezirk der chiemseeischen Hofmark mit der Pfarrkirche und dem Kastenhof in deren Zentrum. Annähernd in einer Achse liegen auf drei Terrassen ansteigend die heutige Pfarrkirche St. Maximilian, die Frauenkirche und die St. Georgskirche.

An der Durchzugsstraße von Werfen nach St. Johann i. Pg. hatten sich Gewerbetreibende niedergelassen. Der Bau der Eisenbahnstrecke parallel zur Salzach und die Errichtung der Bahnanlagen zum Bahnknotenpunkt im Jahr 1870 brachten einschneidende Veränderungen mit sich.

Der Ort begann sich nach Norden und Süden auszudehnen. Bischofshofen erfuhr im 20. Jh. durch den Ausbau des Bahnbetriebes, die zunehmende Industrialisierung und den aufkommenden Fremdenverkehr enorme Siedlungserweiterungen. Im Süden entstanden Handels- und Industriezentren.

In der Pfarrkirche St. Maximilian aus dem 15. Jh. mit einem gotischen Freskenzyklus von 1490 befand sich das Rupertuskreuz aus dem 8. Jh., das heute im Dommuseum in Salzburg verwahrt wird. Bei Grabungen sind Reste der im Frühmittelalter zwei Mal zerstörten Maximilianszelle festgestellt worden. An die Pfarrkirche angeschlossen ist der Kastenhof, von dem noch der Kastenturm aus dem Hochmittelalter erhalten ist. Der Gebäudetrakt an dessen Rückseite beherbergt seit 1998 ein Museum. Unter der um 1359 erwähnten spätgotischen Liebfrauenkirche wurden prähistorische und römische Baureste und ein Kirchenbau aus romanischer Zeit entdeckt. Bei der romanischen St. Georgskirche aus dem 13. Jh. dürfte es sich um die Hauskapelle der Herren von Pongau, die ihren Sitz vermutlich an der Stelle der heutigen Burgruine Bachsfall hatten, handeln. Auf dem Buchberg befindet sich die gotische, im Kern romanische Kirche der Hll. Primus und Felizian.

Wirtschaft

Die Agrar- und Forstwirtschaft bildete neben Kleingewerbebetrieben die wirtschaftliche Grundlage für Bischofshofen. Durch die Wiederentdeckung des Kupfererzes im 19. Jh. Eröffnete sich ein neuer Wirtschaftszweig. Die 1882 von Mühlbach am Hochkönig nach Mitterberghütten verlegte Verhüttungsanlage zählte bis zur Schließung 1931 zu den Hauptträgern des Wirtschaftslebens. Bischofshofen ist ein IC/EC Bahnknotenpunkt. Das wegen seiner idealen Lage dort errichtete Güterverteilungszentrum wurde aufgrund von Sparmaßnahmen der ÖBB wieder geschlossen. Im Verkehr, im Handel und im sozialen und öffentlichen Dienst sind mehr als 60 % der Einwohner beschäftigt. Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist der Produktionssektor Metallverarbeitung wie Baumaschinenerzeugung (Kräne), Metall-, Maschinen- und Kesselbau. Der Fremdenverkehr profitiert u. a. von der Vier-Schanzen-Tournee, deren Finale alljährlich am Dreikönigstag in Bischofshofen stattfindet.

Seit 1971 gibt es das Amselsingen, das größte Sänger- und Musikantentreffen im Bundesland. Bischofshofen besitzt heute ein großes Einkaufs- und Gewerbezentrum und präsentiert sich als moderne Industrie-, Schul- und Kulturstadt.

Wappen

Wappen der Stadtgemeinde Bischofshofen
Wappen der Stadtgemeinde Bischofshofen

Am 9. August 1927 wurde folgendes Wappen verliehen: Ein geteilter, in der oberen Hälfte gespaltener Schild. Oben im rechten goldenen Feld ein schwarzer, rotbezungter Adler, im linken roten Feld ein aus der Teilung schräglinks hervorragendes silbernes gotisches Pastorale mit weißem abflatterndem Band. In der unteren blauen Schildhälfte ein aus dem linken Seitenrand hervorragender Arm im schwarzen Ärmel mit weißer Manschette, in der bloßen Hand einen goldenen Taidingstab von sich geneigt haltend.

Die obere Wappenhälfte stellt das Wappen des ehemaligen Fürstbistums Chiemsee dar, die untere Hälfte zeigt den Arm eines Richters, der sein Amt ausübt und somit das Richteramt symbolisiert und gleichzeitig weist er auf das Recht der Gerichtsbarkeit der Bischöfe von Chiemsee in der Hofmark hin.

Aktuell

Seehöhe 547 m, Fläche: 49,6348 km², Einwohner: 10.249 (2009), Politischer Bezirk: St. Johann im Pongau, Gerichtsbezirk: St. Johann.

Berchtesgaden – Markt

Das "Hirschenhaus", umgebaut 1892-1894 nach Plänen von Ludwig Thiersch, am Berchtesgadener Marktplatz mit dem Marktbrunnen © Oskar Anrather

Der Klostermarkt als Zentrum des Landes

Geschichte

Der Name Berchtesgaden ist germanischen Ursprungs und geht auf einen Mann namens Per(c)htger zurück, der im Waldgebiet um Grafengaden, einem Sitz der Grafen von Plain, ein kleines Haus (mhd. gadem, gaden) besessen haben mag. Streufunde aus der Jungsteinzeit belegen eine dünne Besiedelung durch Jäger und Fischer vor ca. 4.000 Jahren.

Der Markt Berchtesgaden um 1818. Kolorierter Stahlstich (vor 1839) von Alexander Marx nach Johann Adam Klein © Oskar Anrather
Der Markt Berchtesgaden um 1818. Kolorierter Stahlstich (vor 1839) von Alexander Marx nach Johann Adam Klein © Oskar Anrather

Ein frommes Gelübde und eine Klostergründung gaben zu Beginn des 12. Jahrhunderts den Anlass für das Entstehen einer Siedlung in Berchtesgaden: Vielleicht aus Dankbarkeit für die Rettung ihres Gemahls, des Grafen Gebhard II. von Sulzbach, von einem Jagdunfall stiftete Irmingard von Sulzbach auf ihren Besitzungen in Berchtesgaden um das Jahr 1100 Güter zur Gründung eines Augustiner Chorherrenstifts. Nach ihrem Tod nahmen sich ihre Söhne, Graf Berengar I. und dessen Halbbruder Kuno von Horburg, dieses Gelübdes an und erwirkten 1102/05 ein Privileg von Papst Paschalis II., der die Gründung unter seinen Schutz nahm. Die ersten Regularkanoniker kamen mit Propst Eberwin aus Rottenbuch, dem Zentrum der Chorherrenreform in Bayern. Wirtschaftliche Überlegungen führten um 1107 zu einer Vereinigung Berchtesgadens mit Baumburg, einer weiteren Stiftung des Grafen Berengar I. von Sulzbach. Ein Jahrzehnt später kehrte Eberwin mit seinen Kanonikern auf Initiative des Gründers nach Berchtesgaden zurück und lies die den Hll. Petrus und Johannes Baptist geweihte Stiftskirche (1122) erbauen. Unter Erzbischof Konrad I., der 1136 die Trennung der beiden Stifte bestätigte, wurde Berchtesgaden in den Salzburger Reformverband der Augustiner Chorherren eingebunden.

Einen ersten Aufschwung nahm die Siedlung noch im 12. Jahrhundert mit der Bestätigung des großen Waldgebietes, aus dem später das Land Berchtesgaden hervorgehen sollte, durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1156). Das Bergregal, d. h. das Schürfrecht auf Metall und Salzvorkommen, das bereits als Fälschung in die Barbarossa-Urkunde eingeflossen war, wurde 1194 durch ein Diplom Kaiser Heinrichs VI. bestätigt. Dieser Privilegierung ging die Entdeckung von Salzvorkommen und die Errichtung zweier Salinen am Gollenbach (nahe dem heutigen Salzbergwerk) und am Tuval (Gutratsberg/Götschen bei Schellenberg) unmittelbar voraus. Forsthoheit und Salzgewinnung boten die entscheidende Grundlage für die Ausbildung eines geistlichen Territoriums, dessen Eigenständigkeit sich 1294 in der Verleihung des Blutbanns durch König Adolf von Nassau und in der Bezeichnung als „Land“ (1306) manifestierte. Die Fürstpropstei, deren Propste seit 1559 Sitz und Stimme auf der geistlichen Fürstenbank des Reichstags besaßen, stand bis 1723 unter der Regierung der Wittelsbacher, die als Propste und bisweilen auch in Personalunion als Kurfürsten und Erzbischofe von Köln auftraten.

Der Ort Berchtesgaden konnte bereits im 13. Jahrhundert zu einem Klostermarkt heranwachsen, der vor allem der Nahversorgung des Stifts und der in dessen Umkreis tätigen Personen diente. Durch die stete Präsenz des Landes- und Grundherrn und die dadurch bedingte starke Abhängigkeit des Stiftsmarktes erlangte der Ort allerdings nur in beschränktem Umfang marktbürgerliche Freiheiten. Weder Marktrechtsverleihung noch Markterhebungsprivileg sind belegt, das Marktrichteramt wurde mit dem des Landrichters vereinigt. Auch kam es zu keiner systematischen Aufzeichnung der Grenzen einer Burgersiedlung (Burgfried). Die Bürger Berchtesgadens unterstanden wie die Landbevölkerung bis 1807 der Leibeigenschaft des Landesherrn. Eine Selbstbezeichnung der Siedlung als Markt (forum) ist für das Jahr 1328 bezeugt, Bürger treten erst an der Wende zum 15. Jahrhundert (1392) in Erscheinung. Eine Marktordnung regelte 1567 (weitere 1618, 1691) das geltende Gewohnheitsrecht und hielt die wichtigsten Vorschriften zu Wirtschaft und Marktaufsicht fest. Die Abhaltung von Wochenmärkten ist erst für das 17. Jahrhundert überliefert. Die Säkularisation setzte im Jahr 1803 nicht nur der Fürstpropstei, sondern auch der Eigenstaatlichkeit Berchtesgadens ein Ende:

Die ehemalige Stiftskirche mit dem Probsteigebäude, einst Residenz der Fürstpröpste, seit 1810 im Besitz des Hauses Wittelsbach © Oskar Anrather
Die ehemalige Stiftskirche mit dem Probsteigebäude, einst Residenz der Fürstpröpste, seit 1810 im Besitz des Hauses Wittelsbach © Oskar Anrather

Nach wechselnden politischen Verhältnissen (1803 Teil des Kurfürstentums Salzburg, 1805–1809 Zugehörigkeit zum Kaiserreich Österreich, 1809 französisch) gelangte Berchtesgaden 1810 zusammen mit Salzburg an das Königreich Bayern und blieb unter der Herrschaft der Wittelsbacher, während Salzburg 1816 zum Großteil an Österreich fiel. Die bayerischen Könige waren es, die das ehemalige Chorherrenstift zu einem Schloss ausbauten und alljährlich als Sommerresidenz zu großen Hofjagden nutzten.

Mit ihrem Hofstaat besuchten in der Folge zahlreiche Gelehrte, Naturwissenschaftler und Künstler Berchtesgaden. Maler, Grafiker und Kupferstecher fanden in der Landschaft um den Watzmann und Königssee ein beliebtes Motiv. Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) entwickelte sich, begünstigt vom Straßen- und Eisenbahnbau (1888), ein wachsender Fremdenverkehr, der sich auch in der Anlage von großzügigen Parkanlagen und Villen äußerte. Zahlreiche Industrielle, Diplomaten und Schriftsteller besuchten die Region, darunter Jonas Lie, Henrik Ibsen und Ludwig Ganghofer, der Berchtesgaden des Öfteren zum Handlungsort seiner Romane wählte.

Die Zeit des Nationalsozialismus ließ Berchtesgaden mit der Errichtung der „Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden“ durch Adolf Hitler, der bereits 1923 dem Obersalzberg einen Besuch abgestattet hatte, in ein besonderes Licht treten. Mit der Vertreibung der einheimischen Besitzer und dem Neubau einer Reihe von Gebäuden am Obersalzberg entwickelte sich die Region zu einem zweiten Machtzentrum des Deutschen Reiches. Durch den Umbau des Hauses Wachenfeld zum „Berghof“ als privatem Rückzugsort des „Führers“ (1935/36) und die Errichtung von Wohn- und Gästehäusern für Staatsgäste der NS-Funktionäre entstand ein „staatlich organisierter Wallfahrtsort des Nationalsozialismus“.

Der Kehlstein mit dem Kehlsteinhaus, ehemaliges Diplomatenhaus, erbaut 1937/38 © Oskar Anrather
Der Kehlstein mit dem Kehlsteinhaus, ehemaliges Diplomatenhaus, erbaut 1937/38 © Oskar Anrather

Dazu gehörte auch das Kehlsteinhaus („Adlernest“), das Martin Bormann im Namen der NSDAP dem „Führer“ zum 50. Geburtstag schenkte. Dennoch hielt sich der offene Widerstand gegen das NS-Regime, angeführt von den Berchtesgadener Weihnachtsschützen (bei der Entnazifizierung als widerstandsähnliche Gruppe anerkannt) unter dem Volkskundler und Brauereibesitzer Rudolf Kriss, in Grenzen. Noch im Januar 1945 lies Hermann Göring wichtige Stücke aus seiner Kunstsammlung im Berchtesgadener Stollen einlagern. Der Luftangriff am 25. April 1945 traf überwiegend den Obersalzberg, Berchtesgaden selbst wurde von Kriegsschäden verschont.

Nach Abzug der NS-Machthaber und kampfloser Übergabe besetzte ein Verband von US-Truppen den Markt Berchtesgaden. Die einstigen Alliierten nutzten nun selbst einen Großteil der Gebäude (Platterhof/Hotel General Walker, Atelier Speer/Evergreen Lodge) und Gelände bis zu ihrem Abzug 1996 und errichteten in Berchtesgaden ab 1953 ein Erholungszentrum (U. S. Armed Forces Recreation Center/AFRC). Die übrigen Wohngebäude Görings und Bormanns und der „Berghof“ wurden, um jeglichen NS-Kult zu verhindern, abgetragen oder gesprengt. Eine kritische Aufarbeitung mit der NS-Vergangenheit bietet heute die dort neben dem Kehlsteinhaus 1999 eröffnete „Dokumentation Obersalzberg“. Im Zuge der Gebietsreform (1972) wurde die selbstständige Gemeinde Salzberg, zu der auch Obersalzberg gehörte, nach Berchtesgaden eingemeindet.

Ortsbild

Durch den ausgreifenden Komplex des geistlichen Zentrums rund um die Stiftskirche ergaben sich für die Bürgersiedlung nur beschränkte Möglichkeiten der Expansion. Der älteste Siedlungskern entstand im Bereich des oberen Markts in Hohe der bereits 1328 erwähnten stiftseigenen Taverne „Leithaus“. Rund um dieses Zentrum ließen sich bereits im Spätmittelalter Handwerker und Gewerbetreibende nieder (Schmiede, Schuster 1428, Bader 1451). Verschiedene Gebäude am unteren Markt, im Kupplergraben und Nonntal lassen sich anhand der Abgabenverzeichnisse bis ins Spätmittelalter verfolgen. Eine endgültige Abgrenzung zum Stiftsbezirk vollzog sich durch die Anlage von Umfassungsmauern (Schlossarkaden 1541/46, Neuhausbogen, Ledererbogen im Nonntal, Hofgarten), die den Zugang vom Nonntal zum Marktplatz nur mehr über die enge Salzburger Straße möglich machten.

Rund 60 Anwesen prägten im 16. Jahrhundert das Siedlungsbild des Ortes, der sich in den folgenden Jahrhunderten nur langsam vergrößerte. Die älteste historische Ansicht (Stich von Matthaus Merian, 1644) zeigt eine lockere Bebauung mit einem hohen Anteil Grünflächen, die als Viehweiden und Hausgarten zur Selbstversorgung der Bürger genutzt wurden. Zusätzlichen Wohnraum schuf die im 17. Jahrhundert zunehmende Aufstockung der Häuser mit bis zu vier Stockwerk hohen, giebelständigen Gebäuden in alpenländischer Bauweise, wie z. B. das markante und durch seine Fassadenmalerei auffällige Hirschen- oder Labermayrhaus am Markplatz aus dem Besitz einer bedeutenden Familie Berchtesgadener Holzwarenverleger. Eine Konzentration von Gebäuden der Stiftsbediensteten lässt sich für das Nonntal feststellen (Hofbinder-, Mundkoch-, Kanzler- bzw. Gerichtsschreiberhaus), wo sich an der Stelle des heutigen Rathauses gegenüber der Pfarrkirche St. Andreas auch die Getreideschranne befand. Die Straßenbezeichnung weist auf das ehemalige Frauenkloster der Augustiner Chorfrauen unterhalb des Locksteins hin, das sich zwischen 1125/1136 und 1400 an dieser Stelle befand, bevor der Umzug ins Frauenkloster am Anger erfolgte. Nach der Auflösung des Klosters 1564 übernahmen 1695 die Franziskaner Kirche und Kloster, heute befindet sich darin das Nationalparkhaus. Durch die Umsetzung eines Verkehrskonzepts mit Erweiterung der Fußgängerzone hat der innere Ortsbereich seit den 1990er Jahren zunehmend an Attraktivität gewonnen.

Wirtschaft

Berchtesgadens wirtschaftlicher Reichtum beruhte über Jahrhunderte auf der Salzgewinnung, die sich neben der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und dem Holzhandwerk zur wichtigsten Wirtschaftssäule des Landes entwickelte. Die im 12. Jahrhundert entdeckten Salzvorkommen am Gollenbach und Tuval führten zunächst zur Errichtung eines Sudhauses des Stifts bei Niederalm (heute Land Salzburg), später zum Ausbau der Saline in Schellenberg, der auch die Sole aus Berchtesgaden zur Weiterverarbeitung zugeleitet wurde. Der 1517 im Markt Berchtesgaden in Betrieb genommene Petersberg-Stollen, der Frauenberg (1559) und die 1555 neu errichtete Saline in Frauenreuth (am Gelände des heutigen Bahnhofs, 1820 abgebrannt) sowie die 1628 erschlossene Anlage am Ferdinandsberg sicherten bis 1803 Berchtesgadens wirtschaftliche Unabhängigkeit, gaben aber auch immer Anlass zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem benachbarten Erzstift Salzburg und den bayerischen Herzogen, die die Salzausfuhr aus dem Berchtesgadener Talkessel zugunsten eigener Monopole (Salinen in Hallein, Reichenhall) zu beschränken versuchten. Der „Salzkrieg“ und die Besetzung Berchtesgadens durch den Salzburger Erzbischof ließen 1611 Herzog Maximilian als Sieger in Salzburg einziehen und endeten mit Absetzung, Gefangenschaft und Tod des Salzburger Erzbischofs Wolf Dietrichs von Raitenau.

Mit der Eingliederung Berchtesgadens in das Königreich Bayern dienten die Salzvorkommen der Rohstoffversorgung der Saline in Reichenhall. Zu diesem Zweck wurde 1817 mit dem Bau einer 29 km langen Soleleitung begonnen. Die Überwindung einer Höhendifferenz von 356 Metern gelang durch das technische Meisterwerk einer Solehebemaschine (Pumpe) des königlichen Salinenrats Georg von Reichenbach. Noch heute wird das in Berchtesgaden abgebaute „weise Gold“ durch eine 1960 neu angelegte Soleleitung über den Hallturm nach Bad Reichenhall gepumpt.

Neben der Salzgewinnung, mit der auch eng die Forstwirtschaft und Sudholznutzung verbunden waren, entwickelten sich eine traditionelle Landwirtschaft der Zu- und Nebenerwerbsbauern und die Almbewirtschaftung sowie besondere Formen der Holzhandwerkskunst. Die „Berchtesgadener War“ (Holzschachteln, Schnitzereien, Musikinstrumente und Spielwaren) wurde als Zuerwerb von der bäuerlichen Bevölkerung gefertigt. Bis ins 19. Jahrhundert waren diese typischen Produkte der Volkskunst auf den europäischen Messen und in ganz Europa bekannt.

Heute ist der Marktort am Fuße einer einzigartigen Hochgebirgswelt (Watzmann 2714 m u.d.M.) inmitten des Nationalparks Berchtesgaden ein bekanntes Ausflugsziel, das sich auch wegen seiner Nachbarschaft zur Mozartstadt Salzburg und zum Kurort Bad Reichenhall großer Beliebtheit erfreut. Zahlreiche Sport-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind Zeugnis eines aktiven Brauchtums und Vereinslebens (u. a. Gebirgstrachtenerhaltungsverein, Weihnachtsschützenverein).

Wappen

Wappen
Wappen

Das bereits im 17. Jahrhundert bezeugte Wappen zeigt einen gevierten Schild mit den gekreuzten Schlüsseln des Simon Petrus, einem der beiden Schutzpatrone der Stiftskirche (St. Peter, Johannes der Täufer), und den sechs silbernen Lilien auf blauem Grund, die auf das Wappen der Stifterin, Irmingard von Sulzbach, hinweisen sollen. Den Herzschild bildete einst das jeweilige Wappen des regierenden Fürstpropstes. Seit der Angliederung Berchtesgadens an Bayern (1810) wurde es durch bayerische Rauten ersetzt. Eine offizielle Verleihung des Gemeindewappens erfolgte am 15. Dezember 1891 durch Prinzregent Luitpold. Ein älteres, bereits 1630 als Siegel der „Gemeinen Land- und Bürgerschaft“ von Berchtesgaden bezeugtes Bild des Pfarrpatrons, des heiligen Andreas, fand bei dieser Wappenverleihung keine Berücksichtigung.

Aktuell

Seehöhe 570 m, Fläche 35,61 km2, 7.624 Einwohner (2009). Zum Gemeindegebiet gehören seit der Gebietsreform auch die ehemals selbstständigen Gemeinden Salzberg, Maria Gern und Au (Oberau und Unterau).