Schnappenkirche St. Wolfgang – Staudach-Egerndach

Schnappenkirche © C. Soika

1637 wurde nach dem Plan des Traunsteiner Stadtmaurermeisters Wolf König mit dem Bau der Kirche St. Wolfgang begonnen. Aufgrund der Lage, hoch auf dem Voralpenberg „Schnappen“, dauerte der Bau durch die klimatischen Gegebenheiten und die Schwierigkeiten beim Transport des Baumaterials vier Jahre lang. In dem architektonisch einfachen, aber reich im barocken Stil ausgestatteten Bau fällt vor allem das frühbarocke Altarbild von 1644 mit dem hl. Wolfgang auf.

Anlass für den Bau der Bergkirche bot die dort bereits bestehende viel besuchte Kultstätte, bestehend aus einem Brünnlein und einer dem hl. Wolfgang geweihten hölzernen Kapelle, den Anforderungen der aufblühenden Wallfahrt nicht mehr gerecht werden konnte. Dem durch die Kapelle fließenden Wasser schrieb man Wunderkräfte zu.

Darstellung des hl. Wolfgang im Altar © C. Soika
Darstellung des hl. Wolfgang im Altar © C. Soika

Durch  Berichte von zahlreichen Gebetserhörungen und Wundern erhielt die Wallfahrt einen großen Zulauf, und die Verantwortlichen versuchten, sie durch einen Neubau in geordnete Bahnen zu lenken. Doch die Bevölkerung beharrte weiterhin auf den althergebrachten Ritualen. Die Wallfahrer besuchten noch lange die alte Holzkapelle, die mehrmals renoviert wurde, und blieben dann im Laufe der Zeit aus, bis die Wallfahrt zu Beginn des 18. Jahrhunderts fast vollkommen zum Erliegen kam.

Domkirche – Stadt Salzburg

Salzburg - Domkirche © J. Neuhardt

Wohl den wenigsten Touristen, die zu hunderttausenden jedes Jahr die Haupt- und Mutterkirche des Erzbistums Salzburg besuchen wird bewusst, dass vor Jahrhunderten der Wallfahrtszuzug in die Kathedrale enorm war. Es war nicht ein Gnadenbild oder die Erscheinung eines Heiligen, die die Menschen hierher zog; vielmehr bildeten die Gräber der Bistumsgründer in der Hauptsache den Zielpunkt der Pilgerschaft. Die Berichte, die uns vorliegen, lassen vom Jahre 1376 an geordnete Pilgerzüge nachweisen. 37 „Wallfahrtsvölker“ kamen aus den Orten der alten Erzdiözese Salzburg, vor allem aus dem heutigen Flach- und Tennengau (von Kuchl bis nach Thalgau), aber auch von Bergheim, Lamprechtshausen, Hallein und Grödig. Aus den heute in Bayern liegenden Orten des Rupertigaues waren Otting, Höglwörth Teisendorf, Petting, Waging, Fridolfing und Tittmoning stets anzutreffen. Im Gebirge haben Werfen, St. Veit, Radstadt, Abtenau, Saalfelden und Bischofshofen, Piesendorf, Taxenbach und Zell am See besonders in der Pfingstwoche den Dom bevölkert. Es war dies offenkundig ein bewährtes Mittel, die schon stark zum Luthertum neigende Bevölkerung wieder an die Mutterkirche in Salzburg binden zu helfen.

Doch wenn man vom Dom zu Salzburg als Wallfahrtsort spricht, so müssen auch die anderen Gräber der Heiligen genannt werden, deren Reliquien im alten Dom einst verehrt wurden. Die bereits im Früh- und Hochmittelalter vorhandenen Gebeine lassen den hohen Rang und die überragende Stellung Salzburgs erkennen: denn Reliquienbesitz war ein Statussymbol.

In den Altären des nördlichen Seitenschiffes ruhen folgende Gebeine:

  • Unter dem Kreuzaltar die Reliquien der hll. Chuniald und Gislar, die beide Mitarbeiter des hl. Rupert waren. Seit 774 haben sie ihr Grab im Dom.
  • Unter dem Bild der Verklärung Christi ruhen Gebeine des spanischen Märtyrer-Diakons Vinzenz von Saragossa. Diese sind um 900 nach Salzburg gekommen.
  • Im Anna-Altar ruhen die Gebeine der hll. Chrysantus und Daria. Diese hat 860 Erzbischof Adalwin aus Rom mitgebracht.
  • In der Taufkapelle ruhen die aus Köln stammenden Teile der Kopfreliquie des hl. Gereon.
  • Im südlichen Seitenschiff unter dem Pfingstaltar ruhen die Reliquien der hll. Apostel Matthäus und Barnabas.
  • Unter dem Bild der hl. sechs Bischöfe, die überaus seltenen Reliquien des Hl. Martin, die schon Erzbischof Arn (um 800) für Salzburg erhalten konnte. Es sind dies die    einzigen im heutigen Österreich.
  • Der Karl-Borromäus-Altar birgt die 851 aus Rom anhergebrachten Reliquien des hl. Hermes. Er war Präfekt von Rom im 2. Jahrhundert.
  • Unter dem Sebastiansaltar ruhen die Gebeine des hl. Kirchenlehrers Basilius des Großen (+379) und des Märtyrers Demetrius (+306).

Salzbergwerk – Berchtesgaden (Heilstollen, Soleförderung, Salzsee)

© Südwestdeutsche Salzwerke AG

ein Salzsee im Berg und Abenteuer, die begeistern!

Die Anfänge des Salzbergbaus im ältesten aktiven Salzbergwerk Deutschlands in Berchtesgaden reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück. Das Salzbergwerk feiert 2017 runden Geburtstag: Gregor Rainer, Reichsprälat und Propst des Augustiner-Chorherrenstifts Berchtesgaden, gründete 1517 mit dem Anschlagen des Petersbergstollens das Salzbergwerk Berchtesgaden. Jahrhunderte lang war das Salz dann neben dem Holz die einzige Einnahmequelle der Fürstpropstei Berchtesgaden. Bis zu 300 m unter der Talsohle wird das Salz im „nassen Abbau“ mit Wasser aus dem Gestein heraus gespült.

Bereits seit 1840 kann der historische Teil des Salzbergwerks im Rahmen von bergmännischen Führungen besichtigt werden.

Auf der Grubenbahn geht es 700 Meter tief in den Berg hinein zu einer faszinierenden Reise durch das unterirdische Stollensystem. Zwei beinahe 40 Meter lange Rutschen und die Floßfahrt über den illuminierten Salzsee (Spiegelsee) verschmelzen mit packenden Informationen über das „weiße Gold“ und bieten so Spaß und Spannung für Klein und Groß. Zahlreiche Schaustellen zeigen viel Wissenswertes über Soleförderung und Salzgewinnung früher und heute.

Ein Souvenirladen mit Produkten zu den Themen Salz, Sole und Bergbau, z.B. handgefertigte Salzsteinlampen, runden das Programm ab. Direkt neben der Besuchereinfahrt befinden sich der Heilstollen und das Gasthaus Reichenbach.

Das Salzbergwerk Berchtesgaden ist das ideale Ausflugsziel für die ganze Familie. (Keine Altersbeschränkung für Kinder!)

Gleich Onlineticket buchen und noch heute ohne Wartezeit das Salzbergwerk besuchen.

Tipp: Spazieren Sie auf dem historischen Soleleitungsweg von 1817 und genießen Sie die herrliche Aussicht auf die Bergwelt.

 

ehem. Augustiner-Chorherrenstift Baumburg – Altenmarkt a.d. Alz

Baumburg Klosterkirche © C. Soika
  1. Die Anfänge des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts Baumburg, das hoch über dem Tal der Alz thront, reichen ins frühe Mittelalter zurück. Die mächtige Sippe der Sighardinger hatte um 934 bei der Baumburg, die damals als Grafensitz diente, zunächst eine Margarethenkirche und dann ein kleines Stift errichtet. Beides kam durch den Grafen Markwart von Maquartstein, der um 1085 ermordet wurde, an dessen Gattin Adelheid von Frontenhausen zur Stiftung eines Klosters. Diese übertrug um 1105 auf dem Totenbett die Aufgabe ihrem dritten Gatten, dem Grafen Berengar von Sulzbach. Um 1107 übersiedelte der aus dem Reformstift Rottenbuch entsandte Propst Eberwin mit einigen Chorherren aus Berchtesgaden, wo Graf Berengar 1102 gemäß einem seiner Mutter gegebenen Gelübde ein Kloster gestiftet aber zu gering ausgestattet hatte, nach Baumburg. Nach 1117 kehrte Eberwin aber nach Berchtesgaden zurück, so dass seither zwei getrennte Augustiner-Chorherrenstifte bestanden.In Baumburg beanspruchte man vergeblich Berchtesgaden und dessen Besitz als Ausstattungsgut, Erzbischof Konrad I. von Salzburg legte 1136 die Selbständigkeit beider Klöster fest. Propst Gottschalk von Baumburg wurde durch die Bestellung zum Archidiakon entschädigt und Baumburg in den Salzburger Reformverband der Augustiner-Chorherren eingebunden. Wichtigste Aufgabe war die Seelsorge in den inkorporierten Pfarren. Vor allem durch seine bekannte Klosterschule wurde Baumburg auch zu einem kulturellen Zentrum des Chiemgaus. Für den unmittelbar um das Stift gelegenen Besitz besaß Baumburg die niedere Gerichtsbarkeit mit dem Recht einer Hofmark. Wiederholt wurde das Kloster von Kriegen, Raubzügen und Bränden in Mitleidenschaft gezogen, so z.B. 1192, als es vollkommen zerstört wurde. Dazwischen gab es aber lange Zeiten einer Blüte der Kultur, der Wissenschaft und auch der bildenden Kunst.
    Die Säkularisation 1803 brachte das Ende des Klosters. Der Staat bot danach die Gebäude zur Versteigerung an, die nur geringen Erlös brachte. Für die neuen Besitzer war es schließlich lukrativer, die erworbenen Gebäude abzubrechen und als Baumaterial zu verkaufen, als sie einer neuen Nutzung zuzuführen. Damit brachte die Säkularisation nach fast neun Jahrhunderten des Bestands die endgültige Zerstörung des Klosters.
  1. An die Blüte der bildenden Kunst erinnert eine große Anzahl von hervorragend gearbeiteten Grabmalplastiken, von denen der um 1430 geschaffene Grabstein der Stifterin Adelheid von Frontenhausen im Eingangsbereich der Kirche der bekannteste ist. 1737 erfolgte eine Renovierung der Klostergebäude, verbunden mit tief greifenden Umbauten. In dieser barockisierten Form erscheinen uns die heute noch stehenden Gebäude: im Osten der heutige Pfarrhof, im Süden der ehemalige Gaststock, heute ein Hotel, und die Kirche St. Margaretha. Ausgrabungen im Jahr 2004 förderten viele noch erhaltene Grundmauern, Fußböden und Keller der abgebrochenen Klostertrakte ans Tageslicht. Ein nicht wieder zugeschütteter Mauerteil und eine Dokumentation im Klosterinnenhof weisen darauf hin.
    Die Kirche mit ihrer bemalten Schauseite zum Tal hinab beeindruckt vor allem durch ihre Innenausstattung im Stil des Rokoko. Der Innenraum, eine geschickte Raumkonstruktion, besticht durch den Eindruck von Helligkeit und Harmonie sowie durch seine üppige Ausschmückung. Die Deckengemälde, geschaffen von dem Asamschüler Felix Anton Scheffler (1703-1760), zeigen in einem Riesenpanorama das Leben und Wirken des heiligen Augustinus und der Augustinerchorherren sowie ein himmlisches Konzert mit König David. Auch die anderen Fresken, der Hochaltar und die Seitenaltäre sind Meisterwerke bedeutender Rokokokünstler.

Wallfahrtskirche Maria Kirchental – St. Martin bei Lofer

Herz-Jesu Missionare und Missionarinnen Christi

  1. Das Gnadenbild von Maria Kirchental wurde im frühen 15. Jahrhundert von einem unbekannten Künstler der Spätgotik für die Pfarrkirche von St. Martin geschaffen. Das Jesuskind auf dem Arm der Gottesmutter trägt einen Stieglitz (Distelfink) in der linken Hand. Der Bauer Rupert Schmuck brachte 1689 das Gnadenbild in das abgelegene Hochtal und stellte es in einer Waldkapelle auf. Nach dem raschen Aufblühen einer Wallfahrt mit vielen Gebetserhörungen entschloss sich der Fürsterzbischof von Salzburg, Johann ernst Graf Thun, zum Bau einer Wallfahrtskirche. Diese wurde nach Plänen des berühmten Barockarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach 1694–1701 durch den Baumeister Stefan Millinger errichtet. Heute pilgern vor allem Salzburger, Tiroler, Oberösterreicher und Bayern zu der 900 m hoch gelegenen Wallfahrtskirche am Fuß der Loferer Steinberge. Neben der Kirche betreiben Herz-Jesu-Missionare und Missionarinnen Christi gemeinsam das „Haus der Besinnung“, das den Gästen ein vielfältiges Angebot von Besinnungstagen, Exerzitien und Meditationen bis hin zu sportlichen Aktivitäten offeriert.
  2. Die Kirchenfassade ist zweigeschossig angelegt, mit stark profiliertem Gebälk, und betont die horizontale gegenüber der vertikalen Gliederung, entsprechend der in der Bergwelt üblichen Bodenständigkeit. Der segemtentbogige Abschluss des Mittelteils, die Schwingung der Turmdächer aufnehmend, verleiht dem Bau Leichtigkeit und Eleganz. Beinahe frei schwebend wirken die zylindrischen Turmaufsätze. Der Kreuzgrat gewölbte Innenraum, gegliedert durch Pilaster, Kompositkapitelle und stark profiliertes Kranzgesims, ist als quadratischer Zentralraum mit seitlich leicht vorspringenden Querarmen angelegt. Diese Form wiederholt sich im quadratischen Grundriss des Gesamtbaus, dem die gewölbte Apis und die Doppelturmfassade vorgelagert sind. In der harmonischen Einfügung des Hochaltares, der Lichtwirkung, den klassischen Farben Weiß und Grau und der unerwartet fühlbaren Freiheit, Ausdruck der Apotheose, wird Fischers Konzeption spürbar.  Das wundertätige Gnadenbild ist im Strahlenkranz des Hochaltares integriert. Erwähnenswert sind die Seitenaltäre, Stiftungen des Salzburger Adels, mit Bildern des Salzburger Hofmalers Jakob Zanusi.

ehem. Benediktinerabtei – Mondsee (Land OÖ)

ehem. Stiftskirche St. Michael in Mondsee © C. Schneeweiss

1. Das Kloster Mondsee wurde vom bayerischen Herzog Odilo (736–748) kurz vor dessen Tod gegründet. Während die relativ spät bezeugte Haustradition von einer Besiedlung durch Mönche aus Montecassino, der Gründung des hl. Benedikt von Nursia, ausgeht, sprechen paläographische Indizien eher für enge Beziehungen in den alamannischen Raum. Neben der Abtei Reichenau im Bodensee und dem bayrischen Kloster Niederalteich wurde auch die Abtei St. Peter in Salzburg als „Mutterkloster“ vermutet. Bereits der erste Abt Oportunus genoss hohes Ansehen, sein Nachfolger Hunrich war ein Vertrauter Herzog Tassilos III. Nach Tassilos Sturz kam Mondsee an Erzbischof Hildebald von Köln, den Leiter der Hofkapelle Karls des Großen. Im Aachener Klosterverzeichnis 819 wird Mondsee neben Tegernsee als einziges bayerisches Kloster genannt, das sowohl Abgaben als auch Kriegsdienste zu leisten hatte. König Ludwig der Deutsche schenkte 837 Mondsee an seinen Erzkaplan, den Bischof Baturich von Regensburg. Das Kloster verfügte schon seit dem 8. Jahrhundert über ein hervorragendes Skriptorium, in dem so bedeutende Werke wie der Psalter von Montpellier, vielleicht das persönliche Gebetbuch Herzog Tassilos III., und die für die Entstehung der deutschen Sprache wichtigen „Mondseer Fragmente“ geschaffen wurden; im späten 10. Jahrhundert entstanden hier die „Mondseer Glossen“, eine Glossatur der gesamten Bibel. Unter Bischof Wolfgang von Regensburg, der sich längere Zeit im Kloster aufgehalten haben soll, hielt die von Trier ausgehende Reichsklosterreform Einzug in der Abtei. Bischof Cuno I. von Regensburg bestellte den aus Trier stammenden Mönch Konrad zum Abt (1127-1145), der eine Konsolidierung des geistlichen und wirtschaftlichen Lebens erreichte, aber einem Mordanschlag widerspenstiger Bauern zum Opfer fiel. Nach einer Zeit des Niedergangs und wirtschaftlicher Krisen erlebte Mondsee im 15. und frühen 16. Jahrhundert im Zeichen der Melker Klosterreform eine Blüte. Durch den Landshuter Erbfolgekrieg kam das Mondseeland 1504 an König Maximilian I., blieb aber bis 1565 im Besitz des Erzbistums Salzburg und wurde erst nach dem Rückkauf mit Österreich ob der Enns vereinigt. Nach der Krisenzeit der Reformation kam es im 17. und 18. Jahrhundert zu einer Konsolidierung, Kunst, Musikpflege und Theater blühten im Kloster. Trotz einer letzten Glanzzeit unter Abt Bernhard Lidl (1729–1773) wurde die Abtei Mondsee 1791 aufgehoben und ihr Besitz dem Bistum Linz zugeteilt. Napoleon schenkte 1809 die Herrschaft Mondsee an Fürst Karl Philipp Wrede, den General des mit ihm verbündeten Königreichs Bayern. Von diesem kamen die ehemaligen Klostergebäude, nun als „Schloss Mondsee“ bezeichnet, an die Grafen Almeidea, in deren Besitz sie bis 1985 blieben.

Basilika Mondsee Hochaltar © www.mondsee.at
Basilika Mondsee Hochaltar © www.mondsee.at

2. Wie archäologische Untersuchungen in den Jahren 1986-1991 zeigten, wurde auf den Ruinen einer römischen villa rustica eine Saalkirche von ca. 20 x 13 m errichtet, dazu die um einen Hof gruppierten Konventgebäude. Unter Abt Rupert wurde 1104 die romanische Stiftskirche St. Michael mit Krypta geweiht. Nach dem Neubau der Konventgebäude bis 1448 folgte 1470-1487 der Neubau der Stiftskirche als dreischiffige, sternrippengewölbte gotische Staffelkirche mit langgestrecktem Hochchor. Die Innenausstattung ist vom Barock geprägt. Beim Hochaltar von Hans Waldburger (1626) dominiert die Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit den geometrisch aufgebauten Altar. Für den Kirchenraum spannender und künstlerisch wertvoller sind fünf Altäre Meinrad Guggenbichlers, der 1678 – 1723 in Mondsee wirkte. Die besondere Funktion von Guggenbichlers Werken besteht in der Schaffung einer harmonischen Korrespondenz zwischen den hochstrebenden Proportionen des gotischen Raumes und der voluminösen Üppigkeit der barocken Altäre. Orgel und Kanzel waren wohl seine ersten Werke in der Kirche. Beim freistehenden Christus auf dem Schalldeckel der Kanzel ist bereits Guggenbichlers charakteristischer hochbarocker Figurenstil erkennbar. Auch die berührend gestalteten Puttenreigen am Corpus Christi Altar im nördlichen Seitenschiff lassen Guggenbichlers Feinsinnigkeit und Originalität fassbar werden.

Salzwelten Salzburg und Kelten.Erlebnis.Berg

Rutsche der Salzwelten Salzburg

Salzwelten Salzburg Neu
Essenz des Lebens – So hast du Salz noch nie entdeckt

Im ältesten Besucherbergwerk der Welt wird die über 2500-jährige Geschichte des Salzes, dem „Weißen Gold“ früherer Jahrhunderte, erlebbar. Man folgt den Spuren der Kelten, entdeckt aber auch die Welt der Bergmänner des Mittelalters bis hin zur Gegenwart. Mit der Grubenbahn geht’s lustig und bequem ins Salzbergwerk und zwei lange Bergmannsrutschen führen bis zum unterirdischen Salzsee.

Mehr über die Bedeutung des Salzes – als Essenz des Lebens – erfährst du aber auch ober Tage auf dem Kelten.Erlebnis.Berg. Das Keltendorf SALINA, die neue Schau-Manufaktur und einen Themenspielplatz erkundet man am besten spielerisch mit der AR Forscher-App.

Tipp: Kostenlose Informationen und Hintergründe liefert die neue Salzwelten App inklusive Audio Guide (erhältlich im App Store oder auf Google Play).

 

Keltenmuseum – Hallein (Salztransport, Archäologie)

Keltenmuseum in Hallein © Keltenmuseum Hallein

Wohlstand durch Salzhandel und Transport

Im Keltenmuseum Hallein werden auf drei Geschossen verschiedene Aspekte der Halleiner und Dürrnberger Geschichte lebendig präsentiert.

Das weiße Gold hat das Leben in der Region und der Stadt geprägt – von der prähistorischen Salzgewinnung über den fürsterzbischöflichen Bergbau bis in die Gegenwart.

Bereits in der Eisenzeit erschlossen die Kelten das Salzvorkommen in den Tiefen des Dürrnbergs. Kunstvolle Kannen, filigrane Fibeln und aufwendige Alltagsgegenstände verraten uns heute noch interessante Details über das Leben der eisenzeitlichen Bevölkerung. Funde aus Bernstein, Gold und Koralle zeugen von weitreichenden Handelskontakten.

Im 12. Jahrhundert entdeckten die Salzburger Erzbischöfe das Salz erneut als Quelle des Reichtums. In der Blütezeit des Salzbergbaus unter Erzbischof Wolf Dietrich wurden auf dem Dürrnberg bis zu 36.000 Tonnen Salz pro Jahr abgebaut.

Die Fürstenzimmer im zweiten Stock des Museums erzählen von der Arbeit unter und über Tage. Anhand eines Bilderzyklus zum Salzwesen und verschiedenen Objekten wird die Stadtgeschichte anschaulich zu neuem Leben erweckt.

Seit 2014 wird im Keltenmuseum Hallein auch die Urgeschichte des Landes Salzburg präsentiert. Die Ausstellung lädt die BesucherInnen ein, sich auf eine Reise zu den Ursprüngen der Besiedlung des Landes vor 10.000 Jahren zu machen.

Messinghammer – Ebenau (Wasserkraftanlagen, Hammerwerk)

Museum Fürstenstöckl © TV Ebenau

als Wasserkraft noch wichtig war

Die Geschichte des Ebenauer Messingwerkes ist eng verflochten mit jener des Handelshauses Stainhauser in Salzburg. 1585 erhielten die Brüder Andrees und Maximilian Stainhauser vom Salzburger Erzbischof die Genehmigung zur „Errichtung ainer Messing-Hütten in der Ebenau bey dem Wasserfall am Schwärzpach“. Zugleich gehörten ihnen die Messinghütten in Oberalm und im Gnigler Graben.

Erzbischof Paris Graf Lodron verstaatlichte bereits 1622 die Messinghütte in Oberalm und 1634 auch das Ebenauer Messingwerk. Die Salzburger Messingindustrie erlebte zwischen 1650 und 1740 eine ungeahnte Blüte und wurde mit einem jährlichen Gewinn von 40.000-60.000 Gulden zur wichtigsten Einnahmequelle nach dem Halleiner Salz.

Neben der staatlichen Messingfabrik gab es auch einen Eisenhammer, eine Drahtzieherei und eine Sensenschmiede. 1792 wies Ebenau 34 Hüttenwerks- und Hammergebäude auf. Die wichtigsten waren das Verweserhaus und das Fürstenstöckl, die Schmelzhütte, der Messing-, der Kupfer- und der Eisenhammer, die Zeug- und die Rohrschmiede sowie die Drahtmühle. Zu den Nebengebäuden zählten der Holzkohlen-, Torf- und Holzstadel, dieKohllöschhütte, der Zimmerstadel, das Schaberhaus und das Muskathaus, das Wohnhaus der Werksoffiziere.

Um 1698/99 erwirkten die Arbeiter der Messinghütte den lang erwünschten Bau einer Kirche. 1704 wurde die Kirche dem Hl. Florian geweiht, der als Patron gegen die Feuergefahr von den Arbeitern der Messinghütte ausdrücklich erbeten wurde. Die Messing- und Eisenhämmer wurden mit Wasserkraft betrieben und um diese besser auszunützen wurde ein ca. 50 m langer Zuleitungsstollen im Ortszentrum angelegt. Während die alten Mühlen nur mehr von touristischem Interesse sind, werden einige Sägewerke bis heute mit Wasserkraft betrieben. Zudem findet man im Ort mehrere Kleinkraftwerke.

St. Leonhard – Wonneberg

Wallfahrtskirche St. Leonhard am Wonneberg © H. Roth

Das „liebe Viech“ stellte für die bäuerliche Bevölkerung ehemals die Existenzgrundlage dar. Mit Bitte und Dank für die Erhaltung des Vieh­­bestandes wandte man sich vertrauensvoll und bevorzugt dem hl. Leonhard zu, der nicht umsonst als „bayerischer Bauernherrgott“ ge­rühmt wurde und Anlass zu einer vielfältigen Kultäußerung gab. Die an Stelle von zwei Vorgängerbauten um 1496 neu errichtete großdi­mensionierte Kirche ist Ausdruck der im Spätmittelalter blühenden Wallfahrt zum hl. Leonhard auf dem Wonneberg.

Der Viehpatron St. Leonhard im Schrein des Hochaltars © H. Roth
Der Viehpatron St. Leonhard im Schrein des Hochaltars © H. Roth

Der Laufener Maler Gordian Guckh schuf 1510/13 ein stattliches Altarwerk, dessen Tafel­bilder mit der Passion Christi in den heutigen Hochaltar inte­griert wurden. Nach einer kurzzeitigen Stagnation der Wallfahrt im Refor­mationszeitalter entfaltete sich diese wieder, was zu einer barocken und im 19. Jahrhundert zu einer neugotischen Ausstattung der Kirche führte. Süd- und Nordportal weisen auf eine „Rittkirche“, auf das ehe­malige Durchreiten und Segnen der Pferde hin. Eisenvotive er­innern noch an die früheren Viehverlöbnisse. 1973 wurde der Leonhardiritt wieder eingeführt.

Mattsee – Kollegiatstift

Mattsee mit der Stiftskirche (li.), dem Stift und der Pfarrkirche. Lithographie von Georg Pezolt 1845. © H. Dopsch
    1.  Mattsee wurde um 757/765 vom Bayernherzog Tassilo III. als Mönchskloster gegründet. So wie die benachbarte Abtei Mondsee, aus der vielleicht die ersten Mönche kamen, war auch Mattsee dem Erzengel Michael geweiht. Der erste Abt Alboin wird bereits 770 als Teilnehmer der Synode von Dingolfing erwähnt. Im frühen 9. Jh. erlebte die Abtei eine Blüte, die späteren Salzburger Erzbischöfe Adalram und Liupram gehörten dem Konvent an und die Schreibschule (Skriptorium) brachte bedeutende Werke der Buchkunst hervor. Mattsee schaltete sich auch in die Missionsarbeit in Pannonien, dem heutigen Ungarn, ein und erhielt als Basis dafür 860 von König Ludwig dem Deutschen Besitz im Wechselgebiet in Niederösterreich geschenkt.
      Der ostfränkische König Karlmann übergab Mattsee 877 an das von ihm gegründete Pfalzstift Altötting (in Bayern). Der Mattseer Konvent bestand zwar fort, aber die frühe Blüte des Klosters ging zu Ende. Als Abt Burchhard 903 Bischof von Passau wurde, machte er Mattsee zu einem Passauer „Eigenkloster“. Vor der Mitte des 11. Jh.s wurde Mattsee in ein Kollegiatstift umgewandelt, das den Passauer Bischöfen als wichtiger Stützpunkt gegenüber dem Erzbistum Salzburg diente. Die Kanoniker betreuten als Weltpriester die zahlreichen inkorporierten Pfarren und nahmen zugleich Aufgaben im Dienst des Bischofs wahr. Obwohl dem Mattseer Kapitel die freie Wahl des Propstes zustand, konnten die Passauer Bischöfe ein Ernennungsrecht durchsetzen. Da die Pröpste stets aus dem Passauer Domkapitel kamen und  weiterhin in Passau residierten, musste der jeweilige Dechant in Mattsee die Leitung des Kapitels übernehmen. Seit dem Kauf von Burg und Herrschaft Mattsee durch die Salzburger Erzbischöfe 1390/98 lag das Stift Mattsee zwar im Land Salzburg, blieb aber weiterhin ein Passauer Eigenkloster und gehörte samt der Pfarre bis 1807 zur Diözese Passau.
      Nach der großen Pestpandemie 1348/49 gab es nur noch zwei Kanoniker im Konvent, aber auch im 15. Jh. und besonders zur Zeit der Reformation schien der Fortbestand des Stiftes bedroht. Im späten 17. Jahrhundert kam es zwar zu einer Konsolidierung, aber die Krisenzeit der napoleonischen Kriege und das Ende der geistlichen Herrschaft in Salzburg (1803) gefährdeten die Existenz erneut. Als man 1808 die Funktionen des Propstes und des Dechanten vereinigte, gab es nur mehr drei Priester im Stift. Im Jahre 1900 wurde die Inkorporation jener Pfarren, die in der Diözese Linz lagen, aufgehoben, bis 1960 schieden dann auch die Salzburger Pfarren aus. Unter nationalsozialistischer Herrschaft entging das Stift zwar der Aufhebung, das Propsteigebäude wurde jedoch beschlagnahmt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelang eine wirtschaftliche Konsolidierung und 1977 konnte das 1200-Jahr-Jubiläum feierlich begangen werden.
    2. Damit verbunden waren eine durchgreifende Restaurierung der Stiftskirche und archäologische Untersuchungen, die Aufschluss über die ältesten Kirchenbauten brachten. In der barockisierten Stiftskirche steckt die frühgotische Querschiffbasilika des 13. Jh.s. Das barocke Propsteigebäude mit dem kleinen und großen Kapitelsaal beherbergt das Stift- und Heimatmuseum. Von den einstigen Häusern der Kanoniker sind nur noch wenige erhalten. Die Filialkirche zur Mutter Gottes in Zellhof, früher dem hl. Georg geweiht und drei Jahrhunderte lang Zentrum einer Wallfahrt, reicht in ihren Anfängen in das 11./12. Jh. zurück.
Das Stiftskapitel von Mattsee mit dem neu gewählten Propst Vinzenz Baldemair und Generalvikar Univ. Prof. Dr. Hans Paarhammer am 7. Mai 1996 © H. Dopsch
Das Stiftskapitel von Mattsee mit dem neu gewählten Propst Vinzenz Baldemair und Generalvikar Univ. Prof. Dr. Hans Paarhammer am 7. Mai 1996 © H. Dopsch
  1. Das Kapitel besteht aus dem Propst, elf Kanonikern (ohne Residenzpflicht) und drei Ehrenkanonikern, die zweimal jährlich zu den Kapitelsitzungen sowie zu weiteren Treffen zusammen kommen. In Mattsee wohnen nur drei Kanoniker im Ruhestand, die anderen sind als Pfarrer in Salzburg und im oberösterreichischen Innviertel tätig. Das Stift bewirtschaftet noch 9 ha Weingärten in Krems und Stein und verkauft die Weine aus der Eigenproduktion im Weinkeller (Tassiloweg Nr. 4). Durch den „Verein der Freunde des Stiftes Mattsee“, der seine Veranstaltungen der Geschichte und Kultur des Stifts widmet, ist die Beziehung zwischen Bevölkerung und Stift vertieft worden.

Haus der Natur – Salzburg

Saurierhalle © Haus der Natur

In der rund 1000-jährigen Geschichte des Fürsterzbistums Salzburg waren das Salz und der Erzreichtum die wichtigsten Pfeiler der wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Außer Salz wurden Gold-, Silber-, Kupfer-, Arsen- und Bleierze abgebaut und zu den entsprechenden Metallen geschmolzen. In vielen Ortsnamen im Land sind noch die ehemaligen Bergbau- und Hüttenbetriebe enthalten, wie z. B. Hüttau, Hüttschlag, Hütten für Verhüttungsbetriebe oder Pöham (Pochwerk). Aber auch Namen wie Lend oder Kohlstatt sind mit dem Bergbau verknüpft, da an diesen Stellen das getriftete Holz an Land gezogen und zu Holzkohle verarbeitet wurde.

Die Residenzstadt der Fürsterzbischöfe war auch Nutznießer des florierenden Bergbaus, denn die Paläste, Kirchen und Klöster konnten mit wertvollen Ausstattungen versehen werden. Dazu kommt noch, dass in Adnet bei Hallein und in Fürstenbrunn am Fuße des Untersberges Dekorgesteine gewonnen wurden, die ebenfalls zur Schönheit der Stadt beitragen. Diese „Marmore“ waren auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, denn sie wurden nach ganz Europa exportiert,wie nach Vilnius, Dresden, Wien und München. Sehr schöne Gitter aus Schmiedeeisen mit reicher Vergoldung schützen Paläste und Kirchen vor unliebsamen Besuchern.

Heute wird im Land Salzburg nur mehr ein Erzbergbau betrieben, der jedoch „Weltformat“ hat, der Wolframbergbau im Felbertal/Pinzgau. Abgebaut wird das Mineral Scheelit, eine Kalzium-Wolfram Verbindung, verwendet wird Wolfram für extrem harte Schneidwerkzeuge („Vidia“) in der Stahlindustrie und für die Hitzeschilde der Raumfahrttechnik (Space Shuttle).

Eine besonders gefragte Spezialität für den Straßenbau ist der Diabas, ein uraltes vulkanisches Gestein aus dem Gebiet von Saalfelden. Für die Fahrbahnen von Straßen und Autobahnen wird der Diabas verwendet, da er durch den Reifenabrieb nicht poliert wird und deshalb die Rutschgefahr der Fahrzeuge mindert. Kalke, so genannte Marmore wie Adneter- und Untersberger- Marmor, Sande, Schotter und Kiese werden auch heute noch in großen Mengen für die Bauindustrie gewonnen.

Das Haus der Natur – ein lebendiges Museum – mit einer eigenen Geologie-Abteilung bewahrt und zeigt eine sehr schöne Mineralien- und Fossiliensammlung, wobei die meisten Objekte durch bergbauliche Tätigkeit gefunden wurden. Die neu eingerichtete Dauerschau „Lebensader Salzach“ öffnet mit modernster Präsentationstechnik Einblicke in alle Wissensbereiche entlang der Salzach. Die neue Computertechnik ermöglicht Flüge und Zeitreisen über das Salzachtal in der Jetztzeit, in der Eiszeit und vor vielen Millionen Jahren.

Ein eigens für diese Ausstellung produzierter Film präsentiert im Salzachkino den Natur- und Kulturraum in bester „Universum“ – Qualität.

Werfen – Marktgemeinde

Blick von der Festung auf die Marktgemeinde Werfen. © Marktgemeinde Werfen

Markt und Festung am Eingang ins „Innergebirg“

Geschichte

Der Ortsname geht auf das mittelhochdeutsche Wort werve (werbe) in der Bedeutung „Wirbel, Strudel“ zurück und verweist darauf, dass hier die Salzach am Fuß der Burg „herumgewirbelt“ wird. Die ältesten Belege für eine Besiedlung stammen aus dem 2. Jahrtausend v. Chr., wobei Kupferabbau und Verhüttung – wie Funde prähistorischer Schmelzplätze belegen – von besonderer Bedeutung waren. Die Überreste römischer Meilensteine verweisen auf eine wichtige Nord-Süd-Verbindung durch das Salzachtal. So findet sich in der „Tabula Peutingeriana“, der Kopie einer antiken Straßenkarte des 4. Jh. n. Chr., der Name Vocario für eine Raststation an der römischen Tauernstraße im Raum Werfen-Pfarrwerfen. Das Zusammenbrechen des Imperium Romanum führte auch hier zu einer vorübergehenden Entvölkerung. Für die Christianisierung der Region spielte die auf das frühe 8. Jh. Zurückgehende „Maximilianszelle“ in Bischofshofen eine entscheidende Rolle. Sie war zugleich der erste Stützpunkt für die vom Bistum Salzburg ausgehende Missionierung der Alpenslawen. Ein wichtiger Impuls war die im Investiturstreit ab 1077 massiv ausgebaute Festung Hohenwerfen.

Hohenwerfen zur Zeit der Umbauarbeiten zwischen 1565 und 1586. (Zeitgenössische Federzeichnung; SLA, KuR G.60; Reproduktion SLA)
Hohenwerfen zur Zeit der Umbauarbeiten zwischen 1565 und 1586. (Zeitgenössische Federzeichnung; SLA, KuR G.60; Reproduktion SLA)

Werfen, das 1332 erstmals als Markt erwähnt wurde, ist eine planmäßige Gründung, die zwischen 1190 und 1242 (Nennung als oppidum) erfolgte. Seit der Mitte des 13. Jh. war der Marktort auch Sitz des gleichnamigen Pfleggerichtes und somit für rund fünf Jahrhunderte Zentrum von Verwaltung und Rechtssprechung für den Pongau. Im Bereich der Justiz blieb Werfen bis Ende 2002 Sitz eines Bezirksgerichts. Seither ist das Bezirksgericht St. Johann für diesen Gerichtssprengel zuständig. 1731 wurden auf Befehl des Erzbischofs mehr als 20.000 Salzburger Protestanten wegen ihrer religiösen Überzeugung vertrieben. Aus dem Pfleggericht Werfen mussten damals rund 4.000 Bewohner ihre Heimat verlassen. Viele von ihnen siedelten sich in Ostpreußen an – manche wanderten sogar nach Amerika aus. Bis heute halten die Nachkommen der Vertriebenen, deren Mehrheit heute in Deutschland lebt, durch ein reges Vereinsleben und persönliche Besuche die Verbindung zum Herkunftsland ihrer Vorfahren aufrecht.

In den Napoleonischen Kriegen war der nördlich von Werfen gelegene Pass Lueg einer der Brennpunkte der Kämpfe. Vor allem 1809 kam es dort zu heftigen Gefechten, wobei sich der in Werfen geborene Josef Struber (1773-1845), der Wirt vom Stegenwald, als einer der Anführer der einheimischen Schützenformationen besondere Verdienste erwarb. Letztlich blieben aber auch in diesem Raum die unter blutigen Verlusten erkauften Abwehrerfolge nutzlos und hatten keinen Einfluss auf den Verlauf der Franzosenkriege im gesamteuropäischen Kontext.

Die ersten Jahrzehnte nach dem endgültigen Übergang Salzburgs an Österreich 1816 bedeuteten eine Zeit der wirtschaftlichen Stagnation. Die 1875 erfolgte Fertigstellung der Eisenbahn brachte keine positiven Impulse, da der Bahnhof zu weit vom Ortszentrum entfernt lag.

Werfen konnte auch vom beginnenden Fremdenverkehr im ausgehenden 19. Jh. nur wenig profitieren. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte auch in diesem Ort ein nachhaltiger Aufschwung ein. Die restaurierten historischen Gebäude im Ortszentrum sowie moderne Wohn- und Feizeitanlagen sind ein sichtbares Zeichen für die positive Entwicklung der Gemeinde in den letzten Jahrzehnten.

Ortsbild

Werfen und die Festung Hohenwerfen um 1880. (Aquarell von C. P. C. Köhler; aus: Die Salzburger Alpen. Aquarelle mit Schilderungen, Darmstadt o. J., nach S. 84; SLA, Graphik I. 32; Reproduktion SLA)
Werfen und die Festung Hohenwerfen um 1880. (Aquarell von C. P. C. Köhler; aus: Die Salzburger Alpen. Aquarelle mit Schilderungen, Darmstadt o. J., nach S. 84; SLA, Graphik I. 32; Reproduktion SLA)

Werfen liegt am linken Salzachufer zu Füßen der Burg Hohenwerfen, deren Anfänge bis ins Jahr 1077 zurückreichen. Diese Festung kontrollierte den Zugang in die inneralpinen Gebiete des Erzstifts. 1526 wurde sie in den Bauernkriegen kampflos übergeben und von den Aufständischen niedergebrannt. Zwischen 1565 und 1586 fanden umfangreiche Um- und Ausbauarbeiten statt, um den geänderten Ansprüchen der Kriegstechnik gerecht zu werden. Nachdem sie Anfang des 19. Jh. ihre militärische Funktion verloren hatte, kaufte 1898 Erzherzog Eugen v. Habsburg die Festung und rettete sie vor dem endgültigen Verfall. 1931 zerstörte ein Brand große Teile der historisch wertvollen Inneneinrichtung. 1938 ging Hohenwerfen in den Besitz des damaligen Reichsgaues Salzburg über. Von 1948 bis 1987 beherbergte die Festung eine Schule der Österreichischen Bundesgendarmerie.

Seit 1990 veranstaltet der Museumsverein Werfen in diesem historischen Wehrbau, in dem im gleichen Jahr auch eine Greifvogelstation eingerichtet wurde, laufend Ausstellungen. Ab 1992 fanden Renovierungsarbeiten und die Umgestaltung zu einer „Erlebnisburg“ statt, die seit 2006 auch über eine Schrägseilbahn erreicht werden kann.

Der Ortskern von Werfen bietet das Bild eines planmäßig angelegten Straßenmarktes. Zu erwähnen sind hier der in der Mitte des 16. Jh. Errichtete „Brennhof“ (heute: Gemeindeamt) mit seinen spätgotischen Maßwerkfenstern und dem Hof mit Laubengängen sowie das auf den gleichen Zeitraum zurückgehende ehemalige Bezirksgericht. Die dem heiligen Apostel Jakobus d. A. geweihte einschiffige Pfarrkirche auf einer Hangstufe westlich der Hauptstraße wurde Mitte des 17. Jh. errichtet. Ihre durch Brände zerstörten Vorgängerbauten gehen bis ins späte 13. Jh. zurück. Ebenfalls erhöht liegt das ehemalige Kapuzinerkloster mit der aus der ersten Hälfte des 18. Jh. stammenden Kirche „Maria Hilf“. Abseits des historischen Zentrums prägen moderne Zweckbauten das Erscheinungsbild der Gemeinde.

Wirtschaft

Eisriesenwelt Werfen, Blick in die Posselthalle. © Eisriesenwelt GmbH
Eisriesenwelt Werfen, Blick in die Posselthalle. © Eisriesenwelt GmbH

Dominierender Wirtschaftsbetrieb mit überregionaler Bedeutung ist das im Ortsteil Tenneck gelegene Eisenwerk. Ab den 1770er Jahren wurde dort aus Brauneisenerz mit der aus den umliegenden Wäldern stammenden Holzkohle Roheisen hergestellt und in einem Hammerwerk weiterverarbeitet. Heute erzeugt der Betrieb, der knapp 300 Mitarbeiter beschäftigt, hochwertige Walzen für die verschiedensten Einsatzgebiete in der Stahlindustrie.

Seit dem 16. Jh. kamen immer wieder Gäste zur Jagd nach Werfen, wobei hauptsächlich das im Blühnbachtal gelegene Schloss mit seinem ausgedehnten Jagdrevier Unterkunft für die prominenten Besucher bot. Grundsätzlich hat der Fremdenverkehr (2008: 38.299 Übernachtungen) keine entscheidende Funktion in diesem von Klein- und Mittelbetrieben aus dem Handel und Gewerbe bzw. Dienstleistungssektor geprägten Ort. Auch die Landwirtschaft spielt heute nur eine untergeordnete Rolle. Rund 150.000 Besucher kommen jährlich in die 1879 vom Salzburger Naturforscher Anton Posselt entdeckte „Eisriesenwelt“, um während der Sommermonate (Mai bis Oktober) den für Besucher zugänglichen Teil dieser größten Eishöhle der Welt zu besichtigen.

Wappen

Im geteilten Schild oben in Gold die wachsende vorwärtsgekehrte Gestalt eines Pilgers mit rotem Kleide, schwarzem Mantel und ebensolchem barettartigem Hut, in der Rechten einen Pilgerstab haltend, die Linke in die Seite gestützt, unten in Blau ein aufrechter rechtsgewendeter schwarzer Hund (Verleihung: 30.9.1930); die Interpretation ist umstritten, doch durfte das Wappen den Hl. Rochus mit seinem Hund darstellen.

Aktuell

Seehöhe 552m, Fläche 153,98 km², 3.059 Einwohner (2009), Politischer Bezirk St. Johann im Pongau, Gerichtsbezirk St. Johann im Pongau.

Waging am See – Markt

Der jetzt durchgehend gepflasterte Marktplatz © Tourist-Info Waginger See / Richard Scheuerecker

Wiege der Bayern

Geschichte

Bereits im ältesten Salzburger Güterverzeichnis „Notitia Arnonis“, das Bischof Arno von 788 bis 790 n. Chr. aufstellen ließ, ist als Geschenk des bayerischen Herzogs Theodbert an das Kloster Nonnberg zu Salzburg ein Ort im Chiemgau namens Uuaginga genannt. Der Ortsname ist vom Personennamen Wago abgeleitet, wohl dem Führer der ersten bayerischen Siedlergruppe. Dass Waging schon im frühen Mittelalter besiedelt wurde, zeigt das große baiuwarische Reihengräberfeld aus dem 6. und 7. Jahrhundert im Ortsbereich, dessen Funde heute im Bajuwarenmuseum zu besichtigen sind. Die zum Gräberfeld gehörende Baiuwarensiedlung ist wohl von den Gebäuden des heutigen Waging überbaut worden.

Gewandfibeln im Bajuwarenmuseum. © Tourist-Info Waging
Gewandfibeln im Bajuwarenmuseum. © Tourist-Info Waging

Salzburg blieb etwa 1000 Jahre lang politisch und kirchlich für den Ort und sein Umland bestimmend. Die Entwicklung in dieser Zeit ist überwiegend als positiv zu bezeichnen. Erst als zu Beginn des 19. Jahrhunderts Napoleon die politische Landkarte Europas veränderte, wurde die gedeihliche Verbindung abgebrochen. Das gesamte geistliche Fürstentum Salzburg wurde 1810 dem neu gegründeten Königreich Bayern und schließlich 1816 Österreich zugeordnet. Nur die Gebiete links der Salzach und Saalach, der so genannte „Rupertiwinkel“ mit den Städten Laufen und Tittmoning und den Märkten Waging und Teisendorf, verblieben damals bei Bayern.

Ein weiteres einschneidendes Ereignis in der historischen Entwicklung ist die im Jahr 1385 erstmals urkundlich nachweisbare Bezeichnung des Ortes als „Markt“ und seiner Bewohner als „Bürger“. Für den Erhalt des Marktprivilegs waren einige Voraussetzungen erforderlich. So muss Waging damals bereits zu einer beachtlichen Größe angewachsen sein und sicherlich haben die Lage an einer bedeutenden Salzstraße, die nahegelegene Schranne, also der Gerichtsplatz des Pfleggerichtes Halmberg, sowie der Sitz eines erzbischöflichen Urbaramts, also einer Behörde zur Verwaltung des erzbischöflichen Grundbesitzes, zur Markterhebung beigetragen. Mit dem Marktrecht wurde Waging z. B. das Recht zugesprochen, den Weinpreis zu bestimmen und Maße und Gewichte festzusetzen. Mehrere Erweiterungen des Marktrechtes, wie z. B. 1521 der wöchentliche Markt und 1541 ein Pferdemarkt, ließen Waging zu einem wirtschaftlichen Zentrum der Region werden.

Zur Blüte gelangte der Ort jedoch in den folgenden Jahrhunderten, nachdem 1560/65 die Pfleggerichte Halmberg und Tettelham mit dem Urbaramt Waging zusammengelegt wurden. Mit dem Pfleggericht war die bedeutendste Behörde des Umlandes im Markt angesiedelt und auch der Pfarrsprengel wurde im Laufe der Zeit mehrmals erweitert. Das damit entstandene große Einzugsgebiet forderte die Entwicklung des Ortes sehr. So ließen Amtsbesucher, Mitglieder der Kirchengemeinden, die Teilnehmer an den Märkten und Fuhrleute auf der Durchreise manchen Gulden im Ort, was heute noch an den stattlichen Häusern im Dorfzentrum und an der prachtvollen Ausstattung der Pfarrkirche St. Martin zu erkennen ist.

Ortsbild

Seit der Absenkung des Seespiegels um zwei Meter im Jahre 1867 liegt der Markt nicht mehr direkt am Ufer des Waginger Sees, sondern ist davon ein Stück abgerückt. Der Ortskern ist geprägt von zwei- und dreigeschossigen Häusern mit einer Mischung aus Wohnraum und kleinen Gewerbeeinheiten in Form von Einzelhandels-, Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben, die im späten 18. und 19. Jahrhundert ihre größte Blüte hatten. Ein Teil der Häuser mit den weit vorstehenden Flachsatteldächern erinnert an den aus Holzbalken gezimmerten Haustyp, der nach den großen Brandkatastrophen von 1611 und 1763 mehr und mehr zurückgedrängt worden ist. Ebenso findet sich der Haustyp der Inn-Salzach-Städte mit hinter Blendgiebeln und Vorschussmauern versenkten Dächern. Beim ehemaligen salzburgischen Pfleggerichtsgebäude in der Bahnhofstraße zeigt sich mit dem großen vorkragenden Schopfwalmdach der Salzburger Einfluss. Ein ähnlicher Bau ist der große, den Marktplatz beherrschende ehemalige Brauereigasthof.

Die Wilhelm-Scharnow-Straße ist eine Handwerkergasse, die sich durch lebendige Vielfalt ihrer Häuserfronten und Dachformen sowie durch malerische Einblicke auszeichnet. Der Gesamteindruck der Seestraße wird vom Martinihof, dem ehemaligen Pfarrhof, und der Pfarrkirche St. Martin bestimmt. Diese 1611 unter Einbeziehung älterer Bauteile errichtete Kirche, die einen Turm mit einer auffallenden zweifach gedoppelten Zwiebelhaube besitzt, ist eine dreischiffige Basilika. Die reiche Innenausstattung entstammt größtenteils dem Barock und Rokoko. Dabei ist vor allem die prächtige Kanzel hervorzuheben.

Die Hinwendung zum Tourismus und der wachsende Stolz der Bürger auf ihren Heimatort trugen bei der vor einigen Jahren durchgeführten Dorfsanierung und der Umgestaltung des Dorfkerns zum Gelingen dieses ehrgeizigen Projektes bei. Die zunehmende Verkehrsbelastung in der Ortsmitte hatte, vor allem saisonbedingt in den Sommermonaten, zu einem spürbaren Attraktivitätsverlust geführt. Hier Abhilfe zu schaffen und die historische Prägung des Ortsbildes zu erhalten, waren die wichtigsten Ziele. Nach großen Umgestaltungsmaßnahmen wie der durchgehenden Pflasterung des Marktplatzes, an dem wie schon in früherer Zeit die wichtigsten innerörtlichen, nun verkehrsberuhigten Straßen zusammenmünden, und der denkmalgerechten Restaurierung der Bürgerhäuser ist Waging zu einem idyllischen Fremdenverkehrsort mit Platz für Straßencafés und Geschäftsauslagen geworden, der Bewohner und Gäste zum Bummeln und Promenieren einlädt.

Wirtschaft

Die wirtschaftliche Bedeutung Wagings schwand mit der Eingliederung des Rupertiwinkels in das Königreich Bayern und ließ den Ort die folgenden eineinhalb Jahrhunderte als stillen Marktflecken im Grenzgebiet zu Österreich dahindämmern. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich einige größere Betriebe an, darunter eine Bootswerft, eine Firma für Fahrzeugbau und eine bedeutende Käserei. Vor allem der Fremdenverkehr, der den Markt als „Luftkurort am wärmsten See Oberbayerns“ erfolgreich vermarktet, ließ den Ort wieder aufblühen.

Wappen

Das Wappen des Marktes zeigt folgendes Bild: In Blau auf grünem Boden der silbern nimbierte, golden gerüstete heilige Martin auf schwarz gezäumtem silbernem Ross, der mit dem silbernen Schwert ein Stück seines roten Mantels dem auf dem Boden sitzenden Bettler zuteilt. Der heilige Martin ist der Patron der Pfarrkirche und des Ortes. Das Bild des heiligen Martin mit dem Bettler erscheint bereits auf dem ersten bekannten Ortssiegel im 17. Jh..

Aktuell

Seehöhe 465 m, Fläche 48,86 km2, 6.333 Einwohner (2008), Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Traunstein.
Von den kulturellen Einrichtungen ist vor allem das Bajuwarenmuseum mit seinen vor Ort ausgegrabenen Bodenfunden, die das Leben der Menschen im frühen Mittelalter dokumentieren, hervorzuheben.

Trostberg (inkl. Altenmarkt) – Stadt

Trostberg heute. © Stadt Trostberg

Stadt an der Alz

Geschichte

Unterhalb des Berges, auf dem zu Beginn des 12. Jahrhunderts das Kloster Baumburg gegründet wurde, führte eine Brücke über die Alz, an der sich rasch eine zum Kloster orientierte Marktsiedlung entwickelte. Doch um den lukrativen Brückenzoll der Salzstraße von Reichenhall nach Wasserburg und München an sich zu ziehen, legten die Klostervogte, die bayerischen Pfalzgrafen von Kraiburg- Ortenburg, rund 100 Jahre später einige Kilometer die Alz abwärts auf Grund, den sie dem Kloster Baumburg zuvor abgepresst hatten, Burg und Markt Trostberg mit einer eigenen Alzbrücke an. Der ehemals florierende Klostermarkt wurde schnell zum „alten Markt“ (Altenmarkt), der einen Großteil seiner Rechte an die Neugründung abgeben musste. Der 1245 erstmals überlieferte Name Trostberg ist abgeleitet vom mittelhochdeutschen Wort trōst „Zuversicht, Vertrauen, Mut“ und bedeutet „Burg, die Zuversicht bzw. Vertrauen gibt“.

Nach dem Übergang von den 1248 erloschenen Kraiburgern an das bayerische Herrscherhaus der Wittelsbacher wurde der neue Markt Trostberg Grenzbefestigung gegen das nach dem ersten Erhartinger Vertrag bis zum rechten Alzufer reichende Erzstift Salzburg, gleichzeitig im Zug des Landesausbaus Sitz eines bayerischen Pfleggerichts, das bis zur bayerischen Einigung 1505 zum Landesteil Niederbayern-Landshut gehörte. 1457 erhielt der Markt als Ersatz für bei einem Brandunglück zerstörte Privilegien ein Marktrecht. Er wurde von einem gewählten Rat verwaltet, der insbesondere für die Einhaltung der öffentlichen Ordnung sorgte, und er hatte neben einem samstäglichen Wochenmarkt zwei Jahrmärkte, die 1509 auf drei vermehrt wurden.

Wegen seiner beengten Lage zwischen Burgberg und Alz war der ursprüngliche Markt sehr klein. Er bestand nur aus dem zum Platz erweiterten „inneren Markt“, der heutigen Hauptstraße. Schon die Alzbrücke lag vor dem Ort, und noch im 14. Jahrhundert mussten die Bürger, als sie eine eigene Kirche bauen wollten, auf landwirtschaftlich genutzten Grund vor den Mauern ausweichen. Damit waren bereits einige Menschenalter nach der Gründung des Marktes seine Grenzen gesprengt, und in Kürze entstand im „Vormarkt“ eine Vorstadt außerhalb der Mauern, die flächenmäßig größer als der innere Markt war.

Trotzdem blieben die Gegebenheiten eng und spiegelten damit auch die ökonomischen Verhältnisse des Marktes wieder. Trostberg blieb eine kleine, nur auf das nahere Umland orientierte Handwerkersiedlung mit stets unter 1000 Einwohnern, ohne Anbindung an den überörtlichen Warenaustausch. Auch als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Landesgrenze bis zur Salzach nach Osten verschoben wurde, litt das um den Ort rein agrarisch strukturierte Trostberger Gebiet noch lange unter seiner „Randlage“. Weiteren Verlust an Zentralität brachte die Auflösung des erst 1803 neu formierten Landgerichts Trostberg, das dem 1863 gebildeten Bezirksamt Traunstein, dem heutigen Landkreis, eingegliedert wurde. Der Kraftwerksbau und die Ansiedlung wichtiger Industriebetriebe führten am Beginn des 20. Jh. zu einem raschen Wachstum und 1913 zur Stadterhebung. Die Gebietsreform der 1970er Jahre brachte der Stadt durch die Eingliederung der Umlandgemeinden Lindach, Heiligkreuz und Oberfeldkirchen eine erhebliche Gebietserweiterung und einen weiteren Bevölkerungsanstieg.

Ortsbild

Die Altstadt von Trostberg mit Hauptstraße und Vormarkt gilt heute als herausragendes Beispiel für den Typus der Inn-Salzach-Stadt. Sie wurde in den letzten Jahren einer umfassenden, behutsamen Stadtsanierung unterzogen. Das Stadtbild wird bestimmt durch die giebelseitig zur Straße stehenden Bürgerhäuser, teils mit getreppten Giebeln, teils mit vorgeblendeten Mauern und geraden Abschlüssen. Diese Häuser stammen im Kern meist aus dem 16. und 17. Jahrhundert, wurden zwar vielfach erneuert, aber stehen immer noch auf der mittelalterlichen Baulinie des Straßenmarkts. Auf der Rückseite zur Alz hin haben die Gebäude häufig hölzerne Giebel-, Balkon- und Laubenfronten, die der Volksmund als „Trostberger Orgel“ bezeichnet.

Sowohl der Vormarkt, Standort des regional bekannten Kulturzentrums „Postsaal“, als auch die Hauptstraße führen auf die spätgotische Pfarrkirche St. Andreas hin, deren erster Vorgängerbau 1347 geweiht wurde. Oberhalb der Pfarrkirche auf dem Schlossberg sind Reste des kurz nach 1800 weitgehend abgetragenen Pflegschlosses mit der Schlosskapelle St. Michael erhalten. Im Norden wird die Hauptstraße begrenzt von der ehemaligen Hofmark Schedling mit dem gleichnamigen Schloss, das ab dem 15. Jahrhundert erwähnt wird. Die Schlosskapelle birgt ein Deckengemälde von Franz Joseph Soll, einem Hauptmeister des Trostberger Rokoko. Ein Fresko von Soll ziert auch die Außenwand des gegenüber vom Schloss liegenden Stadtmuseums mit umfangreichen Sammlungen zur bürgerlichen Stadtkultur und zur lokalen Industriegeschichte.

Alz Chemie heute, Panorama. © Alz Chemie
Alz Chemie heute, Panorama. © Alz Chemie

Wirtschaft

Trostberg wurde 1891 von Traunstein her an das Eisenbahnnetz angeschlossen und die Lokalbahn wurde 1910 bis Garching verlängert, doch wirklichen Aufschwung und Wohlstand brachte erst die Ausnutzung der Wasserkraft der Alz. Mit dem Jahr 1908, dem ersten Spatenstich an der Stelle des künftigen Wehrs in Trostberg, begann für das Alztal das Industriezeitalter, und fast gleichzeitig mit der Erhebung zur Stadt 1913 wurde Trostberg mit seiner Kalkstickstofffabrik ein Eckpfeiler des entstehenden Chemiedreiecks im Inn-Salzach-Gebiet. Für sichere Arbeitsplätze sorgen der Chemiepark Trostberg (das frühere Kalkstickstoffwerk, später SKW, dann Degussa und heute AlzChem), eine Papierfabrik, eine Handelskette für Nahrungsmittel, ein Druck- und Verlagshaus sowie eine Reihe unterschiedlicher Dienstleistungs-, Handels- und Handwerksbetriebe.

Wappen

Das seit dem 14. Jahrhundert verwendete Wappen zeigt in Blau auf grünem Dreiberg drei einzelstehende silberne Türme mit offenen Toren; der große mittlere Turm hat über Zinnen ein rotes Spitzdach, der (heraldisch) rechte ein rotes Satteldach, der linke ein rotes Spitzdach. Während die Türme auf den Bergfried des ehemaligen Schlosses und die beiden Tortürme an der Marktstraße verweisen sollen, nimmt der Dreiberg auf den zweiten Teil des Ortsnamens Trostberg Bezug.

Aktuell

Seehöhe 493m, Fläche 51,36 km2,11.560 Einwohner (2008), Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Traunstein.
Trostberg verfügt über zahlreiche Schulen, darunter eine Realschule, ein Gymnasium, eine Musikschule, eine Berufsfachschule und eine Volkshochschule.

Traunstein – Stadt

Die im Jahr 2000 abgeschlossene Sanierung hat dem Stadtplatz vieles von seinem ursprünglichen Charakter zurückgegeben. © Stadtarchiv Traunstein

Herz des Chiemgaus

Geschichte

Ungeachtet der Tatsache, dass die ältesten Salzburger Güterverzeichnisse schon um das Jahr 790 Besitzungen ad Trun nennen, wissen wir über Traunsteins Frühzeit wenig. Neue Grabungen erhärten zwar den bisher lediglich vermuteten Bezug zu den Herren de Truna, die von 1120 bis 1242 in Urkunden benachbarter Kloster aufscheinen; die Veste, die nachmalige Herzogsburg, war wohl ein (oder der) Sitz dieses Adelsgeschlechts.

Doch namentlich tritt Trauwenstain, die – übersetzt man das Grundwort „Stein“ in den heutigen Sprachgebrauch – „Burg an der Traun“, erst 1245 als officium (Amt) des Klosters Baumburg in das Licht der Geschichte. 30 Jahre später fällt der Salzburg zugehörige Chiemgau an Bayern, und mit ihm Trovnstein, nahe der Grenze zum Erzstift auf einer Anhöhe gelegen, von der aus man den Flussübergang der Straße Reichenhall-München kontrollieren konnte. 1275 verlegte der Herzog eine Mautstation nach Travnstain, das um 1300 als befestigte ‚Stadt’ mit Bürgern, Zoll und Salzhandelsprivilegien bezeichnet wird. Ein ‚Rat’ lässt sich ab 1314 nachweisen. Am Ende dieser Entwicklung stehen die 1375 von Herzog Friedrich verliehenen Stadtrechte. Pfarrsitz blieb das zwei Kilometer südlich gelegene Haslach; Sankt Oswald, 1342 erwähnt, war bis 1851 nur eine Filialkirche. 1493 wurden Straßen und Gassen gepflastert, 1510 schrieb eine neue Ratswahlordnung die Gliederung in zwei Kammern und das Amt des Bürgermeisters vor. Von den Gräueltaten des Dreißigjährigen Krieges blieb man verschont, doch im August 1635 raffte die Pest 117 Menschen, ein Zehntel der Gesamtbevölkerung, hinweg.

Traunstein im Inn-Salzach-Stil ‚am Vorabend´ des Brandes von 1851. © Stadtarchiv Traunstein
Traunstein im Inn-Salzach-Stil ‚am Vorabend´ des Brandes von 1851. © Stadtarchiv Traunstein

Marodierende Panduren verursachten 1704 im Verlauf des Spanischen Erbfolgekriegs den ersten Stadtbrand. Die Schäden waren beträchtlich, doch die eigentliche Katastrophe brach erst in der Nacht vom 25. zum 26. April 1851 über Traunstein herein, als 100 Bürgerhäuser und die Mehrzahl der öffentlichen Gebäude ein Raub der Flammen wurden. Dank vielfältiger Hilfen gelang der rasche Wiederaufbau.

Der nun einsetzende Aufschwung erhielt seinen entscheidenden Impuls 1860 mit der Eisenbahnlinie München-Salzburg. Die Einwohnerzahl wuchs von rund 2.200 (1805) auf 7.400 (1905). 1899 überflutete ein Jahrhunderthochwasser die tiefergelegenen Vororte. Im selben Jahr wurde die Auferstehungskirche der evangelischen Glaubensgemeinschaft geweiht.

Ein Stadtrat ersetzte 1919 das seit Jahrhunderten bestehende Zweikammersystem. Am 9. März 1933 wehte die Hakenkreuzfahne vom Rathaus, eine 1922 gegründete Ortsgruppe der NSDAP hatte den Boden für die Machtübernahme bereitet. Im November 1938 vertrieben die Nazis die jüdischen Mitbürger; die Stadt war „judenfrei“. 1939 hatte Traunstein 11.500 Einwohner; sechs Jahre später waren 523 von ihnen gefallen, 73 vermisst. Bombenangriffe zerstörten im April 1945 das Bahnhofsviertel, über 100 Menschen fanden den Tod. Am 3. Mai 1945 besetzten amerikanische Truppen die Stadt kampflos. In zahlreichen Lagern und Lazaretten waren Evakuierte, Flüchtlinge, Vertriebene und Verwundete untergebracht.

Die Kommunalwahlen am 27. Januar 1946 wiesen den Weg in die Demokratie, Schritt für Schritt gelang es, die Probleme der Nachkriegszeit zu lösen. Dem Bevölkerungsanstieg – von 11.700 im Jahr 1939 auf 14.600 – trug die bauliche Weiterentwicklung im Südwesten Rechnung. „Neu-Traunstein“ erhielt 1960 mit der Pfarrei Heilig- Kreuz einen kirchlichen Mittelpunkt. 1972 unterstellte die Gebietsreform das kreisfreie Traunstein dem Landkreis als „Große Kreisstadt“. Kammer und Hochberg wurden 1972, Haslach und Wolkersdorf 1978 eingemeindet.

Ortsbild

Fast alle wesentlichen Bauten, darunter der Lindlbrunnen (1526) und das Rathaus (1576), entstanden im 16. Jahrhundert. Hans Donauers Deckengemälde (Antiquarium der Münchner Residenz, um 1590) bietet eine erste verlässliche Gesamtansicht: Das Zentrum dominiert die Kirche. Eckpfeiler der Befestigung sind das Schaumburger Schloss (rechts), die Veste (links) sowie der untere und obere Turm. Vom Spitalviertel Heilig Geist führte die Straße über die lange Brukken durch den Vorberg und das Mauttor den Khniepaß hinauf zum unteren Stadttor. Den weiten Marktplatz begrenzten Sonn– und Schadtzeile. Auch zwei kleinere Ausgänge, im Norden das Brunntürl, im Süden an der Stelle des jetzigen Löwentors das Autürl, waren bewehrt. Ein fünfter Turm im Haseneck an der südwestlichen Ecke der Stadtmauer beherbergte das Gefängnis. Der Brand von 1704 veränderte das mittelalterliche Weichbild. Beide Schlösser und die Stadtmauer gab man dem Verfall preis. Traunstein nahm das Gepräge der Inn-Salzach-Städte an, mit Laubengängen, Erkern und hochgezogenen Feuermauern. Das malerische Ambiente fand 1851 mit dem zweiten Stadtbrand ein jähes Ende. Der Wiederaufbau erfolgte im zeitgemäßen Stil des Historismus, dem die ‚Erfordernisse der Moderne’ ab den 1960er Jahren bis in die Gegenwart deutliche Beeinträchtigungen zugefügt haben. Die 1999 abgeschlossene Umgestaltung hat dem Stadtplatz viel von seinem ursprünglichen Charakter zurückgegeben.

An bedeutenden Denkmälern sind das Heimathaus (Stadtmuseum), die Stadtpfarrkirche St. Oswald mit deutlichen Spuren der Graubündner Schule um Zucalli, Sciasca und Riva, die Salinenkapelle, ein markanter Zentralbau des Barock, die spätgotische Johanneskirche in Kammer, die Haslacher Pfarrkirche und ihre hervorragende Sammlung alter Epitaphe sowie die im Zuge der Ausdehnung der Stadt nach Westen entstandene Villenbebauung zu nennen.

Wirtschaft

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war Salz der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Traunstein war Umschlagplatz für den Transport des ‚weisen Goldes’ aus Reichenhall. Schon um 1350 werden eine Niederlage und ein „Salzhaus“ genannt. Nachdem der Landesherr 1587 den ertragreichen Salzhandel an sich gezogen hatte, erhielt die Stadt den bis dahin von den bürgerlichen Salzsendern erhobenen „Scheibenpfennig“ als staatlichen Zuschuss. Und 1619 nahm eine unmittelbar vor ihren Toren in der Au errichtete Saline den Betrieb auf. Von Reichenhall führte die Reiffenstuelsche ‚Pipeline’ die Sole „über das Gebirge“. Jährlich wurden bis zu 200.000 Zentner Salz hergestellt. Die letzte Sud war am 29. Juni 1912. Überregionale Bedeutung hatte auch die Schranne, der drittgrößte wöchentliche Getreidemarkt im Königreich. Aktuell präsentiert sich Traunstein als Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum, Stadt der Behörden, Schulen und Gerichte, deren Wirtschaft mittelständische Handels-, Handwerks- und Gewerbebetriebe tragen, darunter noch drei private Brauereien.

Wappen

Das Stadtwappen zeigt in Schwarz zwei aus grünem Dreiberg wachsende, ausgebogene goldene Lilienstängel. Es entwickelte sich aus dem seit dem 14. Jahrhundert bezeugten städtischen Siegel. Während der Dreiberg auf das Grundwort „-stein“ verweist, waren die Lilien ursprünglich kleiner und erreichten erst seit dem 16. Jh. ihre heutige dominante Größe.

Aktuell

Seehöhe 600m, Fläche 48,53 km2, 18.729 Einwohner (2008), Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Traunstein.
Das „Herz des Chiemgaus“ ist Anlaufstation für den Tourismus der Ferienregion mit dem Attribut „Vaterstadt“ Papst Benedikts XVI., der hier seine Jugend verbrachte und seit 2005 Ehrenbürger ist.
Der traditionelle Georgiritt am Ostermontag zieht Jahr für Jahr weit über zehntausend Besucher in seinen Bann.

Traunreut – Stadt

Traunreut, Rathausplatz © Stadt Traunreut

Europastadt voller Dynamik

Geschichte

Die Stadt Traunreut liegt etwa 15 km nordöstlich des Chiemsees auf der rechten Hochschotterterrasse des Flusses Traun in einer risseiszeitlichen Altmoränenlandschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, entwickelte sich die Stadt durch eine Reihe von Industrieansiedlungen und durch den Zuzug vieler Menschen, vor allem aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, rasch zur heute größten und wirtschaftlich stärksten Stadt im Landkreis Traunstein.

Entstanden ist die Stadt aus den Bunkern und Magazinhäusern der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt St. Georgen. Seit 1938 betrieb die Deutsche Wehrmacht hier eine Fabrik, in der hochgiftige Kampfstoffe hergestellt und in Granaten abgefüllt wurden. Mit der Fabrik errichtete man damals auch mit großem Aufwand eine Infrastruktur, von der ein großer Teil der Straßen, das Bahngleis sowie die Wasserversorgung und -ableitung heute noch genutzt werden und die Grundzüge der Stadtanlage prägen. Nicht zuletzt entstand eine Vielzahl von Bunkern, Baracken und Schuppen. Diese Gebäude bildeten die Voraussetzung dafür, dass schon im September 1945 etwa zwei Dutzend Familien von Vertriebenen hier im ansonsten unwirtlichen Waldgebiet eine Unterkunft finden konnten.

1946 schickte die amerikanische Besatzungsmacht deutsche Kriegsgefangene zu Aufräumungs- und Entgiftungsarbeiten hierher. Zudem wurde die Stadtentwicklung bereits bald nach Kriegsende auch vom Landkreis gefördert, dessen Bevölkerung durch Heimatvertriebene extrem angewachsen war. Die Gründung der Gemeinde Traunreut sollte die Wohnungsknappheit mildern. 1947 lebten bereits etwa 600 Personen in der „Muna [Munitionsanstalt] St. Georgen“, wie der Ort bis zur Gemeindegründung 1950 hieß. Zum Zeitpunkt der Stadterhebung 1960 zählte Traunreut bereits 6000 Einwohner. Zur heutigen Einwohnerzahl von ca. 21.000 wuchs die Stadt während der wirtschaftlichen Wachstumsphasen in den 1960er und 1970er Jahren durch den Zuzug von Gastarbeitern, dann in den 1980ern von Deutschen aus Südosteuropa und schließlich nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ durch Spätaussiedler aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion.

Ortsbild

Traunreut, Stadtplatz © Stadt Traunreut
Traunreut, Stadtplatz © Stadt Traunreut

Die städtische Infrastruktur entwickelte sich in ähnlich schnellem Maße. 1952 wurde Traunreut mit der Abzweigung Hörpolding-Traunreut an die Strecke Traunstein-Mühldorf des bayerischen Eisenbahnnetzes angeschlossen, 2006 die zeitweise eingestellte Strecke Traunstein-Traunreut wieder in Betrieb genommen. Bereits unmittelbar nach der Gemeindegründung errichtete man nach Entwürfen des Ortsplaners Josef Rackl 1955 das Rathaus am Rathausplatz, 1954 die evangelische Pauluskirche und die katholische Kirche „Zum Heiligsten Erlöser“, jeweils am südlichen bzw. nördlichen Ende des großzügig angelegten Stadtplatzes. Mit dem Bau weiterer zentraler Einrichtungen wie 1954 einer Apotheke, 1955 einer Postfiliale und 1957 eines Hotels bildete sich der städtische Charakter des Ortes heraus.

Die Kernstadt Traunreut mit ihrem unverfälschten, planmäßig angelegten Stadtplatz und ihren vielen Bauelementen aus den 1950er Jahren stellt heute eine städtebauliche Besonderheit dar. Ältere historische Denkmäler findet man dagegen nur in den eingemeindeten Ortschaften. Auf einem Hügel über der Traun überragt die Kirche Mariae Himmelfahrt den Ort Traunwalchen. Die im 15. Jahrhundert erbaute und 1837 tiefgreifend umgebaute Kirche beherbergt im Hochaltar als bemerkenswertes Kunstwerk eine spätgotische Madonna, die im beginnenden 16. Jahrhundert zum Verehrungsobjekt einer Wallfahrt wurde. Eng verbunden mit der Wallfahrt nach Traunwalchen ist das so genannte „Frauenbrünndl“, ein Zentrum der Volksfrömmigkeit. Es besteht aus einer Quelle, die an einem Hügel hinter dem Dorf entspringt, und einer im Jahre 1606 errichteten Kapelle mit vielen Votivtafeln, die wundersame Heilungen durch das Quellwasser bezeugen. Gotische Kirchen dominieren auch die Ortsansichten der zum Stadtbereich gehörenden Orte St. Georgen und Irsing.

Stein an der Traun liegt kurz vor der Mündung der Traun in die Alz in einer Talenge, die ostwärts mit einer steilen Nagelfluhwand von 48 m Höhe und über 500 m Lange abschließt. Gleichsam an der Felsenwand klebend, präsentiert sich als bekannteste Attraktion des Ortes die eindrucksvolle Hohlenburg. Diese größte und besterhaltene Höhlenburg Deutschlands wurde vollständig in den Felsen hinein gehauen. Die düsteren Räume und Gänge, in denen der sagenumwobene Raubritter Heinz von Stein gelebt haben soll, können besichtigt werden.

Zwischen den Orten Traunwalchen und Matzing liegt am westlichen Ufer der Traun in idyllischer Lage das Schloss Pertenstein. Es wurde um 1290 erbaut und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Nach einer grundlegenden Sanierung in den letzten Jahrzehnten, bei der der Turm gerade gerichtet und Arkaden freigelegt wurden, erscheint es heute als ein eindrucksvoller Dreiflügelbau mit Innenhof. Mit der Durchführung von Veranstaltungen im Schloss und der Einrichtung eines Pferdesportzentrums mit großer Reithalle kehrte auch wieder Leben in die Anlage ein.

Wirtschaft

Schon bald nach 1948 siedelten sich mehrere Industriebetriebe mit vielen Arbeitsplätzen an. Die leerstehenden Gebäude der Muna bildeten hier ideale Unterbringungsmöglichkeiten. Zu den ersten Betrieben gehörten 1948 die Firmen „Dr. Johannes Heidenhain“ und 1949 die „Siemens Elektrogeräte GmbH“. Es folgten optische und mechanische Werkstätten, Textil- und Zellstofffabriken und weitere Betriebe. Firmen dieser Art benötigten gut ausgebildete Fachkräfte.

Früh erkannten so auch die Stadtplaner, dass gute Bildungsmöglichkeiten eine Existenzgrundlage der aufstrebenden jungen Stadt waren, und planten deshalb schon 1950 ein geräumiges Areal für verschiedene Arten von Schulen ein. Der Bau des städtischen Hallenbades 1970 führte zu einer Aufwertung der Schulsportanlagen. Das Problem des fehlenden Umlandes bremste in den 1970er Jahren die Entwicklung, bis mit der Gebietsreform 1978, bei der die ehemals selbständigen Gemeinden Traunwalchen, Stein an der Traun und Pierling eingemeindet wurden, das heute großflächige Stadtgebiet entstand. Dies führte zu einem weiteren erheblichen Bevölkerungszuwachs und brachte der jungen Stadt viel an Tradition und althergebrachter Kultur ein. Ab 1992 wurden am Rand der Kernstadt Gewerbegebiete mit Einzelhandel und Einkaufszentren ausgewiesen und machten die Stadt wirtschaftlich endgültig zu einem Zentrum des Handels und Gewerbes.

Wappen

Das Wappen, das die Stadt seit 1955 führt, zeigt in Grün ein silbernes Zahnrad über einem silbernen Wellenbalken. Das Zahnrad als allgemein gültiges heraldisches Sinnbild für Industrie und Handwerk bezieht sich auf das Wesen der Gemeinde und die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Bewohner. Der Wellenbalken als heraldisches Flusssymbol weist auf die Traun und damit auf den Ortsnamen hin.

Aktuell

Seehöhe 552 m, Fläche 45,05 km2, 21.910 Einwohner (2010), Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Traunstein.
Das erst vor wenigen Jahren eingerichtete Stadtarchiv bewahrt die schriftlichen Traditionen der jungen Stadt und des Umlandes. Weitere kulturelle Einrichtungen sind das Heimathaus, das vor allem die Erinnerung an die ehemaligen deutschen Ostgebiete – die frühere Heimat der ersten Bewohner der Stadt – aufrechterhalten soll, und das neueröffnete Kultur- und Veranstaltungszentrum „K1“.

Tittmoning – Stadt

Blick auf die Stadt Tittmoning – im Hintergrund die Schlote des Kohlekraft-werkes Riedersbach, OÖ. © S. Schwedler

Die ehemalige salzburgisch-bayerische Grenzstadt

Geschichte

Der am Ende der letzten Eiszeit abschmelzende Salzachgletscher schuf bei Tittmoning ein breites Becken mit Mittel- und Hochterrassen, die sich als geeignete Siedlungsplätze erwiesen. Aus der näheren Umgebung sind seit der Jungsteinzeit Funde überliefert, während die Römerzeit in Tittmoning bedeutende Spuren hinterlassen hat.

Für die links der Salzach verlaufende Römerstraße von Iuvavum-Salzburg in Richtung Regensburg und Passau galt es hinter Tittmoning ein steiles Gelände auf die Hochterrasse zu überwinden, was zur Ansiedlung von Werkstätten der Metallverarbeitung führte, deren Erzeugnisse 1978 ergraben wurden. Bereits 1903 und zuletzt 1974 konnten nahe der heutigen Stiftskirche Teile eines reich gestalteten Mosaikfußbodens und farbige Putzflächen aus dem 3./4. Jahrhundert geborgen werden, die nun in restauriertem Zustand im „Heimathaus des Rupertiwinkels“ auf der Burg zu besichtigen sind.

Reihengräber aus baiuwarischer Zeit belegen die Nutzung der verkehrsgünstigen Lage und des fruchtbaren Jungmoränenbodens. Nach 700 schenkte der Agilolfinger Herzog Theodpert der Salzburger Kirche sowie dem Kloster Nonnberg dort Grundbesitz. 1234 ertauschte Erzbischof Eberhard II. vom Kloster Nonnberg den Berg zu Tittmoning, ließ ihn als Grenzfeste gegen das benachbarte wittelsbachische Burghausen befestigen. Am Fuß der Burg legte er die heutige Stadt an, geprägt von dem 350 Meter langen Marktplatz mit dem „Saumarkt“, dem Handwerkerviertel im Süden und dem „Herrenmarkt“ im Norden. Die schon 1242 mit einem Mauerring umgebene Siedlung wird 1265 erstmals als Stadt bezeichnet. Ein Stadtrichter wird 1366, ein Bürgermeister 1424 erwähnt. Als Zentrum der landesherrlichen Verwaltung für ein weites Umland war Tittmoning Sitz eines Pflegers, Landrichters, Mautners und Kastners und diente nach 1600 auch den Erzbischöfen als beliebter Jagdaufenthalt, woran der Fürstenstock auf der Burg erinnert. Nach der Säkularisation des Erzstifts Salzburg 1803 kam nach mehrmaligem Regierungswechsel 1810 das neu gebildete Landgericht Tittmoning an Bayern und verlor 1816 durch die Grenzziehung zwischen Bayern und Österreich das rechts der Salzach gelegene Hinterland. Durch die Verwaltungsreform des Jahres 1862 wurde das Landgericht Tittmoning aufgelöst und mit Laufen vereinigt. Die Landkreisreform von 1972 führte zur Angliederung des ehemaligen salzburgischen Pfleggerichts Tittmoning an den Landkreis Traunstein.

Ortsbild

Nach dem verheerenden Stadtbrand 1571, dem auch die ab 1410 neu errichtete spätgotische Pfarrkirche St. Laurentius und die Katharinenkapelle mit dem Stadtturm in der Platzmitte teilweise zum Opfer fielen, erfolgte der Wiederaufbau der Stadt in Form der Inn-Salzach-Bauweise mit hochgezogenen Fassaden, hinter denen sich das Grabendach verbirgt (vgl. auch Laufen). Mehrere der würfelförmigen Bürgerhäuser weisen stuckverzierte Fassaden und Erker aus dem 18. Jahrhundert auf.

Ostseite des Stadtplatzes mit Rathaus. © S. Schwedler
Ostseite des Stadtplatzes mit Rathaus. © S. Schwedler

Bemerkenswert sind das Rathaus mit vergoldeten Terrakottabüsten römischer Imperatoren über den Fenstern, geschaffen 1711 von dem Bildhauer Reichard Högner, und das Khuenburg-Haus mit zweigeschossigen Rundbogenarkaden auf Rotmarmorsäulen im Innenhof aus dem 16. Jahrhundert. 1815 zerstörte ein Brand erneut die Stiftskirche und deren barocke Ausstattung mit Werken des Bildhauers Meinrad Guggenbichler und des Malers Johann Michael Rottmayr.

Zu den bedeutenden Sakralbauten zählen die ehemalige Klosterkirche der Augustiner-Eremiten, erbaut von 1681 bis 1683 mit einheitlicher barocker Ausstattung, und die Wallfahrtskirche Maria Ponlach, ein Zentralbau von 1716 mit einem Hochaltar des Salzburger Hoftischlers Simon Thaddäus Baldauf.

Die Burg von Südosten mit dem Getreidekasten. © S. Schwedler
Die Burg von Südosten mit dem Getreidekasten. © S. Schwedler

Die das Stadtbild beherrschende Burg mit unterschiedlich hohen Tuffquaderbauten, einer Ringmauer mit umlaufendem Wehrgang und dem um 1550 errichteten mächtigen Getreidekasten hat ihre mittelalterliche Baugestalt noch weitgehend bewahrt.

Wirtschaft

Den wirtschaftlichen Schwerpunkt Tittmonings bildeten durch die Jahrhunderte der Salztransport, die Leinenproduktion sowie der Warenhandel an der bayerisch-salzburgischen Grenze, gewährleistet durch zwei Wochenmärkte und mehrere Jahr- und Viehmärkte, die auch das weitere Umland mit Waren versorgten. Der Rückgang des Schiffverkehrs setzte schon Ende des 18. Jahrhunderts ein und verstärkte sich durch die Grenzziehung 1816, mit der die Stadt ihr Absatzgebiet jenseits der Salzach verlor. Durch die Randlage an der Grenze Bayerns und die damit verbundene wirtschaftliche Stagnation hat sich die Baugestalt der Stadt nahezu unverändert erhalten. Inzwischen haben sich größere technische Betriebe mit weltweitem Absatz am Rande der Stadt angesiedelt und tragen zur Wirtschaftskraft Tittmonings bei.

Wappen

In Blau eine silberne Stadtmauer mit offenem Tor, goldenem Fallgatter und zwei rot bedachten Zinnentürmen, zwischen ihnen ein golden gekleideter Bischof mit Mitra, die Rechte segnend erhoben, in der Linken einen goldenen Krummstab. Das Wappen mit der Bischofsfigur über dem Stadttor ist seit dem zweiten Stadtsiegel von 1403 nachweisbar und erinnert an die bis 1803 währende Herrschaft der Erzbischöfe von Salzburg.

Aktuell

Seehöhe 385 m, Fläche 72,04 km2 (inklusive der eingemeindeten Ortsteile), 6.097 Einwohner, Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Traunstein.
Das „Heimathaus des Rupertiwinkels“ in der Burg dokumentiert als Regionalmuseum die Kultur und Geschichte des Rupertiwinkels mit den Schwerpunkten Römerzeit, Volkskunst, Handwerkskultur, Landwirtschaft und religiöse Volkskunde. Bedeutend die Sammlung von 180 schmiedeeisernen
Grabkreuzen und 130 Schützenscheiben ab 1630. In den Museumsrundgang einbezogen ist die 1693 erbaute Schlosskapelle mit einem Altarbild von Johann Michael Rottmayr.

Thalgau – Marktgemeinde

Ansicht des Marktes Thalgau heute gegen den Thalgauberg. © Marktgemeinde Thalgau

Historisches Zentrum mit wirtschaftlicher Dynamik

Geschichte

Der alte Gerichtsort Thalgau wird um 790 in der Notitia Arnonis erstmals als Talagaoe erwähnt. Die Bezeichnung als Gau blieb hier – so wie in Pfongau – am Ort haften und erfuhr keine räumliche Ausdehnung; der Ortsname bedeutet einfach „Ort im Tal“. Ein vom Kardinal und Erzbischof Konrad III. von Wittelsbach um 1180 bei der Pfarrkirche St. Martin gegründetes Augustiner Chorherrenstift hatte nur kurzen Bestand. Als Sitz der Urbarverwaltung und seit dem 16. Jh. auch des Landgerichts erfüllte Thalgau wichtige Funktionen. Nicht zuletzt wegen dieser regionalen Bedeutung – in Thalgau sind mehrere überörtliche Einrichtungen wie Bezirksgericht, Dekanat, Schulzentrum und Regionalverband untergebracht – wurde der Ort im Jahr 1976 zur Marktgemeinde erhoben.

Ortsbild

Der Markt Thalgau um 1900 mit Blick auf den Schober und die Drachenwand. (SLA, Fotos. A 20345; Repro SLA)
Der Markt Thalgau um 1900 mit Blick auf den Schober und die Drachenwand. (SLA, Fotos. A 20345; Repro SLA)

Der aus einer langgezogenen Siedlung entlang von Straße und Bach entstandene Ort ist durch einige barocke historische Gebäude wie die Pfarrkirche St. Martin (1755) und das Bezirksgericht (1757) sowie mehrere frühe Industrie- und Gewerbebauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gekennzeichnet. Einige Kilometer außerhalb liegt im Südosten des Marktes die Ruine Wartenfels am Fuße des Schober, einst Stammsitz der gleichnamigen Herren und nach deren Abwanderung Sitz eines erzbischöflichen Pfleggerichts.

Wirtschaft

War die Gemeinde ursprünglich stark von der Landwirtschaft geprägt, so wurde bereits im 16. Jahrhundert auf Grund der vorhandenen Wasserkraft das eisenverarbeitende Gewerbe angesiedelt. In den letzten Jahrzehnten konnten neben den zahlreichen eingesessenen Handels- und Gewerbebetrieben auch einige bedeutende Gewerbe- und Industriebetriebe neu angesiedelt werden, darunter die größte europäische Produktionsstätte eines japanischen Weltkonzerns für Elektronik, wodurch sich die Arbeitsplatzsituation für die Bevölkerung deutlich verbesserte. Durch die Nähe zur Stadt Salzburg einerseits und zu den Salzkammergutseen andererseits entwickelte Thalgau auch eine gute touristische Infrastruktur.

Wappen

Im goldenen Felde zwei von den Schildesseiten gegen die Mitte des Schildes sich herabsenkende grüne Berge, die zusammen ein Tal bilden. Darüber schwebt das Wappen der Herren von Wartenfels, nämlich: Der schräg gestellte Schild zeigt im blauen Feld auf grünem Boden einen stehenden, naturfarbenen Steinbock. Darüber ist ein Topfhelm mit blau-goldenem Wulst angebracht, der von fünf fächerartig gestellten und am oberen Ende mit je vier Pfauenfedern bedeckten naturfarbenen Holzstangen geziert ist. Zwischen den Holzstangen sind je drei Pfauenfedern eingefügt. Das Wappen enthält eine Anspielung auf den Namen der Gemeinde (Tal) und das Wappen der Herren Wartenfels als früheste Gerichtsherren der Gegend.

Aktuell

Seehöhe 545m, Fläche 48,26 km2, 5.365 Einwohner (2009).
Thalgau ist heute ein zentraler Ort des östlichen Flachgaus von sowohl wirtschaftlicher als auch touristischer Bedeutung.

Teisendorf – Markt

sommerliches Panorama über Teisendorf mit den Bergen über Salzburg, Untersberg, Fuderheuberg, Hochstaufen, Zwiesel und Teisenberg © ROHA Fotothek Teisendorf

Zentralort im Bauernland

Geschichte

Der Ortsname geht auf den Personennamen Tuso oder Tiuso, vielleicht den Führer einer bayerischen Siedlergemeinschaft, zurück. Bereits die erste schriftliche Nennung als Tusindorf im 8. Jahrhundert lässt eine große Ansammlung von Bauerngütern vermuten, wobei sich der Siedlungsschwerpunkt im Verlaufe des Spätmittelalters von Oberteisendorf nach Niederteisendorf (heute: Teisendorf) verlagerte, auf einer hochwasserfreien Kuppe oberhalb der Sur gelegen. Nach 1274/75 entstand dort eine erzbischöflich-salzburgische Straßen- und Warenmaut, aus deren anfänglich hohen Erträgnissen die seit der Römerzeit bestehende wichtige Reichsstraße in diesem Bereich unterhalten werden sollte. Die prominente Lage an einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt, den vor allem die aus Reichenhall kommenden Salztransporte nutzten, begründete den Aufstieg des Ortes Teisendorf, der im Jahre 1344 erstmals als Markt urkundliche Erwähnung fand. Seine Bewohner nannten sich Bürger. Ein planmäßiger Ausbau zu einem wirtschaftlichen Mittelpunkt für das umliegende Bauernland ist anzunehmen, möglicherweise auch im Hinblick auf ein wirtschaftliches Gegengewicht zur bayerischen Stadt Traunstein.

Für Teisendorf ist 1533 ein Wochenmarkt belegt, doch muss es bereits eine längere Tradition gegeben haben. Somit war der Markt Teisendorf auch unter den Salzburger Landständen vertreten. Der Rang als Marktflecken fand eine bauliche Entsprechung durch die entlang des Marktplatzes errichteten Bürgerhäuser, während auch das geografische Umfeld innerhalb des Burgfriedens lag und damit dem besonderen Rechtsstatus des Marktortes unterworfen war. Außerhalb davon galt das allgemeine Landrecht, das von dem auf der bei Oberteisendorf gelegenen Burg Raschenberg residierenden Verwaltungsbeamten (Pfleger) repräsentiert wurde. 1678 verlegte der Pfleger endgültig seinen Amtssitz in den Markt Teisendorf, woraufhin Raschenberg dem Verfall preisgegeben wurde. Nur vier Jahre später vernichtete ein Großbrand den Marktflecken fast vollständig. Ein erneuter Brand 1746 richtete nur geringfügig weniger Schaden an.

Votivtafel 1745 "Panduren-Einfall" - gemalt vermutl. v. Anton Elsässer (1682-1754): Einritt der Panduren unter Freiherr von der Trenk - nördliche Marktstraße © ROHA Fotothek Teisendorf
Votivtafel 1745 „Panduren-Einfall“ – gemalt vermutl. v. Anton Elsässer (1682-1754): Einritt der Panduren unter Freiherr von der Trenk – nördliche Marktstraße © ROHA Fotothek Teisendorf

1810/16 wurden das Gericht und der Markt Teisendorf bayerisch; 1818 kam es zur Gemeindebildung, wobei Markt und Burgfrieden dem Steuerdistrikt Teisendorf entsprachen. Seit 1860 ist Teisendorf an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen im Zuge des Zweiten Weltkriegs wuchs die Bevölkerung des Marktes Teisendorf um fast 50 Prozent. Mit der Gebietsreform 1978 kam es zur Eingemeindung der Orte Freidling, Holzhausen, Neukirchen, Oberteisendorf, Rossdorf, Rückstetten und Weildorf, wodurch das heutige Gemeindegebiet etwa der Fläche des ehemaligen Pfleggerichts Raschenberg vor dessen Auflösung 1811 entspricht.

Ortsbild

Der Markt Teisendorf zeigt das typische Gepräge eines Straßendorfes, dessen aneinandergereihte Bürgerhäuser die Durchgangsstraße flankieren. Teils handelt es sich um giebelständige Gebäude, teils um Häuser im Inn-Salzach-Stil.

Die Wallfahrtsmadonna ("schöne Madonna" genannt, von 1430) in der Wallfahrtskirche Weildorf; Weildorf war eine große Wallfahrt und lebt derzeit wieder als Wallfahrtsort auf © ROHA Fotothek Teisendorf
Die Wallfahrtsmadonna („schöne Madonna“ genannt, von 1430) in der Wallfahrtskirche Weildorf; Weildorf war eine große Wallfahrt und lebt derzeit wieder als Wallfahrtsort auf © ROHA Fotothek Teisendorf

In erhöhter Lage, ursprünglich im Frühmittelalter als Eigenkirche errichtet, steht das dem hl. Andreas geweihte und 1362 urkundlich erwähnte Gotteshaus, das als Pfarrkirche für das bäuerliche Umland galt. Zu den Filialkirchen zahlen St. Johannes/Mehring, St. Laurentius/Wimmern und St. Leonhard/Holzhausen, wohin sich alljährlich am Pfingstmontag rund 300 Reiter zum Umritt begeben. Unter den weiteren Pfarrkirchen Oberteisendorf, Neukirchen und Weildorf ist letztere noch heute eine bekannte Wallfahrtskirche, die über eine gotische Madonnenfigur als Gnadenbild verfügt.

Von der aus dem 12./13. Jahrhundert stammenden Burg Raschenberg haben sich kaum obertägige Reste erhalten. Das Umland ist geprägt durch bäuerliche Baukultur und eine Siedlungsstruktur, die ihre mittelalterlichen Ursprünge noch erkennen lässt.

Durch die Errichtung einer Umgehungsstraße wurde die Durchfahrtsstraße im Markt verkehrsberuhigt, was sich positiv auf das heutige Erscheinungsbild ausgewirkt hat. Das Bergbaumuseum im Achthal gibt Einblicke in die Geschichte des ehemaligen Eisenerzbergwerkes. Zahlreiche Wanderwege durchziehen das Gemeindegebiet.

Wirtschaft

Während im Hoch- und Spätmittelalter die Einkünfte aus der Straßen- und Warenmaut durch den regen Salztransport von Reichenhall nach Traunstein beträchtlich gewesen sein müssen, schwand diese Einnahmequelle im Verlaufe des 16. Jahrhunderts fast zur Gänze. Später zog der Markt seinen größten Gewinn aus den Braugasthäusern und Tavernen, wozu sich mehrere Handwerksmeister mit ihren Betrieben gesellten. Die bereits bestehende Brauerei wurde 1666 vom Salzburger Erzbischof erworben und in den Rang eines Hofbräuhauses gestellt. Heute ist die mittlerweile in Privatbesitz befindliche Teisendorfer Brauerei Biermarktführer im Landkreis Berchtesgadener Land und Werbeträger für den Marktort.

Vom Spätmittelalter bis 1925 erfolgte im Achthal der Abbau von Eisenerzen, weshalb es zwischenzeitlich zur Errichtung einer Eisengewerkschaft kam, deren Produkte überregionale Bekanntheit erlangten. Bis zum Zweiten Weltkrieg lebte das Umland des Marktfleckens überwiegend von der Landwirtschaft; heute ist die Wirtschaft der Marktgemeinde neben dem Fremdenverkehr zusätzlich geprägt durch zahlreiche mittelständische Handwerksbetriebe.

Wappen

Das bereits auf der ersten gemalten Salzburger Landtafel 1592 in ähnlicher Form überlieferte Wappen zeigt in Rot auf grünem Boden stehend den silbern gekleideten heiligen Andreas, der mit der Rechten ein schräges braunes Kreuz (Andreaskreuz) hält. Andreas ist der Schutzheilige der Teisendorfer Pfarrkirche, die Farben Rot und Weiß (Silber) erinnern an die Herrschaft der Salzburger Erzbischöfe. Die Marktgemeinde erhielt 1836 die Erlaubnis, das alte Wappen wieder zu führen, der grüne Boden kam später hinzu.

Aktuell

Seehöhe: 540m, Fläche 86,70 km², 9.177 Einwohner (2009), Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Berchtesgadener Land.